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Editor's Mind Angelica Pral-Haidbauers Kolumne

Editor's Mind | 07.09.2020

Die Krise schenkte uns auch eine Chance

… den Blick für das Wesentliche zu schärfen. Immer mehr Menschen haben den Mut, neue Wege zu gehen.

Dieser Sommer war – mit Abstand – ein außergewöhnlicher. Wie ist es denn Ihnen mit den Einschränkungen ergangen? Nun, leicht war es sicher nicht immer, doch diese Zeit der Entschleunigung schenkte uns auch eine neue Chance, nämlich den Blick für das Wesentliche zu schärfen. Auswählen zu können, was uns wirklich guttut, Träume zu leben, so klein und bescheiden diese auch sein mögen. Ich persönlich habe mir diesen Luxus gegönnt – und ich war damit nicht allein. So fragte sich auch Nina Blum, von deren Regiedebüt an der Wiener Staatsoper wir berichten, in ihrer TV-Sendung „Spurwechsel“: „Wann ist der richtige Zeitpunkt, seine eigenen Träume zu leben? Wie merken wir, wann es Zeit ist, die Spur zu wechseln und etwas Neues zu beginnen? Diese Fragen haben sich meine Protagonisten gestellt. Denn sie hatten beschlossen, auf  ihr Bauchgefühl sowie die Frühwarnsignale ihres Körpers zu hören, Brücken abzubrechen und völlig neue Wege einzuschlagen. Ihr Mut und ihr Vertrauen ins Leben sind eine Inspiration für viele Menschen, besonders in dynamischen Zeiten wie diesen.“

Um diesen Mut geht es auch im Filmprojekt „Inspire me“ der niederösterreichischen Regisseurin Johanna Franziska Kriks. „Es gibt Menschen, die ihr Leben zu einem ganz großen Teil selbst gestalten und darin eine tiefe Zufriedenheit finden – doch in den Medien sind sie kaum vertreten. Wir bringen diese Menschen auf die Bühne, dokumentieren und verbreiten diese Inspiration mit unseren Videos, um Menschen Mut zu machen, ihren eigenen Weg zu gehen.“ Dafür wurde sie jetzt ausgezeichnet.

 

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Neue Wege: Märchensommer-Intendantin Nina Blum (Bild) inszeniert eine Wanderoper durch das Hasu am Ring (© Martin Hesz)

 

Und sie spielten doch! Mit dieser Erfolgsmeldung können wir die Vielfalt des niederösterreichischen Kultursommers auf den Punkt bringen. Sie spielten, indem auch sie völlig neue Wege gingen. Wie zum Beispiel die „Sommerspiele Melk“, die in der Zeit der Pandemie gleich sechs Premieren zur Aufführung brachten. Wie sie das schafften? Die Antwort: Fünf Tage hindurch proben und jeden Freitag Premiere feiern! „Wir Künstler brauchen das Publikum. Und das Publikum braucht Kultur. Lebendige Kultur“, sagte uns Tomasz Konieczny, der bei den ersten „Weinviertler Festspielen“, übrigens dem einzigen Wagner-­Festival weltweit im Corona-Jahr 2020, die Partie des Fliegenden Holländers übernahm und umjubelt wurde.

Inspirationen! Dieser Leitgedanke wird Sie in dieser Ausgabe in allen Rubriken begleiten. Wie schrieb der englische Dichter Samuel Butler der Ältere bereits Mitte des 17. Jahrhunderts? „Wahre Inspiration stellt sich unbemerkt ein und wird erst nach einiger Zeit in ihrer vollen Bedeutung erkannt.“ Das klingt doch nachhaltig inspirierend ...

Herzlichst,
Ihre Angelica Pral-Haidbauer
Chefredakteurin