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Lifestyle | 21.10.2019

Bittersüßes Geschäft

Kakao zählt zu den bedeutendsten Roh-stoffen der Welt. Trotz wachsender Nachfrage bangen die meisten Kleinbauernfamilien um ihre Existenz. Die BURGENLÄNDERIN traf einen Kakaobauern von der Elfenbeinküste.

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Obwohl Frauen fast die Hälfte der Arbeit im Kakaosektor leisten, verdienen sie meist weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Fairtrade Africa Women’s School of Leadership soll das nun ändern. © Sean Hawkey

Sie arbeiten sechs Tage die Woche (zur Erntezeit sieben) und verdienen pro Tag nicht mal einen Euro: Arbeiter auf einer Kakaoplantage, die nicht Fairtrade-­zertifiziert ist, haben kein soziales Netz und kommen meist als Gastarbeiter. Und es arbeitet fast immer die gesamte Familie auf den Feldern, auch die Kinder. Traore Ousmane, Kakaobauer von der Elfenbeinküste, ist mit seiner Kooperative (Genossenschaft von kleinen Kakaobauern) seit drei Jahren Fairtrade-zertifiziert. Seine Arbeiter bekommen immerhin 2,50 Euro pro Tag und haben durch Fairtrade Verbesserungen, die für unsereins selbstverständlich sind: Die Familien der Bauern sind krankenversichert, es gibt Schulen für die Kinder und dank eines elektrischen Bohrbrunnens müssen die Dorfbewohner nicht mehr stundenlang zu einer weit entfernten Wasserstelle gehen. In Schulungen erfahren die Bauern, wie sie besser anbauen können und welche Düngemittel den Ertrag pro Pflanze nachhaltig steigern können. Wissen, das für die Bauern sehr wertvoll ist. Für Fairtrade-Bauern gibt es bessere Konditionen und Prämien und die Fairtrade-Standards müssen strengstens eingehalten werden, Kinderarbeit ist verboten.


Architektin statt Kakao

Die Nachfrage nach Kakao steigt weltweit weiterhin. Hinzu kommt, dass immer mehr Kakaobauernfamilien keine Zukunft mehr im Kakaoanbau sehen und somit die nächste Generation fehlt. Zusätzlich hat durch einen Einbruch des Kakaopreises, der im Herbst 2016 begonnen hat und nach wie vor andauert, die Armut vieler Kleinbauernfamilien stärker zugenommen. Vor allem junge Leute geben die Landwirtschaft auf und wandern in die Slums der Großstädte ab. Das Durchschnittsalter der Kakaobauern beträgt in Westafrika 51 Jahre, was angesichts einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 50 Jahren in Elfenbeinküste (in Ghana: 61 Jahre) alarmierend ist. Traore Ousmane ist 41 Jahre alt und hat drei Kinder mit 13, acht und sechs Jahren, die in den Ferien mit ihm am Feld sind. Fragt man diese nach ihrem Berufswunsch, kommen klare Ansagen: Architektin, Arzt und Fußballer. Doch Ousmane würde sich etwas wünschen: „Sie können werden, was sie wollen, aber ich möchte ihnen trotzdem die Liebe zu meinen Feldern weitergeben. Und wenn Gott will, wird eines der Kinder das Geschäft einmal übernehmen.“

Kakaobohnen-Impressionen
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So sehen die frischen Kakaobohnen in der aufgeschnittenen Frucht aus – umhüllt von weißem Fruchtfleisch.

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Die meisten Kleinbauernfamilien am nicht Fairtrade-zertifizierten
Kakaosektor leben in Armut.

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Traore Ousmane mit einem Teil seiner Familie bei der Ernte.

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Redakteurin Nicole Schlaffer traf Traore Ousmane in Wien.

Nachfrage muss steigen

Weltweit wird Kakao von Kleinbauernfamilien angebaut, 70 Prozent der internationalen Ernte stammen aus den westafrikanischen Ländern Elfenbeinküste und Ghana. Doch die Kakaobauernfamilien können durchschnittlich nur 28 Prozent ihrer Ernte zu Fairtrade-Bedingungen verkaufen. „Leider ist die Nachfrage nach Fairtrade-Kakao noch viel zu gering. Das Problem ist, dass die ganze Ernte Fairtrade-zertifiziert wäre, aber nicht alle Abnehmer bereit sind, Fairtrade-­Konditionen zu bezahlen. Diese bekommen dann natürlich auch das Gütesiegel für ihre Produkte nicht. Daher ist es wichtig, dass Konsumenten auf das Fairtrade-Gütesiegel achten, denn nur damit ist gewährleistet, dass die Kakaobauern auch fair bezahlt wurden“, erklärt der Geschäftsführer von Fairtrade-Österreich, Hartwig Kirner. In Österreich sei der Fairtrade-Kakao-Marktanteil sehr gut aufgestellt mit zehn Prozent, weltweit liege er leider nur bei 1,5 Prozent.


Weiß statt braun

Wissen Sie eigentlich, wie eine Kakaobohne aussieht? Klein und braun, würden die meisten jetzt wohl denken. Aber in ihrem Ursprung sieht sie ganz anders aus. Mit der Machete werden die reifen Früchte abgeschnitten und danach aufgeschnitten. Innen sind die Kakaobohnen von weißem Fruchtfleisch umhüllt. Zur Gärung und Trocknung werden sie ausgebreitet. Dabei entwickeln die Kakaobohnen ihren typischen Geschmack, schrumpfen auf die Hälfte ihrer ursprünglichen Größe und verfärben sich braun. Nach der Trocknung werden sie in Säcke gefüllt und in Schokolade produzierende Länder verschifft, wo die Weiterverarbeitung in Kakaomasse und Kakaobutter erfolgt.
Frauen stärken Obwohl Frauen fast die Hälfte der Arbeit im Kakaosektor leisten, verdienen die meisten Bäuerinnen weniger als ihre männlichen Kollegen. In vielen Fällen dürfen sie selbst kein Land besitzen und haben wenig Einfluss auf Entscheidungen in ihren Kooperativen. Um die Frauen im westafrikanischen Kakaosektor gezielt zu stärken, hat Fairtrade Africa die Women’s School of Leadership ins Leben gerufen. Seit Gründung im Mai 2017 verfolgt die Women’s School of Leadership das Ziel, die wirtschaftliche Situation sowie die Führungschancen für Frauen in Fairtrade-zertifizierten Kooperativen der Elfenbeinküste zu verbessern. 

 

Infos



  • 20 % mehr Fairtrade-Kakao­bohnen als im Vorjahr wurden 2018 in Österreich konsumiert.
  • 6,6 % bekommt eine Kakao­bauernfamilie heute vom Verkaufspreis für eine Tafel Schokolade (in den 1980er-Jahren waren es noch etwa 16 %).
  • 2 Millionen Kinder arbeiten in Elfenbeinküste und Ghana unter ausbeuterischen Bedingungen auf Kakaoplantagen.