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Lifestyle | 07.01.2020

Wien einmal anders

Wenn jemand weiß, wo Wien seine geheimen Schönheiten versteckt, dann Elisabeth Wolf, die in Wien ihre Berufung gefunden hat.

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Wien © Shutterstock

Man muss nicht immer gleich weit verreisen, wenn einen das Fernweh heimsucht: Fremdenführerin Elisabeth Wolf ist nach Wien „ausgewandert“ – und gibt dort mit „Artissimi“ in besonderen Führungen preis, warum die Hauptstadt einfach magisch ist.

 

Elisabeth Wolf erzählt in der BURGENLÄNDERIN über ihr Wien.


Schon zur Schulzeit zog Elisabeth Wolf aus Mariazell nach Wien, damals für eine einzigartige Musikschule ins Internat. Danach gab es eigentlich kein Zurück mehr: Einmal Großstadtluft gerochen, zog sie nach dem Studium erst nach Rom und dann nach London, wo sie einen Tiroler heiratete und mit ihm zwei Kinder bekam. Beruflich wie auch familiär führte es die Familie dann doch wieder zurück nach Österreich – und hier selbstverständlich nach Wien. „Nach dem vielen Herumreisen mag ich heute auch nirgends anders mehr leben: Wien wurde ein super Platz für uns, auch beruflich.“


Von Kellern und Innenhöfen

2012 gründete Elisabeth ihre eigene Firma. Mit „Artissimi“ bietet die Kulturliebhaberin nun besondere Stadtführungen auf 5-Sterne-­Niveau an. Da hat nicht zuletzt der langjährige Background in der Hotellerie dazu beigetragen: Sie versteht sich eben gut darin, alle Wünsche ihrer Gäste mit Sorgfalt zu bespielen. Das macht ihr Angebot so beliebt: Bei Elisabeth bekommt man Führungen geboten, die in ihrer Einzigartigkeit verzaubern. Ihr Standardprogramm umfasst Spaziergänge durch versteckte Innenhöfe oder Keller, eine elaborierte Streetart-Tour ist ihr Dauerrenner. „Ich bin immer unterwegs und suche ständig neue Blickwinkel“, beschreibt Elisabeth ihr Angebot, „und ich will dort rein, wo man alleine nicht hinkommt.“ Oft sei die persönliche Begegnung das fehlende Glied, das eine Tour spannend macht. Der Designer ist ihr für die Modetour so wichtig wie der Hoflieferant für den Kellerspaziergang. Jeder hat seine besondere Geschichte, die er den Gästen offenbart – und diese schätzen die Individualität im Kulturprogramm. „Ich führe auch oft sehr berühmte Leute – die freuen sich natürlich, wenn sie alleine in einem Innenhof stehen und nicht da, wo alle sind.“


Wo Wien die Nase vorne hat

Wenn man Elisabeth fragt, dann ganz klar in Sachen Streetart: Wien ist eine der großzügigsten Städte weltweit, wenn es darum geht, Graffiti-Künstlern Wände zum Sprayen zur Verfügung zu stellen. Der erstmalige Vandalismus hat sich über die Jahre zu einer Kunstform entwickelt, um die sich auch ein Tourismus entwickelt: Viele Künstler fliegen sogar extra zum Sprayen nach Wien, weil sich in ihren Städten keine solchen Möglichkeiten bieten. Die Wiener seien zwar oft ein bisschen konservativ, in Sachen Streetart aber doch sehr offen. Das ist auch einer der Punkte, der Elisabeth an Wien so begeistert, „dass es sich so gemausert hat“. Obwohl sich seit ihrer Jugend in Sachen Einwohner wenig getan hat, hat es sich in vielen anderen Dingen unglaublich entwickelt. Dass eine Stadt so wandelbar ist, zeugt für die Fremdenführerin von Potenzial. Auch Viertel, die man früher vermieden hätte, glänzen heute in ihrer Interkulturalität. Auf internationaler Ebene ist natürlich speziell die Kunstszene sehr interessant. In der klassischen Musikszene ist Wien immer schon eine Hauptstadt gewesen, seine Geschichte zieht Star-Dirigenten aus aller Welt nach Wien. Auf der internationalen Karriereleiter möchten sich Musiker und Künstler den Österreich-Stempel abholen, denn dieser hat Aussagekraft. Das rechnet sich auch privat: „Ich kenne keine andere Stadt der Welt, die an einem Abend qualitativ so viel Kultur zu bieten hat wie Wien.“


Kulturbuffet vom Profi

Wenn jemand Geheimtipps zu Wien auf Lager hat, dann Elisabeth Wolf. Von versteckten Museen bis hin zu verschnörkelten Hofaltaren kennt sie alles, was schön ist und sonst niemand kennt. Obwohl wir Wien in der kalten Jahreszeit wetterbedingt lieber aus dem Weg gehen, offenbart sich die Hauptstadt besonders dann als Perle: „Der Winter ist super, weil Wien viel ruhiger ist. Was normalerweise überlaufen ist, hat man jetzt oft fast für sich alleine.“ Dazu zählt auch das Schloss Schönbrunn – ein Spaziergang im Schlosspark bietet sich besonders am späten Nachmittag gut an; ebenso das Museum selbst ist auf einmal angenehm ruhig. Diese touristische Durststrecke zieht sich auch über den Jänner. Das hat etwas Betörendes, so Elisabeth, im Kaffeehaus in Stille zu sitzen. Die perfekte Jahreszeit also, um Wien einmal ungestört genauer zu betrachten.

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Meine Tipps

  1. Im Schottenstift-Museum findet sich die älteste Wienansicht überhaupt, die ist vor allem zur Weihnachtszeit sehr schön. Man kann sich hier fast immer ungestört und alleine vor den gotischen Wandel­altar setzen. Was man sieht, ist etwas ganz Besonderes: die ganze Geschichte von Maria bis zur Geburt Jesu.
  2. Für Familien ist die Schatzkammer immer eine tolle Idee. Die Burschen freuen sich über die Schwerter, die Mädchen über die Juwelen und die Krone. Hier steckt die gesamte Geschichte Österreichs – das finde ich bemerkenswert.
  3. Ein absolutes Highlight ist es, eine Messe mit den Sängerknaben in der Hofkapelle zu besuchen. Danach reserviert man beim Zuckerbäcker Demel. Hier kommt ein Geheimtipp: Demel betreibt ein eigenes kleines Museum, das richtige Kunstwerke der Konditormeisterei ausstellt. Die Auslagen ändern sich monatlich – ein Besuch macht immer Spaß.
  4. Meine Lieblingsausstellung momentan ist Pierre Bonnart im Kunstforum. Es ist eine richtige Feel-good-Ausstellung, da holt man sich Südfrankreich in die Stimmung! Hinterher geht man französisch essen ins Beaulieu. So genießt man einen Tag lang Frankreich in Wien.
  5. Das neue Buch von Vienna Mural kaufen. Der Street Art Guide beschreibt die wichtigsten Kunstwerke Wiens. Er beinhaltet auch einen Plan mit Touren, die man abgehen kann. Zum Beispiel: Am Sonntag durch den Naschmarkt schlendern und die heruntergelassenen Rollos der Hütten unter die Lupe nehmen.
  6. Eine Shoppingtour machen und besondere Geschäfte besuchen. Meine Tipps sind zum Beispiel der Juwelier Köchert, Neuer Markt 15, der schon Sisis Diamanten schliff. Beim Lobmeyr in der Kärntner Straße 26 gibt es zauberhafte Stücke aus Glas und Porzellan und bei Jungmann & Neffe am Albertinaplatz 3 stöbert man in über 1000 herrlichen Stoffen.