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Uschi Fellnerlook into my life

Uschi Fellner | 08.06.2018

Kolumne: Look into my Life by Uschi Fellner

Ich finde, Kofferpacken ist eine sehr persönliche Angelegenheit.

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look! & die Bundesländerinnen Herausgeberin Uschi Fellner. © Stefan Joahm

Ein kleiner Trip steht an. Wir packen unsere Koffer. Der meines Mannes ist durchschnittlich groß, dazu nimmt er noch eine Reisetasche. Keine Ahnung, warum man für eine
Woche Meer und Sonne so viel Gepäck braucht.  

Ich bescheide mich mit zwei Koffern mittleren Formats, aufgeklappt nicht größer als zwei nebeneinanderliegende, bequem große Strandtücher. Und für das Zeug, das man schnell zur Hand haben muss, noch eine kleine Reisetasche. O. k., mittelgroß. Dann fange ich an. Mein Packen dauert. Im Normalfall länger als das Packen meines Mannes.

Dann wird die Situation im Regelfall sensibel: Mein Mann schaut auf einen meiner beiden halb gefüllten Koffer. Und sagt nichts. Psychologen haben festgestellt, dass nicht ausgesprochene und durch, ’tschuldigung, beknacktes Glotzen begleitete Worte beim Partner ein nicht zu unterschätzendes Aggres­sionspotenzial auslösen können ..., aber gut, lassen wir das. Ist ja alles ganz harmlos. Ein Mann steht vor einem halb gepackten Koffer einer Frau und schaut hinein. Nichts dagegen zu sagen, Leute! Doch dann öffnet der Mann seine Lippen und perlt eine richtig armselige Frage in den Raum: „Was packst du da eigentlich alles ein?“



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Ich nehm' eh nur das Wichtigste mit... © iStock by Getty Images

Die Frage macht die Frau sehr nachdenklich. Wie erklärt man jemandem in einem Satz, dass es auch bei konstanten Temperaturen um die 28 Grad Eventualitäten geben kann?
Wetterumstürze. Stimmungsumstürze, inklusive Abreise in andere Erdteile mit anderen Witterungsbedingungen. Naturkatastrophen. Gar nicht zu reden von Lebensumstürzen.
Zum Beispiel, wenn man sich entschließen sollte, dort, wo man dann ist, einfach zu bleiben. Und seinen Unterhalt damit zu verdienen, Kokosnuss-Ketten zu fädeln und an staunende Touristen zu verkaufen. Die Kinder könnten die kleine Baracken-Schule der Einheimischen besuchen. Und morgens glücklich und barfuß die Fischerhütte verlassen, in der man die Nacht, eng aneinandergekuschelt, auf Strohmatten zugebracht hatte.

Es würde ein entbehrungsreiches Leben sein, aber am Ende des Tages wären alle froh über die Chance, den ganzen Techno- und Konsum-Müll fortan durch kreatives Flechten von Bananenblättern ersetzen zu dürfen.

All das und noch ein bisschen mehr geht der Frau in jener Nanosekunde durch den Kopf, ehe sie dem Mann auf seine richtig armselige Frage eine durchaus geistreiche Antwort gibt: „Ich nehm’ eh nur das Wichtigste mit!“

Der Mann reagiert darauf vollkommen richtig. Er sagt nichts mehr (jede andere Reaktion hätte zum vorzeitigen Abbruch der Urlaubsvorbereitungen geführt). Kluger Mann.
Die Frau packt – endlich unbehelligt durch armselige Begleitkommentare – schwungvoll weiter ein. Es fehlen noch die elf paar Schuhe für jede Gelegenheit, falls der Flieger irrtümlich im tibetischen Hochland aufsetzt, ist man mit Goiserern gut beraten. Dann noch der Kontaktlinsen-Vorrat für ein halbes Jahr und ein bis zwei Ersatz-Laptops ... nur, falls das mit den Bananenblättern auf die Schnelle doch nichts wird.