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Lifestyle | 13.05.2019

Zu Besuch in der Villa Himmelrot

Ganz viel Liebe zum Detail und zur Natur steckt im Vollholzhaus von ORF-Kräuterhexe und Künstlerin Uschi Zezelitsch. Und wenn die Möbel erzählen könnten!

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Wanted. Uschi sucht statt der aktuellen eine klassische Obstbaum­leiter zu ihrem Lese- Refugium – wissen Sie, wo es welche gibt? Rechts: Alte Kredenz goes Badezimmer-Möbel und hand­gefertigte Fliesen aus Polen. © Vanessa Hartmann

Selbst das stille Örtchen hat eine Geschichte auf Lager. Die Würmer sind zwar fortgejagt, ihre winzigen Löcher aber schön sichtbar – auf der Klobrille aus Holz, die Herr Papa eigens auf Uschis Wunsch anfertigte. Die Inspiration hatte die vielseitig Kreative – wie könnte es anders sein – aus Neuseeland. Dort nämlich hatte sich der große Friedensreich Hundertwasser mit einer kunterbunten öffentlichen Toilettenanlage verewigt – inklusive Holzklobrillen. Und an Neuseeland hat die Mattersburgerin schon vor vielen Jahren ihr Herz verloren. Im Pädagogen-Ehepaar Heidi und Garry, das eine zauberhafte Jugendherberge betrieb, fand sie Freunde fürs Leben. Die renovierte alte Villa der beiden war Vorbild für Uschi Zezelitschs Vision für ein neues Zuhause (das alte musste abgerissen werden) – inklusive einer Prise Pippi Langstrumpf.

 

Festival-Papa. Der echte ist sowieso super, aber auch „Zweitvater“ Franz Bogner hat einen Ehrenplatz in der Villa Himmelrot.

 


Magisch

Verwirklicht hat diesen Traum Baumeister Thomas Trieb, mit dem sie telepathische Kräfte zu verbinden scheinen. Hokuspokus, exakt in dem Moment, als sie uns beim Fotografieren von ihm erzählt, läutet das Telefon – und wer ist dran? Der seelenverwandte Erschaffer von Uschis „Villa Himmelrot“. Und da sind wir auch schon mittendrin in ihrer abenteuerlichen Hausbaugeschichte. „Es war Februar, die Sonne schien, ich habe zum Himmel hinaufgesehen – und gesagt: ,Thomas, so blau will ich mein Dach haben.“ Als sich die in Falten gelegte Stirn glättete, fand er selbst dafür eine Lösung, die ins Budget gequetscht werden konnte. Das Haus wurde aus Vollholz errichtet und bietet auf zwei Etagen 130 Quadratmeter lichtdurchflutete Wohnfläche. Die Sonne darf durch große Fensterflächen hinein; Zwischenwände gibt es kaum. Gedämmt wurde mit Zellulose, die sich laut Uschi Zezelitsch mehr als bewährt. „Im Winter habe ich es schnell warm, im Sommer glauben meine Gäste, ich hätte eine Klimaanlage“, erzählt sie. Auf einen Dachboden verzichtete sie bewusst. „Ich habe auf meinen Reisen gelernt, dass ich gar nicht so viel Zeug brauche“, schmunzelt sie. Über den 32 Quadratmeter kleinen Keller unter ihrer Veranda ist sie aber froh, genießen dort doch viele ihrer grünen Juwelen aus dem Garten ihre Winterauszeit.

 

"Im Februar habe ich in den Himmel hochgesehen und gesagt: So blau soll mein Dach sein." Uschi Zezelitsch

 

Geht es um die Einrichtung, durchstreift Uschi einer Schatzsuchenden gleich Flohmärkte, Altwarenhändler und Schupfen. Aus einem solchen etwa holte sie die cremeweiße Kredenz, die nun zum Badezimmermöbel avancierte. Ein Schmuckstück ist ebendort ihre Dusche: „Ich habe pedantisch Fliesencenter nach Resten abgeklappert, die bewusst unterschiedlich sind, aber farblich zusammenpassen.“ Die Krönung ist die Reihe auf Augenhöhe: mit von polnischen Keramikkünstlern gefertigten Fliesen. Besonders spektakulär in ihrem Schlafzimmer: eine Holz­truhe aus dem 16. Jahrhundert, die sie schon seit Jahrzehnten begleitet. „Eine Hochzeitstruhe, die der Vater seiner Tochter gegeben haben soll. Offenbar ein Förster“, streicht sie über die stilisierten Nadelzweige auf dem Deckel. Das Herzstück im Erdgeschoß ist freilich die Küche – mit Gasherd. „Das Beste zum Kochen“, ist sie überzeugt. Küchenkästen findet man nur unter der Arbeitsplatte; dort werden Töpfe, Pfannen und Co. verstaut, Gläser, Teller und Schüsseln genießen das Rampenlicht in offenen Regalen und Vitrinen. „Das habe ich mir auch von den Jugendherbergen in Neuseeland abgeschaut“, schildert sie. „Da darf man aber nicht an einfachst eingerichtete Häuser denken, sondern an liebevoll renovierte alte Villen.“


Workshop in der Küche

Dass ihre Küche so großzügig bemessen ist, hat auch einen professionellen Hintergrund. „Ich finde mich immer mehr in der Weiterbildung wieder, das macht großen Spaß“, erzählt die ORF-Kräuterhexe, die mit ihrer TV-Sendung „Uschi hoch zu Beet“ nunmehr in das vierte Jahr schritt. Sie gehört außerdem zum Kreativteam von Bellaflora; mehrmals im Jahr gestaltet sie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Seminare, bei denen unter anderem auch in ihrer Küche gekocht wird. Aktuell kooperiert die Erfinderin vieler Kultur- und Naturprogramme auch mit der Pädagogischen Hochschule in Eisenstadt. Dort wird ein neuer Lehrgang namens „Lernraum Natur“ für Volksschul- und Kindergartenpädagoginnen initiiert. Ihre Fortsetzung findet die Zusammenarbeit mit der Naturakademie Burgenland bzw. den heimischen Naturparken.

 

 

Verhext schön. Viel Licht, viel Farbe und ganz viel Grün sind die wichtigsten Ingredienzen in Uschi Zezelitschs Mattersburger Vollholzhaus.



Auf den Geschmack gekommen?

Die nächsten Veranstaltungen mit Uschi Zezelitsch:

• „We love Nützlinge“ (Workshop), 4. Mai 2019, 13.30 Uhr, Schuhmühle Schattendorf (Naturakademie Burgenland)

• „Blätterbrot und Baumpflaster“, 5. Mai 2019, 14 Uhr, Altes Kloster Baumgarten.


Info: www.naturakademie-burgenland.at