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Fashion | 30.07.2020

Liebe auf den ersten Griff

Raus mit euch! Elegante Modelle aus Frottee verlassen das Badezimmer. Kalissi und Vossen launchen eine gemeinsame Kollektion namens „Dolce Vita“. Die Senkrechtstarterin im Interview.

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© Vrinda Jelinek

Es war eine minimalistische Schmuckkollektion, die Christina Hrdlicka fotografieren sollte. Dem Kunden schwebte Stahl und Beton als Hintergrund vor, die junge Kreative sah vor ihrem geistigen Auge eine leuchtend bunte Obstpyramide. „Das konnte sich der Kunde zuerst gar nicht vorstellen – und hat mich dann doch mein Ding machen lassen“, lacht die 27-Jährige. Es war ein Schlüsselerlebnis, das nicht ohne Grund ihre erste Kollektion beeinflusste …

Christina Hrdlicka wuchs in Kärnten und London auf; seit ihrem Studium an der Universität für angewandte Kunst lebt sie in Wien. 2018 wechselt die Grafikdesignerin und Fotografin sozusagen intuitiv die Seite und legt mit ihrem Label „Kalissi“ und farbfrohen Teilen im extravaganten Retrochic einen Senkrechtstart in der Mode hin. Unter dem Namen „Dolce Vita“ bringt nun Kalissi mit Vossen – Unternehmenssitz des Frottierwaren-Spezialisten ist in Jen­nersdorf – eine spannende Kollektion auf den Markt.



BURGENLÄNDERIN: Du hast an der Uni für angewandte Kunst Werbung, Grafikdesign und Fotografie studiert. Wie kamst du zur Mode?

Christina Hrdlicka: Da war diese Schmuck-Kampagne, die ich fotografiert habe und die wunderschön wurde … Ich habe gemerkt: Ich brauche diese Freiheit, ich muss meinem Bauchgefühl trauen. Zeitgleich hat mir meine Mama eine Nähmaschine geschenkt. Ich dachte mir noch: Dafür habe ich doch gar keine Zeit – und auch keine Nähkenntnisse. Aber der Schmucklabel-Job war so signifikant, dass ich – inspiriert von den Früchten – in der Uni-Werkstatt einen Stoff gedruckt und mein erstes Piece entworfen habe. Das war ein ganz buntes Outfit, bereits mit Frottee-Besätzen. Als es fertig war, war das so ein arges Gefühl für mich; es war pure Leidenschaft!


… und du wusstest sofort: Das ist es?

Plötzlich habe ich keinen Bock mehr auf Werbung gehabt (lacht). Dieses neue Hobby hat sich überall dazwischengedrängt, ich wollte nur noch Mode machen. Und dann war klar: Das Diplom an der Uni steht an, dann mache ich meine erste Diplomkollektion, fotografiere die Kampagne – und gründe gleich mein Label. Im Jänner 2018 habe ich meinen Abschluss gemacht und noch am selben Tag Website und Store gelauncht. All das hat mir einfach mehr Freude gemacht, als jeglicher Job davor.


Im Jahr darauf warst du bereits mit einer Runway-Show bei der London Fashion Week. Deine Modelle gibt es mittlerweile in Shops in Paris, London, Tokyo. Wieso ging das so schnell?

Retrospektiv denke ich mir, dass ich mir mit manchen Dingen ein bisschen mehr Zeit hätte lassen können. Ich habe losgelegt und hatte noch gar keine Strukturen. Ich wusste nicht, wie Produktion, Logistik, Abwicklung funktionieren; ich war eine Quereinsteigerin in der Modebranche und einfach sehr mutig. Ich habe mir meinen Traum verwirklicht, aber im Nachhinein war das schon absurd (lacht). Ich habe einen großen Schritt nach außen gemacht und musste im Innenverhältnis noch total viel machen. Das Design ist mir weiterhin extrem wichtig, aber ich musste lernen, dass ich am Ende des Tages auch eine Businessfrau sein muss.

 

Die Designerin. Christina Hrdlicka alias „Kalissi“

 


Wie vertragen einander die kreative Seele und die Geschäftsfrau?

Das sind zwei totale Gegensätze, wie Tag und Nacht. Das Kreative ist intuitiv, das Geschäftliche analytisch. Wenn zu viel Geschäftliches da ist, erdrückt das die Kreativität, wenn es umgekehrt ist, ist keine Struktur da. Hier eine Balance zu finden, war der größte Learning-Prozess in den letzten zwei Jahren. Ich nehme mir heute bewusst Tage, an denen es nur ums Design geht, da schaue ich mir keine Zahlen an. Und dann gibt es wieder Tage, an denen ich strukturiert das Geschäftliche abarbeite.


Zum Kreativen: Du kooperierst mit Vossen. Was hat deine Liebe zu Frottee geweckt?

Ich liebe die 60er und 70er-Jahre, Frottee war in dieser Zeit ein wichtiger Designaspekt. Ich mag den Fotografen Slim Aarons, besonders seine Frauenporträts, die oft Turbane aus Frottee getragen haben. Das ist so ein schickes, elegantes Ding – ich hab’ mich gefragt: Warum gibt’s das nirgends mehr? Die Struktur hat mich fasziniert; ich habe begonnen, damit zu arbeiten. Das Material hat eine tolle Haptik und man kann damit unheimlich viele Formen kreieren. Es ist schade, damit ausschließlich im Badezimmer zu bleiben. Das ist wie eine Revolution des Frottees …


Deine Frottee-Reise geht also weiter?

Auf jeden Fall! Kalissi war bisher nur im Frauensektor angesiedelt. Aber so wie sich Saisonen auflösen, löst sich auch ein bisschen diese „Für Frauen – für Männer“-Sache auf. Mein Verlobter liebt die Bademäntel genauso wie ich. Allmählich sollte man sich davon verabschieden, dass Männer etwas nicht tragen können, weil es zu bunt ist oder weil Rosa dabei ist … Ich finde es schön, Kollektionen zu schaffen, die für beide tragbar sind.


www.kalissi.com

www.vossen.com

Impressionen
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Dolce Vita.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Gäste entweder ins Bad einladen oder die extravaganten Teile der Kollaboration Kalissi/Vossen ausführen.

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