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Beauty | 21.12.2016

Eigenfett kann mehr!

Historisch medizinisch betrachtet gibt es Eigenfett-Transplantationen seit 120 Jahren. Doch erst heute erleben sie einen Boom. Zwischen vollen Wangen und Rhizarthrose-Therapie ist vieles möglich.

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Erst im Sommer dieses Jahres wurde am LKH Graz die erste Patientin mit Rhizarthrose, also einem schmerzhaften, kraftlosen Daumensattelgelenk, erfolgreich mit Eigenfett behandelt. Bisher ist bei dieser typischen Frauenkrankheit operiert oder Hyaluronsäure gespritzt worden. Doch Eigenfett kann mehr, wie der Leiter der Klinischen Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie am LKH Graz, Lars-Peter Kamolz, erklärt. „Da unser Fettgewebe einen hohen Anteil an Stammzellen hat, hat es die Fähigkeit, sich in verschiedenste Gewebe wie z. B. auch Knorpel umzuwandeln. Das heißt: Die Fettstammzellen wirken entzündungshemmend und knorpelschützend und haben zudem das Potenzial, Knorpeldefekte zu heilen“.


Wandelbares Multitalent.

Genau diese Eigenschaft ist es auch, die Eigenfett-Behandlungen in der ästhetischen Medizin boomen lässt. „Die Methode, Fettzellen aus Körperregionen, wo sie reichlich vorhandenen sind, zu entnehmen und an anderer Stelle, wo sie benötigt oder gewünscht werden, zu injizieren, wird schon seit Jahren angewendet“, erklärt Johann Umschaden, Primarius an der der Schwarzl Schönheitsklinik. Neue Methoden der Fettgewinnung und -aufbereitung sowie der -implantation bringen heute aber noch bessere Ergebnisse. Das heißt: Bis zu 80 Prozent der übertragenen Fettzellen wachsen an der gewünschten Stelle an. Im Fachjargon: Sie heilen ein. Das hat die Einsatzbereiche enorm erweitert. Eigenfett wird heute für unterschiedlichste Indikationen eingesetzt, am häufigsten, um einen Volumenmangel auszugleichen.

Beispiele?

„Vertiefungen und Dellen nach Operationen, Volumenverlust der Wangen, Auffüllen von Dellen und Unebenheiten wie z. B. bei Cellulite", erklärt Johann Umschaden. Auch Narben lassen sich gut mit Eigenfett behandeln: Die Stammzellen, die sich in unterschiedliche Gewebezellen differenzieren können, können sich zu Bindegewebszellen verwandeln. „So lässt sich das Narbenbild verbessern oder auch eine Unterhautgewebsschicht neu aufbauen“, erklärt der Experte. „Eigenfett wird auch zur Brustvergrößerung bzw. zum Brustaufbau verwendet, wobei das aber noch kontroversiell diskutiert wird.“ Johann Umschaden nutzt den Eigenfetttransfer fast ausschließlich zum Auffüllen von Narben, Dellen oder anderen Gewebsdefekten (z. B. nach Eingriffen) oder um Celullite zu beseitigen. „Wenn intakte Fettzellen erst einmal eingeheilt sind, hält das Ergebnis ein Leben lang. Hyaluron­filler hingegen müssen wir, da sie abgebaut werden, nach ein paar Monaten neu applizieren.“

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Fakten im Check

  • „Eigenfett ist das neue Hyaluron" – stimmt das?
     Nein. Eigenfett und Hyaluronsäure sind komplett unterschiedliche Mittel, die für unterschiedliche Bereiche zum Einsatz kommen. Zwar kann man mit Hyaluronsäure ebenfalls kleine Volumina auffüllen, das ist jedoch nur beschränkt möglich. Hyaluron wird außerdem wieder abgebaut. Dank ihrer gelartigen Beschaffenheit ist Hyaluronsäure aber ausgezeichnet geeignet, um feine und mitteltiefe Falten zu unterspritzen. Eigenfett hingegen kann man nicht so knapp unter die Oberhaut platzieren, da das Fett durch die Haut durchscheinen würde. Der große Vorteil von Eigenfett: sehr vielfältig verwendbar, meist auch verfügbar und natürlich. Es ist nicht mit Abstoßungsreaktionen zu rechnen.

  • Eigenfett-Transfers muss man nicht wiederholen.
    Stimmt grundsätzlich, aber nicht immer. Denn es ist so: Bei der Fettzellentnahme werden auch geschädigte Fettzellen mitentnommen, da diese nicht von den intakten getrennt werden können. Diese werden miteingespritzt, aber vom Körper abgebaut. Das bedeutet, dass das eingespritzte Volumen weniger wird, aber das Restvolumen von rund 50–70 Prozent dauerhaft bleibt und sogar zu- und abnimmt, je nach Gewichtsentwicklung. Ist zu wenig Füllung nach dem Einheilen der Fettzellen vorhanden, kann man den Vorgang wiederholen, um das Wunschziel endgültig zu erreichen.

  • Eigenfetttransplantationen bergen (fast) keine Risiken.
    Es gibt grundsätzlich Risiken. Wenn zu viele oder zu viele geschädigte Fettzellen an einer Stelle appliziert werden, kann der Körper sie nicht abbauen, wodurch ein Abszess entstehen kann, das chirurgisch saniert werden muss. Bei der Fettentnahme ist – wie bei der Fettabsaugung – auch das Thromboserisiko erhöht. Es ist ratsam, nach dem Eingriff eine Thromboseprophylaxe durchzuführen.

  • Eigenfett-Injektionen sind teurer als andere Filler.
    Fetteinspritzungen sind teurer als etwa eine Hyaluronsäureunterspritzung, da es sich dabei um einen operativen Eingriff handelt. Der Preis hängt von der Menge des zu implantierenden Fettes sowie von der Dauer des Eingriffes ab.
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