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Lifestyle | 14.11.2018

Verrückt nach Oliven

Mittelmeerfeeling in Mörbisch: Wir besuchten den ersten Olivenhain Österreichs und sprachen mit zwei innovativen Menschen, die das machen, was alle anderen für unmöglich hielten.

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Sabine Haider und Franz Günther auf ihrem Olivenhain in Mörbisch. © Vanessa Hartmann

Olivenbäume gedeihen nur in den Südländern? Mitnichten. „Wir wollten einfach gemeinsam eine landwirtschaftliche Tätigkeit aufbauen. Aber nicht so, wie es alle anderen machen – sondern etwas probieren, das noch keiner hat. Außerdem finden wir es schwierig, in den Supermärkten in Österreich gute Oliven zu bekommen“, erzählt Sabine Haider und blickt liebevoll hinüber zu ihren 143 Olivenbäumchen, die vor der Kulisse des Neusiedler Sees auf einem Hügel in Mörbisch wachsen und gedeihen. Im Mai 2017 haben Sabine Haider und Franz Günther die ersten 59 Bäume drei verschiedener Sorten aus Italien geholt und hier eingepflanzt. Bewusst ohne Schutz und ohne Zutun, um herauszufinden, was die sechs Jahre alten Bäumchen aushalten. Im September darauf gab es die erste kleine Ernte: rund 500 Oliven (ca. 1 kg). Im März 2018 wurden die Bäume durch den Frost schwer beschädigt, die Stämme bekamen Risse. Die Olivenbäume trugen daher heuer keine Ernte, haben sich jedoch wieder erholt, neue Triebe produziert und sind kräftig gewachsen.

800 weitere Bäume.

Nun haben sie Zuwachs bekommen. Im Frühjahr wurden weitere 84 Bäume gepflanzt. Derzeit stehen also 143 Bäume von 13 verschiedenen Sorten auf 4.500 m2 mitten in den Mörbischer Weinhügeln. Die BURGENLÄNDERIN war bei der heurigen Ernte im Oktober dabei: Die neuen Bäume haben sich gut eingelebt und einen Ertrag von über drei Kilo gebracht. Um daraus einen wirtschaftlichen Betrieb zu machen, reicht das natürlich noch nicht. Ein Olivenbaum erreiche erst mit 20 bis 25 Jahren seine Hochblüte und könne mehrere hundert, sogar tausende Jahre alt werden, klärt uns Franz Günther auf. „Langfristig ist unser Ziel, eingelegte Oliven und Olivenöl durch eigene Pressung zu verkaufen. Aber jetzt geht es erst einmal ums Überleben der Bäume. Nächstes Jahr wollen wir bereits aus dem Abschnitt der vorhandenen Bäume eigene Olivenbaum-Setzlinge ziehen und mittelfristig mehr Bäume pflanzen. Das Grundstück reicht noch für weitere 800 Bäume“, gibt Franz Günther einen Ausblick. Dabei wird nun beobachtet, welche Sorten sich für das pannonische Klima besonders eignen, und diese werden dann vermehrt gepflanzt.
Für den kommenden Winter setzen die beiden Olivenbauern Maßnahmen, die die Olivenbäume schützen sollen. Beispielsweise erhalten die Stämme einen Anstrich gegen Kälterisse und eine Schilfmatten-Ummantelung. Auch Homöopathie kommt zum Einsatz: „Ich habe gelesen, dass Bäume genauso auf Homöopathie reagieren wie Menschen. Ich weiß selber nicht, ob es funktioniert. Aber ich dachte mir, schaden kann es nicht.“ Und daher wandert Sabine regelmäßig mit einer Sprühflasche durch den Olivenhain, um den Bäumen stärkendes Arnika zu verabreichen.

Kostenintensive Leidenschaft.

Das Know-how rund um die Aufzucht der Olivenbäume haben sich die Flugbegleiterin und der erfindungsreiche Installateur auf ihren Reisen in die Südländer angeeignet. Neben viel Zeit hat das Paar natürlich auch eine Menge Geld investiert. Ein Hobby also, das nicht nur kosten-, sondern auch sehr zeitintensiv ist. „Die Recherche davor hat mehr Zeit gekostet als die Bearbeitung des Olivenhains jetzt. Wenn man vermeintliche Experten in Österreich befragt hat, hat jeder gesagt, das geht bei uns nicht, weil es zu kalt ist.“ Trotzdem haben Sabine Haider und Franz Günther es einfach … getan. Nach einem Vergleich der Klimadaten von Österreich mit Istrien und Norditalien kamen sie auf die Ähnlichkeit des Klimas am Neusiedler See. Denn eigentlich stammen die beiden aus dem Mostviertel bzw. aus Wien.

 

Warum gerade Oliven?

Mitten in den Weinbergen wollten Sabine Haider und Franz Günther nicht „den tausendsten Weingarten“ anpflanzen. Außerdem sei die Olive sehr vielfältig, aus ihr könne man auch Produkte für Haare und Haut machen. „‚Wenn alle sagen, das geht nicht, dann kommt einer und macht es einfach.‘ Wir sind halt verrückt genug. Es sind oft Quereinsteiger, die eine Branche vorantreiben, weil sie oft gar nicht so viel darüber nachdenken, sondern einfach ausprobieren.“ Das Bioprojekt wird auch wissenschaftlich begleitet: durch die Karl-Franzens-Universität in Graz. Ebenso stehen die beiden Olivenbauern in regem Kontakt mit Menschen, die einzelne Olivenbäume in Österreich besitzen. Je mehr Erfahrungen ausgetauscht werden können, umso besser.

Sabine Haider und Franz Günther mit Redakteurin Nicole Schlaffer (v. l.).

 

Geschmackstest: hervorragend!

Von den Erfahrungen mit ihrer ersten kleinen Ernte im letzten Jahr geht es heuer in den zweiten Winter. Die Oliven können natürlich nicht direkt von den Bäumen gegessen werden, weil sie sehr bitter sind. „Sie werden sechs bis acht Wochen in Wasser eingelegt, das täglich gegen frisches ersetzt wird. Danach werden sie nochmal rund vier Wochen in Salzlake eingelegt.“ Unser Geschmackstest – wir durften Kostproben der Restbestände aus dem letzten Jahr genießen – überzeugte sogar mich als Oliven-Skeptikerin auf voller Länge. Und auch viele andere Feinschmecker wissen die Früchte des Ölbaumes sehr zu schätzen. Oliven enthalten viele Antioxidantien, sind laut Studien gut fürs Herz, wirken Krebs entgegen und können sogar das Alzheimer-Risiko reduzieren.
Und Zukunftsmusik dürfen wir auch schon lauschen: „Nächstes Jahr wollen wir bereits Setzlinge ziehen und verkaufen, daraus werden dann echte heimische Oliven, geboren und gewachsen im Burgenland. Wir überlegen auch, Patenschaften für einzelne Bäume zu machen, da wurden wir bereits einige Male darauf angesprochen. Ideen haben wir genug und motiviert sind wir auch.“

Mehr Infos unter facebook/Olivia.bio
oder www.olivia.bio

 

© Vanessa Hartmann