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Lifestyle | 15.02.2017

Der kulinarische General

Früher fuhr sie in einer Vespa-Gang, heute kocht sie auf höchstem Niveau. Spitzenköchin Jacqueline Pfeiffer gibt seit Mitte November den kulinarischen Ton im Restaurant Henrici in Eisenstadt an.

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„Ich setze mir etwas in den Kopf und ziehe das dann durch. Man muss wirklich wollen, sonst überlebst du in diesem Beruf nicht.“ Spitzenköchin Jacqueline Pfeiffer ©Cornelia Fenz

Schon mit vier Jahren stand Jacqueline Pfeiffer mit ihrer Urgroßmutter am Herd. Da wurde ihr Interesse fürs Kochen geweckt. Und das blieb über die Jahre hinweg ungebrochen. Abgebrochen jedoch hat sie die Schule. Mit einem Zeugnis, das vor Fünfern nur so strotzte. „Ich hab es drauf angelegt, ich wollte nicht in die Schule. In der 3. Klasse HBLA hab ich bei der Französisch-Schularbeit meinen Leidensweg auf Deutsch ins Heft geschrieben, abgegeben und bin gegangen. So schnell konnte meine Mutter gar nicht schauen, musste sie mich vom Internat abholen“, erinnert sich die heutige Spitzenköchin. Doch sie erkämpfte sich in den Restaurants der Fünf-Sterne-Hotels trotz schlechtem Zeugnis eine Chance und startete voll durch, machte eine Lehre und ging danach ins Ausland. Sie kochte im Berliner Adlon, in gehobenen Restaurants der Schweiz und lernte schließlich bei Sternekoch Marc Veyrat alles über die Verwendung von Kräutern und Blüten in der Küche.

Spitzenköchin Jacqueline Pfeiffer mit Küchenchef Gabor Grof: "Mit ihren inspirierenden Kreationen und feinem Branchengespür sorgt sie
für frischen Wind."

 

Disziplin in der Küche

Nun führte sie ihr Weg nach Eisenstadt ins Restaurant „Henrici“. Doch sie schwingt hier nicht als Küchenchefin den Kochlöffel, sondern fungiert mehr als Ideengeberin bzw. Coach. Schritt für Schritt sollen Abläufe, Speisekarte, Einkauf und Zubereitungsarten innovativ und nach Pfeiffers Stil umgemodelt werden. Und zwar gemeinsam mit der bestehenden Küchencrew. „Für die Köche war es eine neue Situation. Da werden plötzlich Teller zurückgeschickt, weil sie nicht so angerichtet waren, wie es Jacqueline vorgegeben hat. Da ist sie sehr genau. Und das macht es eben aus. Berater gibt es viele. Aber jemanden zu haben, der – wie die Jacqueline – weiß, wovon sie spricht und auch tatsächlich den Kochlöffel angreift und auch Ansagen machen kann, dann ist das ein ganz anderer Hintergrund“, so die begeisterten Stimmen aus dem Henrici-Team. Ungefähr einmal im Monat steht Pfeiffer im Henrici selbst hinter dem Herd – bei speziellen Themenabenden etwa. „Den Küchenbetrieb kann man mit dem Bundesheer vergleichen. Da herrscht Disziplin und die zeitliche Abfolge muss passen. Da wird im Minuten- oder Sekundentakt geplant. Und da muss es einen General geben, nach dem gearbeitet wird.“ Der Kochstil der Spitzenköchin ist puristisch und reduziert, sie legt viel Wert auf einfache Zutaten. Deshalb erarbeitet sie gemeinsam mit Küchenchef Gabor Grof eine neue kulinarische Linie.

 

Von Vespa zu Vogelmiere

Pfeiffer selbst spürt in Eisenstadt einen starken Rückhalt und ein großes Verständnis für Innovationen. Dass sie in einem Männerumfeld tätig ist, sei für sie kein Problem. „Ich war damals schon in der Sporthauptschule das einzige Mädchen in der Klasse. Danach als Jugendliche in einer Vespa-Gang, da waren auch nur Burschen. Und als Köchin hatte ich nie weibliche Vorgesetzte.“ Doch die Frauen--frage kann sie trotzdem nicht mehr hören. „Ich kann nicht sagen, warum die anderen nicht wollen. Ich kann nur sagen, dass ich wollte. Es ist ein spannender Beruf, man kann sich entfalten, wenn man will, die ganze Welt ansehen. Und man hat gleich Ergebnisse – und zwar auf dem Teller. Man merkt gleich, ob es gut geworden ist oder nicht“, schmunzelt die 41-Jährige. „Aber man muss es halt auch leben. Und hartnäckig seine Ziele verfolgen.“ Zeit für Familie und Kinder bleibt da nicht viel. Das ist vielleicht auch der Grund, warum es so wenige Spitzenköchinnen gibt. Ihre spärliche Freizeit verbringt Pfeiffer daher mit Sport (Wasserski oder Skifahren) und bei Konzerten (von Klassik bis Pop und Rock). Und ihre Leidenschaft für Vespas brennt auch noch in ihr, kommt jedoch im Moment zu kurz. „Ich hatte früher eine Vespa PK, die war aufgemotzt auf 102 Kubik, was keiner wusste“, erinnert sich die Köchin des Jahres 2012 schmunzelnd. Statt mit Vespas beschäftigt sich die gebürtige Lilienfelderin heute mit Eberraute und Vogelmiere. Das Kochen mit Kräutern ist ihr Steckenpferd und soll auch langsam nach und nach im Henrici Platz finden. Auch sonst ist ihr Kopf voller Ideen und Themen. Denn die Küche lebt immer und die Vielfalt ist scheinbar grenzenlos.

Jacqueline Pfeiffer

  • geboren am 24. Juni 1975
  • aufgewachsen in Lilienfeld (NÖ)
  • HBLA in der 3. Klasse abgebrochen
  • Lehre bei Wigast in Wien begonnen und im ANA Grand Hotel abgeschlossen.
  • 1997 ging sie ins Ausland: zuerst Berlin (Hotel Adlon), danach in die Schweiz (Grand Hotel Park in Gstaad), danach nach Frankreich zu 3-Sterne-Koch Marc Veyrat
  • 2002: Rückkehr nach Wien ins „Le Ciel“ im Grand Hotel, dort erkochte sie 2007 die dritte Haube
  • 2012: Köchin des Jahres
  • 2015 wechselte sie ins „Vestibül“
  • seit November 2016 als kulinarisches Mastermind im „Henrici“

jacquelinepfeiffer.com

henrici.at

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