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Lifestyle | 17.03.2020

6 Frauen, 6 Fragen

Wie denken Frauen heute über Schönheit und wie stehen sie zu sich und ihrem Körper? Hören wir auf, Tabus zu kreieren – feiern wir unsere Weiblichkeit und reden wir darüber!

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© Shutterstock

Nina Wallner

42, Sozialarbeiterin, Organisatorin Vagina-Monologe

 

Welches Verhältnis haben Sie zu Ihrem Körper, wie hat sich dieses im Laufe der Jahre verändert?

Ich fühle mich wohl in meinem Körper, bin sehr gerne Frau. In meiner Kindheit und Jugend habe ich viel Sport getrieben und konnte meinen Körper kennen und lieben lernen. Ich konnte erkennen, welche Stärken ich besitze, aber auch, wo meine Grenzen liegen. In den Jahren ist mir die Fitness abhanden gekommen, das würde ich gerne verändern.


Hand aufs Herz: Wie wichtig ist für Sie das äußere Erscheinungsbild eines Menschen?

Wir lernen sehr früh, dass unser äußeres Erscheinungsbild Einfluss darauf hat, wie wir an der Gesellschaft teilhaben können. Dieser Einwirkung konnte ich auch nicht entgehen, gewisse Glaubenssätze wirken nach wie vor und sind stetig zu hinterfragen. Es steht ein lukratives Geschäft hinter der Vermarktung von „Weiblichkeit“, die darauf abzielt, Schönheitsideale zu suggerieren, die unerreichbar sind, aber dennoch für viele Mädchen und Frauen nachahmenswert erscheinen. Frauen sollten mehr Mut haben, Geschlechternormen zu reflektieren, sie zu erweitern, sich selbst zu gestalten. Leider erleben Menschen, die sich aus dem Normbereich bewegen, nach wie vor schnell Sanktionen, Ausgrenzung bis hin zu Gewalt.


Schamlippenkorrektur, Venushügelstraffung oder „klassische“ Brust-OP: Wie stehen Sie zu Beauty-Trends und Schönheitsoperationen?

Ich würde mich aus kosmetischen Gründen nicht verändern lassen. Ich möchte nicht bewerten, aber ich frage mich, warum der Wunsch nach einer übersteigerten Form der Weiblichkeit und Perfektion Frauen anzieht. Ist frau überhaupt in der Lage, eine freie Entscheidung in Bezug auf eine Schönheits-OP zu treffen? Oder sind wir doch beeinflusst von männlich geprägten Schönheitsidealen?


Was bedeutet für Sie Frausein/Weiblichkeit?

Ich wünschte, wir könnten uns von starren Geschlechternormen verabschieden. Mit vielen Attributen, die dem Weiblichen zugeschrieben werden, kann ich mich nicht identifizieren. Geschlecht, Weiblichkeit wird tagtäglich durch Sprache, Kleidung, Ausdruck, Gestik usw. inszeniert – hier kann der Raum für neue Darstellungen entstehen. Durch Formate wie „Germany’s Next Topmodel“ oder „Der Bachelor“ werden junge Frauen einmal mehr in den Objekt-Status gedrängt. Damit wird vermittelt, sich über eigene Grenzen und Gefühle hinwegzusetzen und „weibliche“ Werte wie Schönheit und Anpassungsvermögen in den Vordergrund zu stellen. Jungen Frauen müsste vielmehr vermittelt werden, dass sie nicht zueinander in Konkurrenz treten sollten und dass es vielmehr darum geht, was sie denken, was sie zu sagen haben und nicht auf ihr Aussehen reduziert zu werden. Wir sollten uns frei fühlen können, als Frau „unweiblich“ und als Mann „unmännlich“ sein zu dürfen. Es wäre ein gesunder Weg für Frauen und Männer, nicht in starren Entweder-oder-Kategorien leben zu müssen.


Am 8. März ist internationaler Frauentag – welche Bedeutung hat er für Sie, verbinden Sie damit Wünsche für die Zukunft?

Seit weit über 100 Jahren kämpfen Frauen für ihre Gleichstellung. Nach wie vor bestehen patriarchale Strukturen – denken wir an die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit, an die Einkommensschere, an die geringe Anzahl der Frauen in einflussreichen Positionen und nicht zuletzt an die Gewalt, die Frauen erleben. Dieses Unrecht gibt mir den Antrieb, einen Beitrag zum Abbau ungleicher Machtverhältnisse zu leisten. Ich möchte Mädchen und Frauen dabei unterstützen, ihre Lebensbedingungen zu verbessern, in (Gewalt-)Freiheit und Vielfalt leben zu können.


Was sollten wir „unseren“ Kindern mitgeben?

Den Mut, in Vielfalt zu leben, sich frei zu fühlen, anders sein zu dürfen, das Leben selbst zu gestalten und gesellschaftliche Normen und Muster zu hinterfragen. Über all dem steht das Bewusstsein, etwas wert zu sein – unabhängig vom Geschlecht, der Kultur, der Herkunft. Das sollten wir jedem Kind mitgeben.


Anna Carina Roth

26, Künstlerin, Stegersbach

 

Welches Verhältnis haben Sie zu Ihrem Körper – wie hat sich dieses im Laufe der Jahre verändert?

Je älter ich werde, desto entspannter wird mein Verhältnis zum eigenen Körper. Im Teenageralter habe ich mich sehr von der Zahl auf der Waage beeinflussen lassen. Seitdem ich das nicht mehr tue, ist vieles einfacher geworden. Ich bin froh, dass sich die Schönheitsideale gerade im Wandel befinden und das vielen Frauen Mut macht, sich selbst so zu zeigen und zu akzeptieren, wie sie sind.


Hand aufs Herz: Wie wichtig ist für Sie das äußere Erscheinungsbild?

Für den ersten Eindruck auf jeden Fall bedeutend, allerdings nur ein Bruchstück des „großen Ganzen“ eines Menschen.


Schamlippenkorrektur, Venushügelstraffung oder „klassische“ Brust-OP: Wie stehen Sie zu Beauty-Trends und Schönheitsoperationen?

Wenn man wirklich unglücklich ist und die Möglichkeit hat, etwas daran zu ändern – warum nicht? Jeder Mensch hat das Recht dazu, sich in seinem Körper wohlzufühlen. Allerdings sollte man sich nicht von Beauty-Trends beeinflussen lassen.


Was bedeutet für Sie Frausein/Weiblichkeit?

Unsere Vorstellung von Weiblichkeit ist ein kulturelles Konstrukt. Darum bedeutet Frausein für mich vor allem, sich in keine Kategorie pressen zu lassen, sondern sie aufzubrechen.


Am 8. März ist internationaler Frauentag. Welche Bedeutung hat er für Sie, verbinden Sie damit Wünsche für die Zukunft?

Es ist 2020 – ich wünsche mir endlich Gleichberechtigung, nicht nur für Frauen, sondern alle marginalisierten Gruppen.


In Bezug auf die Einstellung zum eigenen Körper/Frausein: Was sollten wir „unseren“ Kindern hier für ihr Leben mitgeben?

Am besten ein positives Gefühl zum eigenen Körper und zu sich selbst vorleben.


Natalie Lunzer

17, Schülerin, Pöttelsdorf

 

 

Welches Verhältnis haben Sie zu Ihrem Körper, wie hat sich dieses im Laufe der Jahre verändert?

Wenn man in der Pubertät ist, ist es nicht leicht, seinen Körper immer gern zu haben. So war das auch bei mir. Es wird auf jeden Fall besser und leichter, wenn man älter wird. Somit fühle ich mich jetzt wohler als mit 14 zum Beispiel.


Hand aufs Herz: Wie wichtig ist für Sie das äußere Erscheinungsbild eines Menschen?

Es zählt in erster Linie die Schönheit eines guten Herzens und ein toller Charakter. Jedoch – wie man auch oft sagt: „Das Auge isst mit.“ So ist es, denke ich, auch, wenn man sich einen Partner sucht. Ich entscheide aber nicht zuerst nach dem Aussehen! Wichtig ist, dass ich mich bei der Person geborgen fühlen kann.


Schamlippenkorrektur, Venushügelstraffung oder „klassische“ Brust-OP: Wie stehen Sie zu Beauty-Trends und Schönheitsoperationen?

Ich finde erschreckend, welche Beauty-Trends es mittlerweile schon gibt und wie sehr Menschen ihren natürlichen Körper verändern wollen. Ich finde das schade. Jedoch finde ich eine Nasen-OP, wenn man dadurch wirklich unsicher ist, in Ordnung. Aber ich wünsche jedem, dass er den Körper lieben lernen kann, mit dem er geboren wird.


Was bedeutet für Sie Frausein/Weiblichkeit?

Besonders zu sein! Starke, emotionale Wesen zu sein – Kämpfernaturen. Nicht in allen Teilen der Welt können Frauen so leben, wie wir hier in Europa. In Afrika zum Beispiel werden Frauen beschnitten, um erst zu einer Frau werden zu können. So ein Ritual, das gegen die Natur des Körpers geht und für die Frauen, die bereits im Kindheitsalter beschnitten werden, so schrecklich ist, sollte nicht „eine Frau werden“ genannt werden! Das hat niemand verdient! Wir sind gut und stark, so wie wir geboren wurden!


Am 8. März ist internationaler Frauentag. Welche Bedeutung hat er für Sie?

Für mich ist dieser Tag wie jeder andere. Wir Frauen sollten immer wissen, dass wir unsere Ziele verwirklichen können! Nicht nur an einem Tag im Jahr daran erinnert werden.


In Bezug auf die Einstellung zum eigenen Körper/Frau­sein: Was sollten wir „unseren“ Kindern hier für ihr Leben mitgeben?

Sich selbst und seinen Körper lieben zu lernen, ist das Allerwichtigste! Sich für nichts zu schämen! Man ist gut, wie man ist! Lass dich von niemanden unterkriegen oder fertigmachen, der das nicht so sieht!


Kristina Milosits

59, arbeitsmarktpolitische Beraterin für Migrantinnen, Weiden bei Rechnitz

 

 

Welches Verhältnis haben Sie zu Ihrem Körper, wie hat sich dieses im Laufe der Jahre verändert?

Mir ist es wichtig, fit zu sein, Bewegung machen zu können und auch eine Leichtigkeit zu finden. Laufen und Yoga sind meine Favoriten. Ich glaube, ich bin die einzige Frau im Yogastudio, die sich die Achseln nicht rasiert. Als Zwölfjährige war ich verunsichert, da ich einen Bauch hatte und dachte, ich bin schwanger. Mollig war ich, und das hat mir nicht gefallen. Damals kaufte ich mir einen Saunaanzug in der Hoffnung, die Rundungen zu besiegen!


Hand aufs Herz: Wie wichtig ist für Sie das äußere Erscheinungsbild eines Menschen?

Das Äußere soll nicht Verwahrlosung zeigen, sonst ist mir das egal.


Schamlippenkorrektur, Venushügelstraffung oder „klassische“ Brust-OP: Wie stehen Sie zu Beauty-Trends?

Beautytrends gehen an mir vorüber, buchstäblich. Ich arbeite in Wien im ersten Bezirk und bin wirklich sehr geschockt, was Frauen sich selber antun, wenn das Gesicht gestrafft, der Busen vergrößert wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass körperliche Nähe diesen Frauen guttut.


Was bedeutet für Sie Frausein/Weiblichkeit?

Weiblichkeit ist Natürlichkeit, Zärtlichkeit, Körperlichkeit.


Am 8. März ist internationaler Frauentag. Welche Bedeutung hat er für Sie?

Der 8. März ist seit fast 40 Jahren wichtig für mich. Er ist für mich Selbstbestimmung, Stolz, Sicherheit Freiheit und Freude. Aber auch Achtsamkeit, weil er nicht selbstverständlich ist.


In Bezug auf die Einstellung zum eigenen Körper/Frau­sein: Was sollten wir „unseren“ Kindern mitgeben?

Sicherheit und sich selber annehmen. Aber auch Verantwortung für sich selber und für den Körper.


Tessa Hofer

18, Schülerin, Deutschkreutz

 

 

Welches Verhältnis haben Sie zu Ihrem Körper, wie hat sich dieses im Laufe der Jahre verändert?

Ich hab in den letzten Jahren immer mehr ein gutes Gefühl zu meinem Körper erhalten. Ich fühle mich eigentlich echt wohl in meinem Körper. Da ich mich noch gut an meine Pubertät erinnern kann, weiß ich, dass das nicht immer so war.


Hand aufs Herz: Wie wichtig ist für Sie das äußere Erscheinungsbild eines Menschen?

Ich finde, dass nicht das Äußere einen Menschen schön macht, sondern das Innere! Mir ist also nicht wirklich wichtig, wie ein Mensch körperlich aussieht.


Schamlippenkorrektur, Venushügelstraffung oder „klassische“ Brust-OP: Wie stehen Sie zu Beauty-Trends und Schönheitsoperationen?

Über das Thema Schönheitsoperationen mache ich mir nicht wirklich viele Gedanken, da ich finde, dass sie oft nicht wirklich etwas bringen bzw. einen schöner machen können. Beauty-Trends zum Thema Make-up mache ich schon hin und wieder mit. Aber auch nur dann, wenn sie mir selbst gefallen.


Was bedeutet für Sie Frausein/Weiblichkeit?

Es bedeutet für mich, stark zu sein. Oft wird man für sein Geschlecht anders behandelt und deshalb finde ich, dass ich bzw. alle Frauen stärker sein müssen als alle anderen Lebewesen auf dieser Welt.


Am 8. März ist internationaler Frauentag. Welche Bedeutung hat er für Sie?

Für mich sagt dieser Tag aus, dass wir schon viele Ziele erreicht haben und noch sicherlich viele Ziele erreichen werden.


In Bezug auf die Einstellung zum eigenen Körper/Frausein: Was sollten wir „unseren“ Kindern hier für ihr Leben mitgeben?

Sich selbst lieben zu lernen und auch lernen, immer stark zu bleiben, was auch kommen möge!


Luise Glöckl

69, Pensionistin, Deutschkreutz

 

 

Welches Verhältnis haben Sie zu Ihrem Körper, wie hat sich dieses im Laufe der Jahre verändert?

Ich habe ein gutes Gefühl zu meinen Körper, das war nicht immer so. Als ich jünger war, wollte ich immer schlanker sein, etwas größer, das habe ich dann mit High Heels ausgeglichen. Und ich war immer auf Diät. Doch ab meinem 50er bekam ich plötzlich ein schönes Gefühl zu meinen Körper. Ich liebte meine Kurven und auch mein Mann machte mir immer öfter Komplimente, also ließ ich alle Diäten weg und liebte mich so, wie ich bin, und das macht mich bis heute glücklich und zufrieden.


Hand aufs Herz: Wie wichtig ist für Sie das äußere Erscheinungsbild eines Menschen?

Ich bin ein Mensch, der alles Schöne liebt. Daher ist für mich auch das äußere Erscheinungsbild wichtig, damit meine ich gepflegt, ordentlich angezogen und sauber sein. Da geht es nicht um Schönheit, denn das ist etwas ganz anderes. Schön ist für mich jeder Mensch, der herzlich, lustig, witzig und charmant ist. So definiere ich Schönheit.


Schamlippenkorrektur, Venushügelstraffung oder „klassische“ Brust-OP: Wie stehen Sie zu Beauty-Trends und Schönheitsoperationen?

Ich finde, das muss jede Frau für sich selbst entscheiden. Ich stehe jeder Beauty-OP grundsätzlich positiv gegenüber, aber nur für Leute, die es wirklich benötigen, weil sie sich z. B. nicht schön finden und daher depressiv werden. Für mich würde ich keine Schönheits-OP in Erwägung ziehen.


Was bedeutet für Sie Frausein/Weiblichkeit?

Für mich bedeutet Frausein in erster Linie, sich immer wieder neu zu definieren, eine gute Partnerin zu sein. Wir Frauen sind ganz anders als die Generationen vor uns. Ich wollte immer im Beruf 100 % sein, als Mutter 100 % und als Partnerin für meinen Mann 100 %. Ich wollte unser Liebesleben auskosten und nicht – wie die Generationen vor uns – im dunklen Schlafzimmer alles verstecken.


Am 8. März ist internationaler Frauentag. Welche Bedeutung hat er für Sie?

Er steht für mich für die notwendige Gleichberechtigung von Mann und Frau. Ich wünsche mir für die Zukunft, dass in allen Ländern der Welt Frauen und Männer gleichberechtigt sind und z. B. überall das Frauenwahlrecht gilt.


In Bezug auf die Einstellung zum eigenen Körper/Frau­sein: Was sollten wir „unseren“ Kindern hier für ihr Leben mitgeben?

Meinem Sohn habe ich auf seinen Lebensweg mitgegeben: Pflege deinen Körper, treibe Sport und sei positiv zu dir selbst, dann wirst du gesund sein und dich wohlfühlen.

 

 

Fotos: Daniela Tinhof, Viktória Kery-Erdélyi, beigestellt