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Lifestyle | 12.04.2019

Aus pannonischer Feder

Literatur aus dem Burgenland: Wir präsentieren euch immer wieder Neues – eine Auswahl.

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Zeit zum Lesen! © Shutterstock

Humorvoll morbid


Während andere lieber einen Bogen um ihn machen, umarmt die Autorin Karin Ivancsics auf pointierte Weise den Tod. Ihre „Gastgeberin“, die tagsüber einer weitgehend unaufgeregten Tätigkeit nachgeht, empfängt abends bei sich extravagante Runden aus Schriftstellern, Künstlern und Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Was diese Menschen eint: Sie sind Tote, die sich durch den ruppig-witzigen Erzählton der gebürtigen Südburgenländerin zum Leben erwecken lassen.


Karin Ivancsics: „Die Gastgeberin“,

18 €, Bibliothek der Provinz/Weitra.

Unerschrocken

 


Ein österreichisches Dorf in der Nachkriegszeit, ein Mädchen, dessen Vater nicht heimgekehrt war. Als junge Frau stellt sie Nachforschungen an; tiefe Furchen schlugen nicht nur die Vergewaltigungen in der Besatzungszeit. Sie entlarvt auch die Männer der eigenen Familie und eine Mutter, die wenig Liebe zeigt. Dine Petriks Werk erntet viel Anerkennung: für ihr unerschrockenes Hinsehen, ihre Sprache und die spannenden Perspektivenwechsel.


Dine Petrik: „Stahlrosen zur Nacht“,

18 €, Bibliothek der Provinz / Weitra.

Genussvoll


Wie kunstvolles Horsd’œuvre richtet Gerhard Altmann seine lyrischen Textfragmente an: Sie reichen von einzelnen Wortschöpfungen – wie etwa „helllicht“ – bis hin zu Mehrzeilern. Fehlende Puzzleteile nimmt man nicht wahr, da hat die eigene Fantasie längst raffinierte Rahmen und Brücken gebaut. Das Lesen wird zum genussvollen Spiel. Altmanns Gedichtfragmente erscheinen in Kombination mit früheren, bereits vergriffenen Texten.


Gerhard Altmann: „mit mir umarmt dich das meer“,

18 €, edition lex liszt 12.

Vampir auf Entzug


Ein Chronist der besonderen Sorte: Christoph Andexlinger beobachtet, riecht, hört nicht nur genau. Er entlarvt. Beispielsweise scheinbar alltägliche Begebenheiten aus dem Südburgenland, die in bizarren Pointen gipfeln. Da geht es einmal um einen unerbittlichen Krieg Mensch gegen Biber, ein anderes Mal kämpft ein Vampir mit dem Entzug, weil seine Opfer dem Alkohol gar zugetan waren.


Christoph Andexlinger: „Die Biber, die Menschen und der ganze Rest“ (Kurzgeschichten),

17 €, edition lex liszt 12.

Newcomer

 

Einmal mehr richtet das burgenländische Verlagshaus den Fokus auf unveröffentlichte junge Literatur aus dem Burgenland. Die „Newcomer“ dieser Ausgabe: Isabella Draxler, Dominic Horinek, Julia Lückl und Philipp Ve­lich. Veröffentlicht werden Prosatexte und Lyrik.


„Junge Literatur Burgenland Band 3“ (Anthologie),

15 €, edition lex liszt 12 (Hg.)

Hinschauen


Wo die Nachrichten abgedreht werden (können), findet sie Worte gegen das Wegschauen. Petra Ganglbauer zoomt die Menschen, die vor Krisen und Kriegen flüchten, die im Mittelmeer in Booten um das Überleben kämpfen, mit ihren Gedichten heran. Sie holt die Individuen und ihre Schicksale aus der Flut an Zahlen. Mit mutiger Sprache mahnt sie, dass Handeln und Nicht-Handeln Konsequenzen haben.


Petra Ganglbauer: „Gefeuerte Sätze“ (Gedichte),

€ 13, Limbus Lyrik.

Mit Feingefühl


Für ihr Engagement um die Integration behinderter Kinder in Regelschulen wurde Traude Veran das Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich verliehen. Das Wirken der Psychologin und diplomierten Sozialarbeiterin spiegelt sich auch im Schreiben wider: Mit viel Feingefühl richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf Benachteiligte und Randfiguren, zeigt Widersprüche und Absurditäten auf.


Eva Hillinger (Hg.): „Ich rede in den Zungen der Sprachlosen. Über Leben und Werk von Traude Veran“, CD/Hörbuch,

€ 14,50, edition lex liszt 12.

Kunstvolle Panda-Abenteuer


Ein Schau- und Lesevergnügen versprechen Autor Ilija Dürhammer und Illustrator Gottfried Reszner. Das Abenteuer im Urwald beginnt mit einer denkwürdigen Begegnung zwischen einem herzlichen Pandabären und einem eitlen Pfau.


Ilija Dürhammer: „Pfau Pfing & Panda Bo“,

Illustrationen von Gottfried Reszner, Desch-Drexler-Verlag Pinkafeld.

Buchhandel reloadet

 

Man kann sich über amerikanische Online-Riesen erzürnen, keine Frage. Die für ihre Kreativität bekannte Buchhändlerin Herta Emmer beschließt lieber: „Ich erfinde den Buchhandel neu!“ Dazu bedurfte es eines Schrittes, der die Fans der Literatur-Expertin wohl mit Wehmut erfüllt: Sie schloss im vergangenen März ihr Geschäft in Oberpullendorf. „Dafür habe ich in Steinberg ein Bücherhaus mit Literaturcafé eingerichtet“, sagt Emmer. Ihr Antrieb: „Wie sieht die Literaturerfahrung der Zukunft aus?“
In ihrem „Bücherhaus“ warten sowohl romantische Ecken zum Schmökern als auch Lesungen und andere Veranstaltungen. Zudem baut sie sukzessive ihren Online-Shop aus, der von ihr und ihrem Team betreut wird. In Oberpullendorf wird es eine Abholstation inklusive einer sich stets verändernden Bücherwand mit „Hertas Empfehlungen“ geben. In der Pipeline hat sie zudem die Vision von einem Bücherbus. Das heißt: Einen solchen gibt es bereits, doch für einen noch charmanteren Auftritt möchte Herta Emmer gerne ihren klassischen Lieferwagen durch einen schicken kleinen Bus inklusive Leseecke ersetzen. Veranstalter, Schulen und Co. können den Bücherbus zu sich ordern – mit individuellem Inhalt, „den ich jeweils zusammenstelle“.


Ihr Blog: https://hertaemmer.blogspot.com

 

 

Fotos: Verlage