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Lifestyle | 07.07.2020

Crowdfunding als Zukunftsmodell?

Viele Menschen ­beteiligen sich mit kleinen Beiträgen an großen Ideen – das ist Crowdfunding. Wie weit fort­geschritten ist diese Investitionsart im Burgenland?

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© Shutterstock

Wenn ein innovatives Projekt z. B. 300.000 Euro benötigt, ist die Investorensuche oft nicht leicht. Mit Crowdfunding kann das Risiko nun gesplittet bzw. die Investorensuche erweitert werden. Beispiel: Nicht ein Investor riskiert 300.000 Euro, sondern 300 sogenannte Crowdinvestoren investieren durchschnittlich ca. 1.000 Euro in eine gute Idee. Beim Crowdfunding können erstmals auch Normalverdiener als Investoren an Zukunftsprojekten teilnehmen. Wir sprachen mit Dr. Wilfried Drexler,  Projektpartner des Initiator-Vereins Südburgenland Plus, über Crowdfunding als Zukunftsmodell.


Wie funktioniert Crowdfunding?

Drexler: Vereinfacht ausgedrückt gibt es bei Crowdfunding Projektanbieter (Geldnehmer) und Investoren (Geldgeber). Die Anbieter platzieren ihr Projekt im Regelfall auf der firmeneigenen Homepage sowie auf einer speziellen Crowdfunding-Plattform im Internet. Sie informieren Kunden und Interessenten umfassend über die Idee bzw. das Geschäftsmodell und vertrauen darauf, dass ihr Angebot so attraktiv ist, dass Investoren bereit sind, sich zu beteiligen. Die Investoren werden dort zu Geldgebern, wo das Projekt interessante Gegenleistungen bzw. gute Renditen verspricht oder sie aus persönlichen Gründen dabei sein möchten.


Für welche Unternehmen eignet sich Crowdfunding?

In der Regel wird Crowdfunding dort herangezogen, wo die Unternehmer keine klassische Finanzierung mehr finden, insbesondere ein Bankkredit abgelehnt wird. Allerdings ist Crowdfunding mehr als eine Geldbeschaffungsaktion. Es wird eine starke, langfristige Kundenbeziehung aufgebaut und das zentrale Element ist dabei das Marketing. Zufriedene Unterstützer promoten das Produkt oder die Idee von sich aus und werben somit kostenlos für das Geschäftsmodell. Das gibt der Idee einen zusätzlichen Turbo und fördert den Bekanntheitsgrad wesentlich. Sehr gut ist das natürlich für Start-ups geeignet, allerdings können auch arrivierte Unternehmen ihre Werbekampagne damit weiter fördern.


An wen können sich Unternehmen wenden?

Interessierten Unternehmen stehen viele Möglichkeiten dazu offen. Im Südburgenland läuft gerade ein Crowdfunding-Projekt mit dem Titel „Beteilige dich an deiner Region“, das vom Verein südburgenlandplus umgesetzt wird (Anm.: www.crowdfunding-suedburgenland.at). Dieses richtet sich nicht nur an Unternehmen, sondern auch an Gemeinden, Vereine oder Kulturinstitutionen sowie an die Landwirtschaft. Weiters gibt es auch Unternehmensberatungen, die auf dieses Thema spezialisiert sind, sowie die professionellen nationalen und internationalen Crowdfunding-Plattformen, wo die Betreiber die interessierten Projektanbieter umfangreich bei der Umsetzung unterstützen.


Meinem Eindruck nach ist Crowdfunding im Burgenland noch nicht weit verbreitet. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Ihr Eindruck ist schon richtig. Crowdfunding ist zwar schon seit einiger Zeit sehr allgemein bekannt, im Detail aber noch nicht. Und es sind im Burgenland noch viel zu wenig Projekte umgesetzt worden, daher sind die Vorteile und Vorzüge noch nicht so greifbar. So gesehen ist es doch noch etwas Neues und braucht seine Zeit, bis diese Form auch populärer bzw. verbreiteter wird. Ich bin aber zuversichtlich, dass Crowdfunding in den kommenden Jahren verstärkt zum Einsatz kommen wird.