Loading…
Du befindest dich hier: Home | Fashion

Fashion | 19.03.2020

Nicht ohne meine Brille: Oder etwa doch?

Laut Augentrainern sollten wir zum Erhalt unserer verbliebenen Sehkraft auch die stylischste Brille ab und zu abnehmen – was ist dran?

Bild 20200319 clipdealer-A15278209-original.jpg
Bildnachweis: goodluz/clipdealer.de

Mythos oder Wahrheit: Ist die Brille ein Sehkraft-Zerstörer?

Da kannst du noch so trendige Modelle auf der Nase tragen: Trotzdem hörst du von Besserwissern immer wieder, dass Brillen die Augen auf lange Sicht noch mehr schwächen. Deshalb sehen wir lieber näher hin: Kann das überhaupt die Wahrheit sein? Klar stimmt das, sagen die Besserwisser. Schließlich trainiert man das natürliche Sehen hinter den Brillengläsern nicht mehr. Die Augen gewöhnen sich einfach an die Sichtverbesserung durch die Sehhilfe und werden irgendwann faul. Das klingt gerade so, als handle es sich bei der Sehkraft um eine Person. Können Augen wie Menschen tatsächlich faul werden? Dieser Frage nehmen wir uns an.

 

Aus physiologischer Sicht...

... ist nachlassende Sehkraft die Konsequenz fehlentwickelter Augäpfel. Bei Kurzsichtigkeit ist der Augapfel beispielsweise zu lang. Einfallendes Licht trifft deshalb nicht mehr auf angemessene Weise auf die Netzhaut, womit das Gehirn die Konturen weiter entfernter Objekte nur noch verschwommen erkennt. Bei Weitsichtigkeit verhält es sich umgekehrt. Der Augapfel ist zu kurz, die Lichtbrechung auf der Netzhaut für Objekte in der Nähe erschwert. Und was ändern die jeweils passenden Modelle der Brille daran? Ganz einfach: Sie sorgen durch Brechung dafür, dass Licht auf angemessene Art und Weise die Netzhaut erreicht. Wie könnte das wohl der Sehschärfe schaden? Schließlich regen Brillen die Netzhaut dadurch eher an, als sie zu hemmen.


Wieso hält sich der Mythos trotzdem?

An Ignoranz allein kann es nicht liegen, dass noch immer derart viele Menschen vom Mythos der abnehmenden Sehkraft hinter Brillengläsern überzeugt sind. Und das, obwohl alle Fakten der Physiologie dagegen sprechen. Vielleicht ist der Mythos deshalb noch immer am Leben, weil Brillenträger nach dem Abnehmen der Sehhilfe tatsächlich meinen, schlechter zu sehen als vor der Verwendung einer Sehhilfe. Das liegt aber nicht daran, dass die Brille tatsächlich die Sehkraft verschlechtert. Es ist der Vergleich zum gestochen scharfen Sehen hinter den Gläsern, der sie die Unschärfe nach Abnehmen der Brille intensiver wahrnehmen lässt. Vor der Verwendung waren die Augen einfach ans schlechte Sehen gewöhnt, weil sie keinerlei Vergleichsmöglichkeiten hatten. Das ändert sich, sobald man zum ersten Mal ein passendes Brillenmodell trägt.


Mythos widerlegt: Aber trotzdem legen wir unsere Brillen von Zeit zu Zeit lieber ab. Zum Beispiel im Falle neuer Brillengestelle. Solche erfordern oft gewisse Eingewöhnungszeit. Falls anfangs Symptome wie Kopfschmerzen auftreten, lassen sich diese Beschwerden durch Brillenpausen in der Regel lindern.