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Lifestyle | 19.02.2020

Hilfe bei Belastungen

Enttabuisierung und Sichtbarmachung von psychischen Erkrankungen und Suchtverhalten sind starke Themen der heutigen Zeit. Die BURGENLÄNDERIN sprach mit Dr. Johannes Zsifkovits vom PSD Burgenland über mögliche Hilfestellungen.

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GF Dr. Johannes Zsifkovits, Mag. Petra Taferner-Kraigher (Sucht- und Drogenkoordination für das Bgld.), Verena Fischbach (Mitarbeiterin Team Suchtprävention). © Viktor Fertsak

Im Laufe eines Jahres leidet jeder fünfte Mensch in Österreich an einer psychischen Erkrankung wie Depression oder Angststörung, zeigen wissenschaftliche Umfrage­daten. Insgesamt sind 1,2 Millionen Österreicher*innen betroffen. Viele davon leiden still und werden in der Gesundheitspolitik nicht wahrgenommen. Diesem Umstand möchte der Psychosoziale Dienst Burgenland (PSD) entgegenwirken. Mit den vier Säulen Erwachsenenpsychia­trie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Sucht- und Drogenkoordination und -prävention sowie mobile Hospiz- und Palliativversorgung zielt der PSD mit seinen Standorten in jeder Bezirkshauptstadt im Burgenland auf die Integration der Patient*innen in das gesellschaftliche und berufliche Leben ab sowie auf die Förderung einer autonomen Lebensführung mit einer Orientierung an den individuellen Bedürfnissen.

 

Dr. Christian Müller, Suchtbehandlung für Minderjährige.


„Der PSD Burgenland ist seit 60 Jahren um das psychosoziale Wohlergehen der Burgenländer*innen bemüht. Im Jahr 2020 liegt unser Fokus auf der Präventionsarbeit im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Das betrifft die psychische Gesundheit und den Umgang mit Abhängigkeitserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen“, so Dr. Johannes Zsifkovits. Im Bereich der Erwachsenenpsychiatrie arbeitet der PSD da­ran, Schwellenängste zu nehmen. Mit einem modernen und offenen Auftritt des PSD nach außen soll der Bevölkerung die Angst vor einem Erstkontakt mit dem PSD genommen werden. „Für alle Burgenländer*innen gilt: Eine psychische Erkrankung kann jeden genauso treffen wie eine Grippe. Der PSD ist für die da, die Hilfe brauchen, vom Kindergarten bis zur Sterbebegleitung.“

 

Beratung im Team: Dr. Hajnalka Bacso, Mag. Silke Mandl-Hofer, Mag. Michaela Grosing


Der Psychosoziale Dienst Burgenland ist eine Beratungs-, Behandlungs- und Betreuungseinrichtung für Menschen mit psychischen Erkrankungen und Problemen und deren Angehörige sowie für Menschen in Lebenskrisen. Um eine umfassende flächendeckende und nachhaltige Betreuungsarbeit zu ermöglichen, wurde in jedem Bezirksvorort ein Behandlungszentrum eingerichtet. In Oberpullendorf gibt es seit 2007 statt einer Beratungsstelle ein Kassenambulatorium. 2016 wurde auch die Außenstelle Mattersburg in ein Ambulatorium umgewandelt. Im Gegensatz zu einer Facharztpraxis ist in einem Ambulatorium eine vor Ort stattfindende Betreuung und Behandlung durch psychologischen, sozialarbeiterischen, pflegerischen und psychotherapeutischen Dienst möglich. Dieser Therapieplan wird für den jeweiligen Patienten im Team festgelegt.

 

Dr. Karl Heinz Lippl, ärztliche Leitung für Erwachsenenpsychiatrie Bgld. Nord


Im ambulatorischen Zentrum der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie des PSD in Eisenstadt und Oberwart ist die Behandlung kostenlos, eine Überweisung ist nicht notwendig, lediglich die Mitnahme der E-Card. Diese Einrichtung ist für Kinder und Jugendliche, die an einer seelischen Krankheit/an seelischen Problemen leiden, in sehr belastende Lebensumstände geraten sind, „verhaltensauffällig“ sind, Probleme in Kindergarten, in der Schule oder im häuslichen Kontext haben, unterschiedliche Gewalterfahrungen erlebt haben, sich selber verletzen oder nicht mehr leben wollen.
Die Psychotherapie für Erwachsene ist ein eigenständiges Heilverfahren im Gesundheitsbereich für die Behandlung von psychischen, psychosozialen oder auch psychosomatisch bedingten Verhaltensstörungen und Leidenszuständen. Ziel ist es, seelisches Leid zu heilen oder zu lindern, in Lebenskrisen zu helfen, gestörte Verhaltensweisen und Einstellungen zu ändern und die persönliche Entwicklung und Gesundheit zu fördern.

 

Mitarbeiterbesprechung mit dem ärztlichen Leiter für Bgld. Nord, Dr. Roland Grassl, Facharzt für Kinder und Jugend-Psychiatrie


Teil der Sucht- und Drogenkoordination und -prävention ist die Auseinandersetzung mit Sucht, Suchtursachen sowie den Auswirkungen von riskantem Substanzkonsum. Sucht ist ein umfassendes Problem, dessen Entstehung von mehreren Faktoren abhängt und nicht mit einmaligen, punktuellen Maßnahmen verhindert werden kann. Langfristige Maßnahmen sind nötig, die gut geplant und kontinuierlich umgesetzt werden sollten. Deshalb wenden sich die Angebote des PSD in erster Linie an Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen leben oder arbeiten, um sie als Multiplikatoren in der Suchtprävention zu befähigen. Zusätzlich werden zur Unterstützung Workshops mit Jugendlichen durchgeführt. Die Hospiz- und Palliativeinrichtungen des PSD im Burgenland sind für Patient*innen sowie deren Angehörige kostenlos. Diese werden zur Gänze vom Land Burgenland übernommen. Palliative Care bedeutet beim PSD, die Schmerzen und Belastungen der Patient*innen zu lindern, das Leben zu bejahen und das Sterben als normalen Prozess zu erachten, sie dabei zu unterstützen, so lange wie möglich aktiv zu bleiben, die Angehörigen dabei zu unterstützen, die Trauer zu verarbeiten, und die Lebensqualität der Patient*innen zu verbessern.

Ing. Sabine Puchta, Psychotherapeutin für Kinder, mit Verena beim „Sandkasten“

 

 

Info

Geschäftsführer Dr. Johannes Zsifkovits


Die Öffnungszeiten und Kontaktdaten aller vom PSD betriebenen Zentren für seelische Gesundheit finden Sie auf der Website unter der Rubrik Standorte:

www.psychosozialerdienst.at

Fotos: Viktor Fertsak