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Lifestyle | 24.04.2015

Pfeif auf das Hüftgold

Wie ein brennender Reifen Lisa Pfleger auf den Plan rief, eine glänzende Stange Kathrin Maskas Leben veränderte und eine Reise nach Indien Angelika Wukovits schnurstracks zu ihrem lang gesuchten Yoga-Ich führte. Drei Burgenländerinnen und ihre atemberaubenden Fitness-Biographien.

Fotos: Verena Hillgärtner, Michael Hartl, Lisa Pfleger, Agentur itsYOU, www.itsYOU.at, Raoul Lazar

Bild Lisa Pfleger1 (c)Hoopdanc Kopie.png
(© Hoopdance.at)

AngeliKa Wukovits
Yoga, Neusiedl am See

Dass sie mit einem Satz das Leben der Klingenbacherin prägen würde, ahnte die Schweizerin vermutlich nicht. Angelika Wukovits war gerade mit ihrem Studium fertig, sie hatte sich Ökologischem Bauen gewidmet.
Sie sehnte sich nach einer Aus- oder Orientierungszeit und packte ihren Rucksack – für eine Reise nach Indien. „Ganz ohne Pläne. Ich hatte mich nur für ein Meditationsseminar angemeldet“, erinnert sie sich zurück. Da traf sie auf besagte Schweizerin, die meinte: „Also bevor ich so lange sitze, muss ich meinen Körper darauf vorbereiten: mit Yoga. Schließlich geht man ja auch zuerst in die Alpen, und dann in den Himalaya.“ Das war anno 2005. Heute treffe ich Angelika Wukovits in ihrem Neusiedler Institut „Zweiklang“ für körperliche und geistige Bewegung; sie ist Yogalehrerin und Klangmassagepraktikerin.
„Yoga hat mich sofort begeistert“, schwärmt die 36-Jährige, während sie duftenden Kräutertee serviert. Monatelang habe sie in Indien täglich zwei Mal Yoga gemacht, „zum Schluss fühlte ich mich geschmeidig wie eine Katze“.
„Man wird gelassener. Über den Körper erreichst du geistige Klarheit.“ Die wichtigste Erkenntnis sei, dass Körper, Geist und Seele eine Einheit bilden.
Ihre erste Schulung zur Yoga-Lehrerin absolvierte sie 2008 ebenfalls in Indien. Zahlreiche weitere Ausbildungen folgten; zuletzt für Anusara-Yoga, einer jungen Richtung, deren Philosophie und Übungen darauf abzielen, das Selbstwertgefühl zu stärken. „Noch immer glauben viele, Yoga beinhalte nur Dehnen und Kräftigen. Dabei ist es so viel mehr“, sagt Wukovits. Ein wichtiger Schwerpunkt sei richtiges Atmen.
„Bei Stress wird der Atem flacher und schneller. In Yoga lernt man erneut das tiefe Atmen, dadurch wird man ruhiger, es macht den Geist klarer.“
Hilfe zur Selbsthilfe bietet sie mit therapeutischem Yoga an. Dabei erstellt sie mit ihren KlientInnen einen individuellen Übungsplan, den sie zuhause weiter regelmäßig verfolgen können, um aktuelle Spannungen aufzudecken und zu lösen.
Als wirksam und äußerst unterhaltsam präsentierte sich bereits mehrmals das Lachyoga-Seminar, das ihr Andauer Kollege Oliver Göschl in ihrem Studio abhielt. „Dabei simuliert man zunächst eigentlich das Lachen, das wird mit der Zeit natürlich richtig lustig – Lachen ist ja ansteckend“, schmunzelt
Angelika Wukovits. Durch das Lachen werden Endorphine ausgeschüttet, zudem kann es das Immunsystem stärken.
Angelikas Tipp für jene, die sich einen sanften Einstieg wünschen: Yin Yoga. Die meisten Übungen werden im Sitzen und Liegen gemacht, die lang zu haltenden Dehnungen sollen vor allem auf das Bindegewebe, Bänder, Sehnen und Gelenke positiv wirken.

Weitere Infos:

www.zweiklang.at & www.dasyogastudio.at


Lisa Pfleger
Hula-Hoop-Dancerin und Herstellerin, Heiligenbrunn

Wie ihre beginnen eigentlich filmreife Erfolgsgeschichten. Allerdings strebt Lisa Pfleger gar nicht nach der großen Karriere, sondern vielmehr nach Glück und Zufriedenheit – und das unter möglichst einfachen Lebensumständen (siehe auch Blog: ­experimentselbstversorgung.net). Jedenfalls, weil es hier doch um Spaß an der Bewegung geht, war Lisa vor knapp drei Jahren einem Hula-Hoop tanzenden Mädchen in Wien begegnet. Das visuelle Spektakel – der Reifen war sogar mit Fackeln ausgestattet – ließ die heute 25-Jährige nicht aus. „Ich kannte Hula-
Hoop als Reifen, die eher Kinder um den Bauch kreisen lassen“, schildert die in Heiligenbrunn, im Bezirk Güssing, lebende Studentin. Sie begab sich auf Recherche im Internet. „Ich stieß dabei vor allem in den USA und England auf eine richtige Hula-Hoop-Dance-Bewegung“, erzählt sie. Sie war fasziniert von den Videos und fest entschlossen, es auch zu versuchen.
Die Suche nach dem richtigen Reifen gestaltete sich hürdenreich: Die klassischen Kunststoffreifen in Spielzeuggeschäften waren zu leicht, die Fitness-Reifen in Sportshops zu schwer für die akrobatischen Übungen. Als sie nach langem Suchen übers Internet zum idealen Hula-Hoop kam, beschloss die angehende Umweltpädagogin kurzerhand die Marktlücke hierzulande zu schließen. Sie wurde zum Stammgast im Baumarkt, tüftelte an Schlauchgewicht und -beschaffenheit und als sie den perfekten Reifen hergestellt hatte, meldete sie kurzerhand ein Gewerbe an.
Indes war sie dem Hula-Hoop-Dance völlig verfallen. Nur Wind und Wetter konnten sie davon abhalten, ihren Reifen in den unglaublichsten Posen um Körper, Hals, Beine oder Arme zu wirbeln. „Wenn kein Wind ging, hab ich das selbst im Winter täglich mehrere Stunden gemacht. Du kannst den Reifen ja auch überallhin mitnehmen, du stöpselst dir Musik in die Ohren und kommst dir damit selbst in einem öffentlichen Park nicht komisch vor, weil es einfach cool aussieht“, sagt sie.
Irgendwann jonglierte sie bereits mehrere Reifen um ihren Körper, teilweise auch mit Flammen bestückt.
Auch ihr Webshop, auf dem sie diverse Hoops – übrigens alle faltbar – für Anfänger und Profis in schillernden Farben anbietet, kam ins Laufen. Hunderte Reifen, die sie allesamt selbst erzeugt, verließen seither ihre Werkstatt. Und Lisa Pfleger, die gerade an ihrer Bachelorarbeit für die Hochschule schreibt, gibt ihr Können mit dem Hula-Hoop auch gerne weiter. Übrigens: Mit Gleichgesinnten initiierte sie die Austrian Hoop Convention im August in Wien – mit der internationalen Crème de la Crème der reifenwirbelnden Damen und Herren. Die Veranstaltung ist bereits jetzt ausverkauft.

Weitere Infos: www.hoopdance.at & www.hoopconvention.at


Kathrin Maska
Pole Dance, Studios in Eisenstadt und Wiener Neustadt

Für gewöhnlich zieht es abenteuerfreudige Ehrgeizige aus Österreich in die USA, um dort Karriere zu machen. Kathrin Maska wählte den umgekehrten Weg. Kaum hatte die taffe Lady in Amerika ihren Job angetreten, um den vermutlich viele Schlange standen, packte sie das Heimweh. Und zwar, weil sie wissen wollte, wie ihr frisch gegründetes Pole Dance Studio seine ersten Gehversuche macht … Doch zurück zum Anfang. Kathrin Maska glänzt mit einem abgeschlossenen Doppelstudium in Kunstgeschichte und Internationaler Entwicklung. Damit hat sie das nötige Rüstzeug für den diplomatischen Dienst; kaum fertig mit der Uni bekommt sie eine Stelle bei der Österreichischen Botschaft in Washington. Doch parallel zum Studium hatte sie sich längst ein zweites Standbein aufgebaut. „Ich kannte Pole Dance aus dem Fernsehen und hatte selbst viele Jahre Rhythmische Sportgymnastik gemacht. Ich wollte das unbedingt versuchen“, erzählt die heute 30-Jährige. 2010 macht sie einen Kurs nach dem anderen, ist so begeistert, dass sie zusätzlich Privatstunden nimmt. „Pole Dance ist sehr anstrengendes Körpertraining, bei dem du aber total die Zeit vergisst. Du hörst Musik, ob nun klassische oder Rock, und tanzt an der Stange – und plötzlich sind zwei, drei Stunden verflogen“, schildert Kathrin begeistert. Sie beschließt kurzerhand ihr eigenes Studio aufzumachen; der Keller im Haus ihrer Mama in Wiener Neudorf wird umgebaut. Als sie aus Washington zurückkehrt, beginnt das Geschäft zu florieren, 2012/2013 betreibt sie bereits vier Pole Dance Studios. „Aber ich habe das Trainieren vermisst, ich war nur noch Studiobesitzerin“, sagt sie. Also werden wieder Filialen geschlossen, „seit heuer bin ich happy mit Pole Pleasure in Wiener Neustadt und Eisenstadt.“ Denn sie will auch sportlich hoch hinaus. Demnächst soll es zu Wettkämpfen in England gehen, wo solch ein Boom herrscht, dass selbst kleine Dörfer ohne ein Pole Dance Studio nicht mehr auskommen. Zu Kathrin Maskas Klientel hierzulande zählen Frauen ab 16, nach oben gibt es keine Grenzen. „Eine unserer Schülerinnen ist über 60 Jahre alt – und bereits im Level 8 (von zehn möglichen, Anm.)“, betont sie. „Und niemand lernt bei uns Pole Dance, um in Go-go-Bars aufzutreten oder für den Freund zu tanzen. Selbst das verliert schnell den Reiz, wenn man die Freundin immer beim Üben zuhause sieht“, schmunzelt sie. Die Sportart sei stets im ständigen Kampf gegen ein Rotlicht-Image. Mittlerweile so sehr, dass bei Wettkämpfen sogar die Maße des Outfits genormt werden. „Wir müssen im Bikini tanzen, mit Stoff dazwischen hätten wir keinen Halt an der Stange“, erklärt sie. „Autsch“, kann ich mir da nicht verkneifen. „Ja, anfangs tut es tatsächlich weh. Vor allem in den Händen, an den Fingern. Aber es ist erstaunlich, wie schnell man im Training selbst in den Fingern Kraft aufbaut.“ Und so unglaublich das klingt, selbst komplette Sport-Newcomer sind schon zu talentierten Pole Dance-Junkies avanciert, beteuert Kathrin Maska.

Weitere Infos: www.pole-pleasure.at