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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 21.09.2020

Der Hund, mein Mann und ich. Ehe zur dritt.

Damit der Hund Respekt vor mir hat, scheue ich nicht vor dem Äußersten zurück.

Mir scheint, dass in dieser virusbelasteten Zeit die Marotten der Menschen zunehmen. Also, meine in jedem Fall. Und mein Umfeld, formulieren wir es vorsichtig, war auch schon Marotten-befreiter. Marotten sind schrullige Eigenarten, die Leute – einfach so – entwickeln. Haustiere nicht ausgenommen, zumindest unseres nicht. Max, beispielsweise, der Hund, mit dem mein Mann und ich seit sieben Jahren eine solide Ehe zu dritt führen, entwickelte in den vergangenen Monaten gleich drei für mich belastende Marotten.

1.) Er möchte als alleiniger Partner seines Herrchens offiziell anerkannt werden und straft seine Nebenbuhlerin, also mich, mit trotziger Verachtung. Es ist bei uns so ähnlich wie in einem dieser düsteren Ingmar-Bergman-Filme: Max ist Liv Ullmann, Bergmans rechtmäßige Ehefrau, die auch im Film immer Bergmans Ehefrau spielt. Ich bin eine Art Praktikantin, die zufällig in die Beziehung reingerutscht ist. Und weil sie schon mal da ist, hat sie vor zu bleiben, was Liv Ullmann nicht so gerne sieht. Sie sehen, es ist kompliziert. 

2.) Mein Mann hat Max, also Liv. Ullmann, immer an seiner Seite, auch im Büro. Sucht er einen Ort auf, zu dem er Liv nicht mitnehmen will oder kann, wirft der Hund, egal wo er ist, seine 45 Kilo auf den Boden, schließt die Augen und stellt sich mausetot. Stundenlang. 

Als tatkräftige Praktikantin versuche ich ihn dann durch gute Worte, liebevolles Zerren am Halsband und in Aussicht gestellte Leckerlis zum Weiterleben zu bewegen, alles sinnlos. Der Lebenswille des Hundes rasselt in den Keller, wenn er schnallt, dass er mit seinem Mann, oder vielleicht betrachtet er ihn auch als seine Frau, jedenfalls mit MEINEM Mann nicht mit darf.


3.) Da Max in der Lage ist, Türen zu öffnen (er springt so lange auf die Schnalle, bis sich das geschrottete Schloss erbarmt und aufgeht), ist mein Mann der Überzeugung, mit dem intelligentesten Hund des Universums zusammen zu leben (bzw. verheiratet zu sein). So ein unfassbares Glück!
Jetzt wollen Sie sicher langsam wissen, was denn nun MEINE Marotte ist. Also. Sie ist klitzeklein. 

Ausgehend von der nervtötenden Tür-Öffnungs-Marotte, der raumgreifenden Tot-Stellungs-Marotte und der kaltblütigen „Wir führen so lange eine Dreiecksbeziehung, bis du Schlampe endlich aufgibst“-Marotte von Max, stelle ich mir immer öfter vor, ich wäre Polizist. In voller Montur, gerne auch bei der Eliteeinheit Cobra, mit schwerem Gerät. Weil Max dann größeren Respekt vor mir hätte.

Er fürchtet die Polizei nämlich über die Maßen, vielleicht war er in einem früheren Leben Bankräuber, oder so. Sieht Max einen Polizisten oder hört er eine Polizeisirene, wird er klein, zahm und pflegeleicht.

Zufällig las ich im Internet die Geschichte über einen Mann, der seiner Familie jahrelang vormachte, er sei Polizist, obwohl er in Wirklichkeit Buchhalter war. Jeden Tag verließ er in Polizeiuniform das Haus, abends erzählte er Heldentaten aus seiner Polizei-Karriere und irgendwann flog die Sache auf. Plötzlich hatte seine Familie viel weniger Respekt vor ihm, der arme Kerl richtete sich schließlich selbst.

Das tragische Ende ausgespart, könnte ich es auch so machen. Jeden Morgen, bevor der Max erwacht und wie von Sinnen vor Freude meinen bettwarmen Mann umarmt und küsst, könnte ich rasch in meine Uniform schlüpfen, eine Sirene durch die Gegend schwenken und „Hallo, hier ist die Polizei, gibt es jemanden zu verhaften?“ brüllen. Max‘ Respekt, vielleicht sogar seine Bewunderung, wäre mir sicher.

Abends dann das Gleiche. Idealerweise könnte ich in der Uniform nächtigen, die Sirene fest an mich gepresst. Falls der Hund zum Sprung ins Bett ansetzt, zack! Sirene an, tatütata, „Sie sind verhaftet, Arme hinter dem Kopf verschränken, aber dalli!“ und irgendwo treib‘ ich eine Spritzpistole auf, die den Täter außer Gefecht setzt.

Einzige Frage: Woher krieg‘ ich eine Uniform? Falls Sie wen kennen, der wen kennt, der so was besorgen kann ... ich komme im Gegenzug sehr gerne mit dem intelligentesten Hund des Universums zu Ihnen, der großzügig zeigt, wie er alleine Türen öffnen kann. Und vielleicht, wenn ich Glück hab‘, verliebt er sich ja in Ihren Mann...

Herzlichst, Ihre

Bild uschi signature.bmp
USCHI FELLNER, HERAUSGEBERIN UND CHEFREDAKTEURIN