Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 09.10.2019

Fight cancer – be beautiful

Ein Schminkkurs für an Krebs Erkrankte macht Mut, gibt Selbstvertrauen und bereitet Spaß. Die BURGENLÄNDERIN begleitete einen der kostenlosen „feelagain“ Schmink-Workshops und sprach mit den Betroffenen.

Bild Head_1910_B_BE_Krebs_Makeup.jpg
© Shutterstock

Sabine Wagenhofer

36, verheiratet, 2 Kinder (6 + 4 Jahre), Qualitätsmanagerin

Im Dezember 2018 verspürte sie eine Verhärtung in ihrer rechten Brust. Nach einer Mammografie, einer Magnetresonanz und einer Gewebebiopsie bekam sie kurz vor Weihnachten die Diagnose: bösartiger Brustkrebs. Nach vielen Untersuchungen startete Mitte Jänner die Chemotherapie, die sie alle drei Wochen erhielt. Durch die schlimmen Nebenwirkungen konnte sie sich danach jeweils eine Woche nicht selbstständig um ihre Kinder kümmern. Mitte Juni 2019 erhielt Sabine die letzte Chemotherapie und Ende Juli fand die Operation, Masektomie der rechten Brust mit Sofortaufbau, statt. Für die Hilfe und Unterstützung ihrer gesamten Familie, ihres Ehemanns Markus, ihrer Kollegen und ihrer besten Freundin Katrin sowie von allen Freunden, die immer für sie da waren und ihr Zeit und Ruhe gaben, um sich der Krankheit zu stellen, ist sie unendlich dankbar.

 

„… und am Ende werde ich tanzen!“, Sabine Wagenhofer

 

Augenbrauen selbst gemacht: Make-up-­Artistin Catharina Flieger zeigt den Teilnehmerinnen des kostenlosen Schmink-Workshops, wie sie die fehlenden Augenbrauen eigenhändig aufmalen können.

 


Anneliese Haas

63, Pensionistin

Im Jahr 2017 wurde der Unterleibskrebs diagnostiziert. Von August bis November 2017 bekam sie die Chemotherapien. Bis heute spürt Anneliese Haas deren Nachwirkungen. Ihr Mann hat sie bereits vor 14 Jahren durch einen Herzinfarkt verlassen. Dass sie einmal an Krebs erkranken wird, war für die 63-Jährige vorhersehbar. Ihr Vater starb an Lungenkrebs, ihre Mutter an Dünndarmkrebs. „Ich dachte mir, eine von uns drei Schwestern wird den Krebs auch bekommen. Ich habe immer gesagt, hoffentlich bin ich es, denn ich habe keine Kinder und mein Mann ist auch nicht mehr bei mir.“ Und Anneliese ist stark, sie hält dem Krebs stand. „Nur die Harten kommen durch.“ Jammern kommt bei ihr nicht infrage. Ihre Schwestern, Neffen und ihr Freundeskreis geben ihr sehr starken Rückhalt. Anneliese Haas sieht immer das Positive in jeder Situation. „Seit der Diagnose gehe ich mit offenen Augen durch die Welt, sehe jeden Schmetterling.“

 

„Weniger Sorgen, mehr Leben!“, Anneliese Haas

 

 

Beim Kurs werden auch gerne die von den Frauen mitgebrachten Make-up-Produkte verwendet und gezeigt, wie sie richtig angewendet werden.


Ines Schmidt-Kohout

45, Lohnverrechnerin, Mutter eines 6-Jährigen

„Was sehr emotional war, war der Haarverlust. Der erste Blick in den Spiegel auf diese glatte Birne, das war hart! Noch schlimmer war aber der Wimpernverlust.“ Ende April 2019 hat Ines Schmidt-Kohout selbst einen Knoten in ihrer Brust ertastet. Heute geht es ihr gut mit der Diagnose Brustkrebs, auf die Frage nach dem Warum sieht sie keine richtige Antwort, doch den Kopf in den Sand stecken ist für sie keine Option. Die Hälfte der Chemotherapien hat die 45-Jährige nun hinter sich. Ihre Mutter hatte ebenfalls Brustkrebs, war danach sieben Jahre krebsfrei, dann kam der Knochenkrebs. Nach 17 Jahren Kampf ist sie mit 59 Jahren verstorben. „Es ist oft hart, aber es lohnt sich zu kämpfen. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir in Österreich leben und so eine gute medizinische Versorgung haben!“

 

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“, Ines Schmidt-Kohout

 

Um Wimpern vorzutäuschen, verwendet Make-up-Artistin Catharina Flieger sowohl über als auch unter dem Auge schwarzen Kajal oder schwarzen Lidschatten. Der Lidstrich ist ganz dünn und wird dort gezeichnet, wo sonst Wimpern vorhanden sind.


Elisabeth Bartholich

66, Pensionistin, 3 Enkelkinder

Ihr Mann, mit dem sie 43 Jahre lang verheiratet war, starb unerwartet Ende März 2019, nur wenige Tage später bemerkte sie einen fliederfarbenen Fleck auf der Brust. Zuerst dachte sie an einen harmlosen blauen Fleck. Jedoch veränderte er die Farbe zu Rot. Ihr Hausarzt schickte Elisabeth Bartholich sofort zu Mammografie und Ultraschall. Diagnose: Brustkrebs. „Ich war mit der Vorsorgeuntersuchung immer sehr schleißig, weil mir die Mammografie Schmerzen bereitete. Im Nachhinein betrachtet, hätte mir das egal sein sollen.“ Heute hat die 66-Jährige ihr Ziel vor Augen: den Feind Krebs bekämpfen. Drei Chemotherapien sind noch ausständig. „Am Anfang bin ich fast gestorben vor Angst. Ohne meine Familie hätte ich es nicht geschafft. Der Kummer vermischt mit der Trauer war schrecklich.“ Die bekennende Katholikin zieht ihre Kraft auch aus ihrem Glauben und dem Mut, den ihr ihre Freunde und Familie geben: „Krebs ist nichts für Feiglinge.“

 

„Das Glück ist manchmal auch ein Augenblick der Stille.“ Elisabeth Bartholich

 

Um Augenbrauen vorzutäuschen, gibt es ganz unterschiedliche Produkte. Make-up-Artistin Catharina Flieger verwendet dafür gerne einen braunen Lidschatten, weil dieser bei den meisten Frauen zu Hause im Badezimmer nicht fehlt.


Maria Schachtner

59, Oma von zwei Enkelkindern

Ihre ganz persönliche Geschichte begann im Oktober 2018 mit einer normalen Vorsorgeuntersuchung. Bei der Mammografie wurde ein kleiner Knoten entdeckt, der sich schließlich als bösartig entpuppte. Nach allen notwendigen Untersuchungen und der anschließenden Operation kam die Diagnose mit einer vorläufigen Therapieempfehlung. „Man hört nur die Hälfte von dem, was der Arzt dir sagt, und allein das Wort ‚Chemotherapie‘. Ich dachte, nein, der meint nicht mich. Irgendwie war ich in einem Trancezustand.“ Heute ist Maria am Ende ihrer Chemotherapie-Sitzungen. Die Unterstützung und Ablenkung von Familie und Freunden ist eine Wohltat für sie, ebenso wie die Hilfe ihrer Psychotherapeutin. „Die Stärke kommt nicht von allein, man muss schon an sich arbeiten. Ich will meine Enkelkinder aufwachsen sehen. Der Krebs, der kann mich mal.“

 

„Liebe dich selbst genug, um all das loszulassen, was deine Seele nicht nährt.“, Maria Schachtner

 

Nach dem Prinzip „Learning by doing“ wird in den feelagain-Kursen stets eine Gesichtshälfte vom Profi geschminkt, die andere schminken die Frauen dann selbst.


Making-of Beauty-Shooting

Ausdrucksstarke Fotos und passendes Make-up: Der kostenlose Schminkkurs für an Krebs erkrankte Frauen hilft mit Beauty-Tipps für den Alltag. Anschließend bittet Fotografin Birgit Machtinger die Frauen vor die Linse. Birgit Machtinger und Catharina Flieger (Foto links) haben sich mit vollem Herzen der Unterstützung krebskranker Frauen verschrieben und die Initiative „feel again“ hervorgerufen: In diesem 3-stündigen kostenlosen Coaching erfahren an Krebs erkrankte Frauen, wie einfach die äußerlichen Folgeerscheinungen nach einer Chemotherapie mit Tipps und Tricks zu kaschieren sind. „Wunsch und Ziel ist es nicht nur, dass die Betroffenen einen Tag lang ihre Sorgen vergessen, sondern auch ihr Selbstbewusstsein stärken und dadurch auch ihre Lebensqualität verbessern“, so das Duo. Damit sie noch vielen weiteren Mädchen und Frauen einen unvergesslichen Tag schenken können, sind sie auf Unterstützung angewiesen, hier gibt es die Möglichkeit, zu spenden oder unterstützendes Mitglied zu werden: www.feelagain.at/feelagainmember

Making-of Beauty-Shooting
Bild 1910_B_feelagain_-5.jpg

In den feelagain-Kursen wird viel gelacht – eine lockere und entspannte Atmosphäre ist wichtig.

Bild 1910_B_feelagain_-8.jpg

Hier wird gezeigt, wo der erste Hilfspunkt für das Aufmalen der Augenbrauen beginnt.

Bild 1910_B_FliegerMachting.jpg

Die Initiatoren von feelagain: Fotografin Birgit Machtinger und Make-up-Artistin Catharina Flieger.

Treffen der Selbsthilfegruppe „IM HEUTE LEBEN“

MO, 7. Oktober, 9.30 Uhr bis ca. 13 Uhr

Sitzungszimmer der Burgenländischen Gebietskrankenkasse, Eisenstadt, mit den Referentinnen Claudia Altmann-Pospischek (metastasierte Brustkrebspatientin) und DGKP Lisa Wiedermann. www.selbsthilfe-krebs.at