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Lifestyle | 04.01.2019

ICH im Wandel

Wir befinden uns ständig im Wandel der Zeit und formen unser Ego, wohl mit der Absicht, ein besseres ICH zu erschaffen. Aber: Persönlichkeitsentwicklung ist niemals fertig. Was wir brauchen, sind Strategien.

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© Shutterstock

Was prägt uns mehr, Gene oder Umwelt? Es ist eine der ältesten Fragen, die sich seit jeher die Wissenschaft stellt: Ist der Mensch nun das Ergebnis vererbter Eigenschaften, oder sind es die Erfahrungen unserer Kindheit, die den Charakter formen? „Eine ganzheitliche Sichtweise ist die Antwort“, vermutet Dominik Wutscher von der Balance Akademie Graz. „Eine Studie zum Thema Resilienz besagt, dass es Grundveranlagungen gibt, diese aber von sozialen Faktoren beeinflusst werden.“ Nicht zuletzt ist es auch ein traumatisches Erlebnis der Mutter, das Einfluss auf die Genetik des Säuglings haben kann. Das mache unter anderem den Charakter aus. Fakt ist: Die Welt verändert sich schneller und nachhaltiger als je zuvor. Das fordere uns heraus, vor allem jene, die nach Beständigkeit streben. Aber auch jene Personen, die dadurch innerlich aus dem Gleichgewicht geraten und ihr ICH neu ausrichten möchten. So oder so, Wachstum ist letztendlich nur durch Veränderung möglich. Am besten bewusst und mit ausreichend Selbstbetrachtung. „Wenn mir eigene Verhaltensweisen bewusst werden, kann ich aktiv werden und neue Handlungsoptionen ausprobieren.“ Als Persönlichkeitscoach weiß Dominik Wutscher aber auch, dass es für Betrachtungen, wo man gerade steht, immer die Fähigkeit des Innehaltens braucht. Vieles, das im Leben passiere, baue laut Coach auf den Grundmauern der ersten Lebensjahre auf. „Selten werden in der Lebensberatung traumatische Ereignisse diskutiert, die sich in den 20ern oder 30ern zugetragen haben.“ Hinzu kommen aber markante Lebensphasen (Babypause, berufliche Veränderung oder Pension), die eine Zäsur bedeuten. Bringen diese die innere Balance aus dem Lot, folgt Unzufriedenheit. Mit dem Leben – und vor allem mit sich selbst.


Das bessere ICH – gibt es das überhaupt?

Ja! Aber dieses sieht für jeden anders aus. Nicht so einfach hingegen ist es, dort hinzugelangen. „Ob meine Eigenschaften passen oder nicht, ist eine Bewertung, die ich mir selbst gebe. Es geht bei einem besseren Ich eher darum, sich in bestimmten Situationen bewusst entscheiden zu können, etwas anders zu machen.“ Dabei helfen laut Wutscher neue Blickwinkel und Verhaltensweisen, die man verändert hat. Fällt ein Persönlichkeitsanteil also negativ auf, sollte man diese Bewertung zunächst hinterfragen, immerhin habe jeder Anteil in uns eine positive Absicht. Viel mehr solle der Grund dahinter verändert werden. Ab da könne man die eigene Persönlichkeit wieder lenken und sich klar machen, wo wir zur Veränderung ansetzen sollen. Aber wie lässt sich die Wurzel für meine unschönen Persönlichkeitsanteile herausfinden und wie richtig kananlisieren? „Wer sein Ich optimieren möchte, für den empfiehlt sich als Einstieg Literatur über Selbstcoaching, um praktische Übungen daraus auszuprobieren“, erklärt der Persönlichkeitscoach. „Bei tieferen Themen oder wenn man aus typischen Verhaltensmustern ausbrechen möchte, kann ein Persönlichkeitscoaching mit einem professionellen Coach, eine Lebensberatung oder eine Kinesiologie-Methode wie die Balance Kinesiologie helfen.“ Hilfestellung gebe laut Experten auch eine andere praktische Übung: Durch die Bildsprache (wir speichern in Bildern, nicht in Worten ab) wird der Ist-Zustand der Persönlichkeit dargestellt. Dazu zeichnet man einen großen Topf auf ein Blatt Papier und schreibt zunächst alle guten Eigenschaften hinein. Dann folgen die weniger guten. Wem dazu die nötige Selbstreflexion fehlt, kann sein Umfeld über sich befragen. Und, wie reagieren Sie? Löst ein Persönlichkeitsanteil ein starkes, negatives Gefühl aus, weiß man wo man zur Veränderung ansetzen muss. Das gelingt am besten, indem das  gute Potenzial in einem dafür stärker hervorgehoben wird. Das mache ein bessere Ich-Gefühl. Ganz nach dem Motto: Gute Eigenschaft trumpft schlechten Charakterzug. Können Ansprüche an sich selbst jemals zu groß werden, möchten wir wissen? „Wenn ich an meinen hohen Ansprüchen oft scheitere, dann kann das Thema für eine Coaching-Einheit werden. Es gilt jedoch seine eigenen Ansprüche jederzeit zu hinterfragen.“ Dann darf gerne umgedacht werden, auch, wenn der Weg oder das Ziel letztendlich anders aussieht als anfänglich in der Persönlichkeitsentwicklung geplant. Denn Umwege seien durchaus zulässig, solange man Freude mit sich selbst hat. Das eigene Ich lasse sich jedoch nicht einmalig und dauerhaft ändern. Vielmehr werde es von Lebensphase zu Lebensphase adaptiert und die Persönlichkeit den Umständen entsprechend angepasst. Ein Leben lang. Indikator für das ideale Ich sei laut Wutscher stets das Hinterfragen des eigenen Selbsts. „Grundsätzlich ist niemand von uns erleuchtet, wir alle knabbern hin und wieder an unseren persönlichen Themen.“ Es sei dann die Selbstreflexion die uns zum perfekte Ich führe – in jedem Lebensabschnitt.