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Die geheimen Botschaften der LiebeDr. Monika Wogrolly

Die geheimen Botschaften der Liebe | 05.11.2019

Ist seine Affäre die gerechte Strafe?

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© iStock by Getty Images

Die Situation: Elisabeth, 49, und Hans, 55, sind seit 25 Jahren ein Paar und seit zehn Jahren verheiratet. Elisabeth knüpfte Schuldgefühle daran, ihn seiner ersten Frau „ausgespannt zu haben“. Den beiden ging es viele Jahre gut, wäre da nicht Hans’ plötzliche Affäre, die die Bombe platzen ließ. Sein Vorwurf: Elisabeth habe ihn nicht mehr wahrgenommen. Nun tat sie wirklich alles, um ihren Mann wieder zurückzugewinnen. Und Hans? Auf die Frage nach Emotionen fasste sich der bis vor drei Monaten stabile Ehemann und Vater einer erwachsenen Tochter auf die Brust und erklärte alles in seinem Inneren bezüglich seiner Ehefrau für „erloschen“. Elisabeths Welt stand Kopf: Wie konnte er ihr das antun?

Das Fazit: Die betrogene Ehefrau konnte nicht mehr schlafen, nahm stark an Gewicht ab, dachte zwanghaft an die Rivalin und wurde dank Internet fündig. Ein Foto der Geliebten ihres Mannes hatte sie in ihrem Smartphone, um sich mit diesem Anblick selbst zu bestrafen. Ständige Vergleiche mit der anderen wurden zur Gewohnheit. „Eigentlich derselbe Typ Frau wie ich, nur viel jünger.“ Elisabeth machte sich schlimme Selbstvorwürfe, eine untaugliche Ehefrau gewesen zu sein. Faktisch hatten sie sehr selten Sex gehabt und einander nicht mehr wirklich riechen können. Zänkereien waren an der Tagesordnung und vergifteten jede Romantik. Elisabeth hatte sich wegen seiner Leidenschaft für Hochseefischen mit Freunden chronisch vernachlässigt gefühlt. Blindwütig mutierte die betrogene Ehefrau ihre anhaltenden Lustlosigkeit zur sexuellen Obsession, nach dem Motto „was diese Schlampe kann, schaffe ich schon lang“. Hans zog seinen Nutzen aus ihren Schuldgefühlen: Skrupellos machte er mit der neuen Flamme Liebesurlaub und hatte abwechselnd mit beiden Frauen den heißesten Sex seines Lebens.

Was meint die Paartherapeutin?

Prof. Dr. Wogrolly: Eine toxische Dreiecksbeziehung ist die Folge, wenn Frauen wie Elisabeth bei Inszenierungen ihrer Männer bereitwillig eine Nebenrolle spielen. Elisabeth einerseits als Opferlamm, das Buße tun will – sie ließ ihrem Mann nicht nur alles durchgehen, sondern sah das Ganze als ­gerechte Strafe für ihre einstige Sündhaftigkeit, ihn seiner ersten Familie weggenommen zu haben, und als Prüfung, die sie um jeden Preis bestehen wollte. Was sie dabei übersah, war der viel zu hohe Preis, den sie dafür zahlte, ihr Selbstwertgefühl hing ganz und gar an Hans. In einer Paartherapie wollte Elisabeth Hans umpolen. Was sie bei ihrem Feldzug gegen das Feindbild der Rivalin vergaß, war ihre Würde, die nicht Hans, sondern sie selbst buchstäblich mit Füßen trat. In einer Einzelpsychotherapie lernte die Frau, wieder zu sich zu kommen und sich auf ihre Vorzüge, Fähigkeiten und Werte zu besinnen, die von der Affäre unbenommen waren. Nachdem Elisabeth schließlich Boden unter den Füßen hatte, konnte Hans wieder Respekt vor ihr empfinden, da sie sich nicht mehr blind für ihr Ziel aufgab.

Letztendlich kann eine Außenbeziehung paradoxerweise positiv wirken. Und wie eine Frischzellenkur die sexuelle Anziehung reaktivieren.

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Prof. Dr. Monika Wogrolly ist Philosophin, Psychotherapeutin, ­ Paar­therapeutin und Sexualtherapeutin. Was sie in ihrem Berufsalltag in Klinik und Praxis erfährt, ist Basis ihrer Beratungen, Coachings und Therapien. Zuletzt erschien ihr Buch „Die Beziehungsformel. Endlich glücklich lieben“ (Ueberreuter). © Arman Rastegar

Dr. Monika Wogrolly ist Philosophin, Psychotherapeutin, Paartherapeutin und Sexualtherapeutin. Was sie in ihrem Berufsalltag in Klinik und Praxis erfährt, ist Basis ihrer Beratungen, Coachings und Therapien. Zuletzt erschien ihr Buch „Die Beziehungsformel. Endlich glücklich lieben“ (Verlag Ueberreuter Sachbuch).

Haben Sie auch eine Frage an Dr. Monika Wogrolly zum großen Geheimnis der Liebe? Schicken Sie eine Mail an [email protected]

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Das Buch „Die Beziehungsformel. Endlich glücklich lieben. © beigestellt