Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 11.09.2020

Die Zukunft der Pflege

Wie geht es nach dem Landesrat-Wechsel im Pflegebereich weiter? Und was sind die nächsten Schritte, um die Zukunft der Pflege im Burgenland auf neue Beine zu stellen? Eine Übersicht.

Bild HEAD_2009_B_LE_Pflege-2.jpg
© Shutterstock

Es endete plötzlich und mit einem Paukenschlag. Anfang August gab der ehemalige Landesrat Christian Illedits seinen Rücktritt bekannt. Für unseren Pflegeschwerpunkt haben wir die wichtigsten Schritte für die Zukunft in diesem Bereich im Burgenland zusammengefasst und mit dem neuen Zuständigen, Landesrat Leonhard Schneemann, gesprochen.

 

Leonhard Schneemann folgt Christian Illedits
als Sozial- und Wirtschaftslandesrat nach.
© BGLD. Landesmedienservice



Was hat Ihre Frau dazu gesagt, dass Sie Landesrat werden?
Leonhard Schneemann: Als mich Landeshauptmann Hans Peter Doskozil angerufen und gefragt hat, ob ich als Landesrat für das Burgenland arbeiten will, habe ich nicht lange gezögert und nach Rücksprache mit meiner Familie zugesagt. Zuerst habe ich natürlich meine Frau angerufen und sie um ihre Meinung gebeten. Ihre Einschätzung ist mir wahnsinnig wichtig. Wir sind seit 24 Jahren verheiratet. Wir haben uns in all den Jahren immer gegenseitig unterstützt, anders funktioniert Familie nicht. Ohne ihre Stütze wäre es nicht möglich, diesen Beruf mit der Familie zu vereinbaren.

Sie hatten einen guten Job in der Wirtschaft. Warum der Wechsel in die Politik?
Ich war immer schon ein politischer Mensch, 20 Jahre in der Kommunalpolitik aktiv. Ich war Gemeinderat und Bürgermeister der Gemeinde Unterkohlstätten. Demokratie lebt von Menschen, die Verantwortung übernehmen. Und dieser Verantwortung wollte ich mich nicht entziehen. Daher war es für meine Familie und mich schnell klar, dass ich diese neue He­rausforderung annehmen werde, und ich freue mich darauf, für die Burgenländer*innen zu arbeiten.

 

© Shutterstock


Sie haben das Reduce Gesundheitsresort als Vorstandsdirektor geleitet. Hat sich Ihr Blickwinkel nun geändert, da Sie die Wirtschaft jetzt aus politischer Perspektive sehen?
Das Reduce Gesundheitsresort Bad Tatzmannsdorf ist ein Unternehmen der Landesholding Burgenland. Das Herzstück eines Unternehmens sind die Menschen, die dort arbeiten, und nicht das Inventar, das war mir immer bewusst. Als Wirtschaftslandesrat kann ich also diesbezüglich aus eigener Erfahrung viel in meine neue Tätigkeit einbringen, meine Ansichten und Meinungen haben sich freilich nicht geändert. Ob als Verantwortungsträger in der Wirtschaft oder in der Politik – die richtigen Diskussionen müssen geführt werden! Zum Beispiel was den Mindestlohn betrifft. Der Mindestlohn von 1.700 Euro netto wird auch im Reduce Gesundheitsresort eingeführt. In meiner ehemaligen Funktion als Vorstandsdirektor habe ich natürlich überlegt, wie ich den Mindestlohn umsetzen kann, ohne Verluste zu machen. Und das geht! Man muss klug reinvestieren, dann geht sich diese Investition in die Belegschaft aus. Und dieser Einsatz zahlt sich aus, denn am Ende sind glückliche Mitarbeiter*innen der Garant für einen funktionierenden Betrieb.

Ist es möglich, gleichzeitig wirtschaftlich und sozial zu denken?
Natürlich! Die Zahnräder meiner Ressorts – sei es Wirtschaft, Soziales oder Arbeitsmarkt – greifen eng inei­nander. Ich komme aus der Wirtschaft und fühle mich gleichzeitig im sozialen Sektor zu Hause. Meine Zeit als Freiwilliger beim Roten Kreuz hat mich ebenso geprägt wie meine Tätigkeit als Lehrer. Diese Eindrücke und Erfahrungen nehme ich für meine Verantwortung als Landesrat mit. Als Vater ist und war es mir auch immer wichtig, meinem Sohn eben gerade die sozialen Werte weiterzugeben.

 

© Shutterstock



Sie haben betont, dass für Sie der Sozialbereich DAS Schlüsselthema der Zukunft ist. Wie werden Sie es anlegen? Was wollen Sie ändern?
Ich darf auf einem starken Fundament aufbauen. Dafür bin ich dankbar. Mit dem Zukunftsplan Burgenland kann ich mich zu 100 Prozent identifizieren, der Zukunftsplan Pflege ist ein wichtiges Instrument, um den Pflege- und Betreuungsbereich zu optimieren. Ich bin davon überzeugt, dass das Burgenland mit diesen 21 Maßnahmen aus dem Zukunftsplan Pflege zu einem europäischen Vorzeigeland im Pflege- und Betreuungssektor wird. Bereits jetzt werden wir diesbezüglich national und international zitiert. Diesen Kurs der Burgenländischen Landesregierung werde ich fortsetzen, weil ich ihn für richtig halte. Natürlich hat die Coronavirus-Krise gezeigt, dass wir vor immer neuen Herausforderungen stehen. Ich erachte es als unabdingbar, das Ohr an der Bevölkerung zu haben. Zurücklehnen funktioniert nicht, wir müssen uns auch als Politiker den Gegebenheiten immer wieder neu anpassen, neu hinterfragen: Was brauchen die Menschen? Und das sollen sie dann auch bekommen, um ein gutes und sicheres Leben führen zu können. Das beinhaltet einen stabilen Arbeitsmarkt, eine stabile Wirtschaft und eine faire Entlohnung. Im Pflege- und Betreuungsbereich heißt das, dass wir möglichst lange eine Betreuung in den eigenen vier Wänden garantieren müssen, sofern das gewünscht ist. Ich kenne die Problematik aus eigener Erfahrung. Mein Vater war die letzten Monate seines Lebens in einem Altenwohnheim. Ihn dorthin geben zu müssen, weil wir die Pflege zu Hause nicht mehr geschafft haben, war eine enorme Belastung. Es war für uns der letzte Ausweg, daher weiß ich, wie sich diese Ausnahmesituation anfühlen kann. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit unseren Lösungen seitens der Landesregierung einen wertvollen Beitrag leisten, und ich werde mich dahinterklemmen, um Rahmenbedingungen zu schaffen, damit unsere pflegebedürftigen Burgenländer*innen möglichst lange zu Hause gepflegt und betreut werden können.


Nächste Schritte in die Zukunft der Pflege

  • Aufbauend auf dem Zukunftsplan von 2019 werden sich Arbeitsgruppen mit den Themen Pflege und Betreuung auseinandersetzen.
  • Im Oktober wird das erste Zwischenergebnis – eine Prognose für den Personalbedarf – präsentiert.
  • Es werden Informationen von Trägerorganisationen, Beschäftigten in den Pflege- und Betreuungsberufen gesammelt und analysiert.
  • Auf Basis dieser Studie werden Ausbildungsmodelle kreiert, damit sich mehr Menschen für einen Job in diesen Berufsfeldern entscheiden. Wer einen Job im Gesundheits- und Pflegeberuf wählt, hat eine Beschäftigungsgarantie. Denn bis 2030 werden über 70.000 Arbeitsplätze frei!
  • Eine Demenzstrategie wird bis zum Herbst 2021 ausgearbeitet.
  • Bis 2024 müssen die Einrichtungen zu 100 % mit Bio-Zutaten kochen bzw. das Essen dort zukaufen, wo dies gewährleistet ist.
  • Seit 1.8.2020 ist eine neue Verordnung für Altenwohn- und Pflegeheime, Behinderteneinrichtungen und mobile Pflegedienste in Kraft – die vier Phasen samt jeweiligen Regelungen sollen die Ausbreitung von Covid-19 verhindern.