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Lifestyle | 07.09.2018

Lebe lieber losgelöst

Spannungen und Schmerzen im Körper: für viele Alltag. Wir haben gemeinsam mit Kickbox-Legende Nicole Trimmel das viel­versprechende Programm „tsar“ genauer unter die Lupe genommen.

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Mit dem tsar-Band können sowohl schwungvolle als auch in sich ruhende Übungen ganz leicht und überall durchgeführt werden. © Thomas Luef, tsar

Bei Methoden und Behandlungen, die schnelle Erfolge versprechen, bin ich grundsätzlich misstrauisch. Was über Monate und Jahre zu Schmerzen und Fehlstellungen geführt hat, braucht Zeit, um wieder repariert zu werden. So habe ich das bisher immer gesehen. Doch Sonja Ruprah-Weihs wollte sich damit nicht zufrieden geben und hat über viele Jahre hinweg das Programm „tsar“ (the secret of active regeneration) entwickelt, das 2016 sogar mit dem „European Health & Spa Award“ ausgezeichnet wurde. Als ehemalige Balletttänzerin, deren Körper damals nach Jahren des Training-Drills versagt hat, war sie selbst ihr erstes Versuchsobjekt. Doch auch für all jene, die immer wieder unter Schmerzen und Verspannungen leiden, sei das Programm gemacht. „Mag eine Verspannung noch so klein sein, sie wirkt sich auf unseren gesamten Körper und Stoffwechsel aus. Wie bei einem abgeklemmten Schlauch – ist er nur leicht geknickt, verändert sich der gesamte innere Druck“ – mit dieser Metapher veranschaulicht uns Sonja Ruprah-Weihs in Kurzform die Grundlage des von ihr entwickelten Programms tsar. Das Konzept besteht aus Körperscanning, Bewegung und Berührung und gibt dem Körper seine ureigene Beweglichkeit zurück.

 

© Thomas Luef


Wie ein Stein am Boden.

Wir treffen uns im Falkensteiner Balance Resort Stegersbach, schon das Ambiente könnte entspannter nicht sein. Schon zu Beginn stellt Sonja ihren fachmännischen Blick unter Beweis und scannt meinen Körper auf Dysbalancen: Meine Schultern neigen leicht nach vor, mein linker Fuß knickt ein (was mir schon von Orthopäden und Laufexperten gesagt wurde, aber nie, was ich effektiv dagegen tun kann), dadurch ist das linke Knie etwas verformt und deshalb wiederum ist meine Hüfte leicht schief, was natürlich weitere Folgen nach sich zieht … Doch dann liege ich am Boden und Sonja beginnt, mich zu „bearbeiten“: Sie bringt meine Muskeln in die richtige Position, ohne sie zu dehnen. Sie drückt gewisse Stellen, ohne sie zu massieren, dabei liegt ein angenehm schwerer Sack gefüllt mit Spezialkies auf meinem Körper. Und schon nach wenigen Minuten merke ich, wie meine Schultern entspannt zu Boden sinken, mein leichtes Hohlkreuz sich ebnet und ich wie ein Stein fest am Boden liege. Dann beginnen sich meine Fußgelenke durch Sonjas Berührungen zu drehen. Komplett verblüfft und doch tiefenentspannt halte ich meine Augen geschlossen, mit dem angenehmen Gewicht auf dem Oberkörper liege ich eine mir unbekannte Zeit einfach nur da und sinniere vor mich hin.

 

Der Körper reagiert innerhalb von Minuten auf die passive tsar-Behandlung.

 


Was steckt dahinter?

„Wenn du eine Spannung im Körper hast, dann ist der Körper schlau, er findet einen Weg, diese zu umgehen. Das bekommst du gar nicht mit, das kann eine Mikro-Bewegung sein, führt aber dazu, immer mehr Spannung aufzubauen, weil sich der Körper nicht mehr natürlich verhält, so kommt es zu Fehlstellungen, Fehlhaltungen und Verspannungen. Diese autonomen Muskelbewegungen kann man schlecht selbst steuern. Wenn du Schmerzen oder Stress hast, dann vergisst der Körper, wie die richtige Ansteuerung funktioniert, und die Verspannungen werden nur noch verstärkt, weil er sie umgehen möchte. Sportler trainieren dann z. B. in die Fehlstellung hinein und alles wird noch schlimmer“, erzählt Sonja. Hinzu kommt, dass jede Situation sich in unserem Körper widerspiegelt. Beispiel: Wenn es mir nicht gut geht, ist mein Oberkörper ein bisschen in sich zusammengesunken. Da kann mir noch so oft jemand sagen, ich soll gerade stehen, länger als ein paar Sekunden schaffe ich es nicht. „tsar richtet dich von innen auf, es löst diese Verspannungen, ohne dass du daran denken musst. Es funktioniert alleine an den richtigen Stellen. Sowohl passiv, wenn die tsar-Trainerin dich ‚bearbeitet‘, als auch bei den aktiven Übungen, die jeder selbst zu Hause machen kann.“

 

Eigentlich bin ich keins, aber hier mag ich die Faultierstellung (so nenne ich sie), weil fast jeder Muskel entspannt ist.

 


Nie in dieser Tiefe.

Bei Sportlern wie der achtfachen Kickbox-Weltmeisterin Nicole Trimmel ist tsar deswegen so beliebt, weil es die Mobilisationszeit vor dem Training und die Regenerationszeit nach dem Training effizient verkürzt. „Ich arbeite sehr viel mit dem Band, du kannst es überallhin mitnehmen. Wenn ich tsar schon vor Jahren gekannt hätte, hätte mich wahrscheinlich überhaupt nie jemand schlagen können“, lacht die 35-jährige Osliperin. „Ich hatte Probleme mit der Hüfte und kürzlich stark mit der Schulter. Kein Arzt, keine Therapie oder Massage konnte das in dieser Tiefe hinbiegen. Vor Kurzem habe ich es mit tsar innerhalb von wenigen Übungen wegbekommen und bin seither schmerzfrei.“ Ihr Training habe sich seither nun komplett geändert, das hätte sie vorher auch nicht gedacht. „Ich bin als Sportlerin sehr offen, aber als ich von tsar gehört habe, konnte ich mir nichts darunter vorstellen. Jeder will dir einreden, dass seine Methode, sein Mittel, sein Drink das Beste ist. Sonja hat mich ein einziges Mal behandelt, hat Spannungen gesehen, die sich ganz woanders im Körper ausgewirkt haben, das hätte ich nie gedacht. Seither mache ich alles selbst mit dem Help-Yourself-­Set und dem Band.“ Grundlage von tsar ist das Wissen über die Spannungen im Körper, wie uns Sonja Ruprah-Weihs erklärt: „Meine tiefste Überzeugung ist, dass fast jede Krankheit, jeder Schmerz seinen Ursprung in einer falschen Spannung hat. Am Anfang ist es eine kleine Verspannung, irgendwann manifestiert sich das. Die Geschichten, die ich bei mir im Studio erlebe, würden ganze Bücher füllen. Das glaubt mir niemand, wenn er das hört. Ich muss ehrlich sagen, ich würde es auch nicht glauben, wenn ich es nicht erlebt hätte.“ Und genau dieses Erlebnis kann nun auch mir keiner mehr nehmen. 

 

Das Falkensteiner Balance Resort in Stegersbach bot ein außergewöhnliches Ambiente für unseren Selbsttest.