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Lifestyle | 26.06.2019

Wasser-Visionen

Wasser statt Energy Drink: Waldquelle-Chefin Monika Fiala im Gespräch über recycelbares Plastik und eine Gesellschaft, deren Kühlschrank von einem Computer bestückt wird.

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Monika Fiala ist Mutter von Zwillingen und möchte nicht zuletzt für sie eine plastikarme Zukunft forcieren. © Waldquelle, Andreas Hochgerner

Den Blick für das Wesentliche, den ständigen Antrieb, sich weiterzuentwickeln, und eine große Portion Know-how: diese Attribute strahlt Monika Fiala aus. Seit eineinhalb Jahren ist die gebürtige Steirerin, die in Wien lebt, nun Geschäftsführerin von Waldquelle in Kobersdorf. Wie es ist, von einem riesigen Konzern in ein Familienunternehmen zu wechseln, ob sie eine Lösung in der Plastik-Frage sieht und wie in Zukunft eingekauft wird – in einem spannenden Diskurs mit Monika Fiala sind wir diesen Fragen auf den Grund gegangen.


BURGENLÄNDERIN: Cola, Wein, Energy Drinks – Sie haben als Marken-Expertin schon viele Getränkebereiche vertreten. Wie ist es für Sie, sich jetzt „nur“ um Wasser zu kümmern?

Monika Fiala: Mit Wasser fühle ich mich einfach am wohlsten. Ich war bei Coca Cola für verschiedene Getränkekategorien und Marken verantwortlich. Dadurch kannte ich Waldquelle als Mitbewerber am Wassersektor. Ich bin froh, jetzt das repräsentieren zu dürfen, womit ich mich aus tiefster Überzeugung identifizieren kann. Wasser ist das natürlichste Produkt, das es gibt.  


Ist Ihr Tagesablauf jetzt sehr viel anders als bei den Konzernen, bei denen Sie früher waren?

Waldquelle gehört zur tschechischen KMV-Gruppe, ist aber ein 100%iges Familienunternehmen. Der Eigentümer lässt uns viel Spielraum. Den Konzernfokus auf Aktienkurse und Quartalsergebnisse gibt es hier nicht. Einmal im Monat bin ich in Prag, dort wird besprochen und es werden Entscheidungen getroffen, den Rest des Monats arbeiten wir quasi autonom.


Welche Neuerungen stehen dieses Jahr noch an?

Unsere große Innovation heuer ist Waldquelle Frucht still. Der Trend geht eindeutig in die Richtung weniger Kohlensäure und weniger Zucker. Mit den zwei Sorten Marille & Passionsblume sowie Erdbeere & Himbeere können wir ab sofort unsere Konsumenten begeistern.


Plastik ist im Getränke- und Lebensmittelbereich ein großes Thema. Was sind da die Herausforderungen für die Zukunft?

Aus unserer Sicht muss jeder, der Plastik in Umlauf bringt, auch dafür Verantwortung übernehmen und es wieder in den Kreislauf zurückführen. Die neuen EU-Gesetze besagen, dass bis zum Jahr 2025 von allen Herstellern 25 % Recycle-PET verwendet werden muss, gleichzeitig müssen im Jahr 2029 90 % aller PET-Flaschen europaweit wieder eingesammelt werden.

 

Kaufen die Kinder von heute als Erwachsene von morgen nur noch online ein? Hier die 3. Klasse VS Kobersdorf beim Baumpflanzen nahe der Quelle.



Dazu ist jedoch notwendig, dass die Konsumenten die Flaschen richtig entsorgen.

Richtig. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Sammelquote weiter zu fördern, um die 90 % zu erreichen. In Deutschland wird z. B. mit einem Pfandsystem gearbeitet. In Österreich haben wir ein etabliertes Sammelsystem, das zwar sehr gut funktioniert, aber die hohe Quote von 90 % nicht erfüllt. Hier müssen wir als Getränke­industrie noch sehr intensiv über neue Ansätze nachdenken. Als KMV-Gruppe stehen wir einem Pfandsystem sehr offen gegenüber. In unseren Kernländern gibt es aber auch kein bewährtes Sammelsystem.


Die Menschheit erfindet so viel. Warum gibt es noch immer keine Flaschen aus einem verrottbaren Material – wie beispielsweise die neuen Strohhalme aus Maisstärke?

Das ist eine gute Frage. Es wird ja auch intensiv daran gearbeitet. Es ist zur Zeit sehr viel in Bewegung, es werden sich neue Dinge entwickeln, über die man vor ein paar Jahren noch gar nicht nachgedacht hat. Das Thema hat in den letzten Monaten eine Dynamik bekommen, die ich in den letzten 20 Jahren in der Getränkebranche nie erlebt habe. Dazu muss aber auch ein Bewusstsein in der Bevölkerung geschaffen werden.


Ist die Gesellschaft nicht ohnehin bereits kritischer und bewusster geworden?

Ja, aber leider sind es immer noch rund 25 % der Konsumenten, denen die Umwelt nicht sehr wichtig ist. Einerseits, weil sie finanziell so gestellt sind, dass sie nicht drauf schauen können, andererseits weil es ihnen wirklich egal ist. Und das ist zu viel, wenn ich 90 % der Plastikflaschen wieder einsammeln muss.


Welche Visionen sind noch vorstellbar?

Die Frage ist, wie wir alle in zehn Jahren einkaufen werden. Die Vision, auf die wir uns alle vorbereiten müssen, ist die: Jeder hat ein Gerät zu Hause, zu dem man in der Früh sagt: „Ich brauche Salat, Waldquelle Mineralwasser und Klopapier.“ Wenn ich nach Hause komme, soll das da sein. Dann ist die Frage, wer entscheidet, was das Gerät bestellt? Welche globalen Kooperationen wird es geben zwischen großen Konzernen und Online-Riesen ... Um uns hier für die Zukunft gut zu rüsten, setzen wir einerseits auf Nachhaltigkeit und auf viele Aktivitäten in unserer Kernregion (Niederösterreich, Wien und Burgenland). So sind wir vielleicht ein „kleiner“ Player, aber ein äußerst relevanter für den Konsumenten und wir wissen zumindest auch immer genau, wo unser Rohstoff herkommt. Nämlich aus der Quelle in Kobersdorf. So, wie es aus der Erde kommt, füllen wir es ab. Natürlicher geht es nicht.


Aber gibt es nicht ohnehin eine starke Bewegung, die Regionalität und bewusstes Einkaufen in den letzten Jahren sehr forciert hat?

Ja, die gibt es, das ist auch gut so. Aber man geht trotzdem davon aus, dass sich das Einkaufsverhalten stark verändern wird. Kann schon sein, dass man am Wochenende noch ins Geschäft einkaufen fährt, um das Erlebnis und den Genuss zu haben. Aber wenn es um Waschmittel und Klopapier geht, wird sich das massiv verändern. Die Frage ist, wie sich ein regionales Unternehmen wie Waldquelle dann positioniert. Es freut mich, dass ich diese Herausforderung gemeinsam mit dem Team der Waldquelle angehen kann.

Neuer Trend: Waldquelle Frucht still.
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