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Lifestyle | 05.10.2017

Diagnose: Brustkrebs

Hannelore Siegel, Diplomkrankenschwester, seit gut 20 Jahren in der Altenpflege tätig, 52 Jahre, aus Wimpassing/Leitha

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„Ich hätte nie gedacht, dass es mich treffen könnte.“ Hannelore Siegel © Emmerich Mädl

Wie und wann haben Sie von Ihrer Diagnose erfahren?

Es war am 16.12.2016, ich war arbeiten und gerade in der Frühstückspause, als ich den Anruf aus der Ordination meiner Gynäkologin erhielt, ob ich zur Befundbesprechung vorbeikommen könnte. Im Vorfeld hatte ich eine Mammografie und auf Anraten des Radiologen eine Biopsie in der rechten Brust.

Gab es einen bestimmten Grund, weshalb Sie eine Mammografie haben machen lassen?

Zur Mammografie ging ich erstens, weil ich seit meinem 40. Lebensjahr regelmäßig gehe, und zweitens, weil ich schon einen Knoten ertastet hatte. Ich hatte aber keine Bedenken und dachte, es wird im schlimmsten Fall eine Zyste oder gutartiger Tumor sein. Also den Gedanken an Krebs gab es für mich nicht.

Wieso nicht?

Ich habe immer auf gesunde Ernährung geachtet, Bewegung gemacht und auch eine familiäre Belastung lag nicht vor, also warum sollte ich Krebs haben? Umso härter traf mich dann die Dia-gnose. Im ersten Moment konnte ich das nicht realisieren und ich wusste nicht, was ich sagen oder denken sollte.

Wie ging es nach der Diagnose weiter?

Drei Tage später saß ich bereits in der Ordination eines Chirurgen, der mir ziemlich klar sagte, dass ich eine Vorbehandlung, sprich Chemotherapie, brauche, damit er brusterhaltend operieren kann. Außerdem ordnete er jede Menge Voruntersuchungen an. So, und dann ging der Boden so richtig auf, im freien Fall in ein schwarzes Loch, das nicht zu enden schien. Die Heimfahrt von Wien war für mich und meinen Mann der reinste Höllentrip. Als Krankenschwester spielt sich ein besonders höllisches Gehirnkino ab.

Was waren Ihre Gedanken?

Ich dachte immer: Warum ich? Was kommt da noch? Und: Ich will noch nicht gehen. Ich fühlte mich ja überhaupt nicht krank.

Wie haben Familie und Freunde auf die Diagnose reagiert?

Ich habe den besten Background, den man sich wünschen kann, nämlich meine Familie, allen voran mein Mann, meine zwei Brüder, die in der ersten seelischen Not zur Stelle waren, und natürlich meine Kinder. Außerdem habe ich einen kleinen, aber umso verlässlicheren Freundeskreis. Natürlich waren alle sehr geschockt, aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht wie schon öfters in meinem Leben nach dem Motto „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen“ gehandelt hätte.

Gut drei Wochen nach der Diagnose wurde mit der Chemotherapie begonnen.

 

Wie schnell wurde mit der Behandlung begonnen?

Es folgten nach der Diagnose noch zwei ungewisse Wochen mit sämtlichen Untersuchungen, bis feststand: keine Metastasen, das war gut! Ab dann ging alles sehr schnell. Am 9.1.2017 bekam ich bereits die erste Chemotherapie, dann alle 3 Wochen, die letzte am 6.6.2017. Nach dem 3. Zyklus stellte man bei der Kontroll-MR-Mammografie bereits einen Rückgang des knapp 5 cm großen Knotens auf kaum sichtbare Reste fest, das hieß, ich sprach auf die Chemo sehr gut an.

Gab es während der Chemo gute und schlechte Tage?

Die ersten 3 Zyklen verkraftete ich noch relativ gut, was mir mehr zu schaffen machte, waren die Injektionen danach, damit die Blutbildung angeregt wird. Ich brauchte jedes Mal mehr Schmerztabletten, damit ich die Knochenschmerzen aushielt. Es verlief immer ziemlich gleich, 2 – 3 Tage nach der Infusion ging es mir relativ gut, das heißt, ich konnte noch die alltäglichen Tätigkeiten wie Einkaufen, Kochen usw. verrichten. Dann kamen meist über Nacht plötzlich Schweißausbrüche, Übelkeit, Benommenheit, extreme Schläfrigkeit und Kraftlosigkeit. Dieser Zustand dauerte anfänglich 3 – 4 Tage und zuletzt bis zu 8 Tage. Danach folgten gute Tage bis zum nächsten Zyklus. Nach dem 4. Zyklus hatte ich den ersten und letzten großen körperlichen und seelischen Zusammenbruch. Ab diesem Zeitpunkt benötigte ich auch psychologische Hilfe.

Hat sich neben der Psyche auch der Körper stark verändert?

Im Nachhinein betrachtet waren es sehr viele Nebenwirkungen, die in Summe sehr viel Kraft kosteten. Totaler Haarausfall, braune Fingernägel, Muskelabbau, ständige leichte Benommenheit, Nervenschmerzen in den Beinen (vor allem nachts) und für mich persönlich das Schlimmste … der Geschmacksverlust!

Das Schlimmste für Hannelore Siegel war der Geschmacksverlust, umso genussvoller kann sie jetzt wieder essen.

 

Gab es auch Momente, in denen Sie einfach aufgeben wollten?

Ich hatte viele Tiefs, jedoch war Aufgeben nie eine Option. Es gab für mich von Anfang an nur einen Plan A … und der war: durchgehen und gesund werden. Am 22.6. wurde ich bereits operiert, mein Körper und meine Seele waren sehr geschwächt und ich hatte riesige Angst vor der Operation. Aber es ging alles gut, der Knoten war bereits weg, lediglich durch die davor gesetzte Markierung konnte man das Tumorgebiet finden und Gewebe entfernen. Auch Lymphknoten in der Achselhöhle wurden entfernt und schon 5 Tage nach der OP kam die erleichternde Nachricht von meinem Chirurgen, dass keine Tumorzellen in der Histologie gefunden wurden, das heißt, ich bin gesund! Von der OP erholte ich mich dann auch relativ schnell.

Also geht es Ihnen jetzt wieder gut?

Zur Sicherheit bekomme ich jetzt noch Strahlentherapie, wo ich gerade im letzten Drittel bin, außerdem bekomme ich Hormone in Tablettenform, das heißt, ich wurde von einem Tag auf den anderen in das Klimakterium geschickt. Zusätzlich zu den Nachwirkungen der Chemo, zurzeit lösen sich teilweise die Fingernägel ab, habe ich jetzt Gelenksschmerzen und Schweißausbrüche, wieder vor allem nachts. Aber trotzdem geht es mir gut, weil ich wieder sehr klar im Kopf bin, der Geschmacksinn wieder vollständig zurück ist und die Haare wieder wachsen, was meine Lebensqualität wieder deutlich gesteigert hat.

Wie hat der Krebs Sie verändert?

Der Krebs hat meine Lebenseinstellung deutlich geändert, es ist mir die Endlichkeit unseres Daseins bewusst geworden. Aber ich habe heute, so komisch es klingen mag, weniger Ängste als davor. Außerdem habe ich dazugelernt, dass man auch Hilfe annehmen kann und wie wichtig Familie und Freunde sind.

Was möchten Sie anderen Betroffenen raten?

Holen Sie sich unbedingt Hilfe und reden Sie mit anderen. Sei es ein Familienmitglied, Freundin oder Psychologin. Und ganz wichtig: den Ärzten Fragen stellen. Denn Unwissenheit macht unsicher und Unsicherheit macht Angst.

Vor dem Krebs: Gesunde Ernährung und Bewegung war Siegel immer wichtig.

PINK-Ribbon-Veranstaltungen

• Charity-Abend „Aus Liebe zum Leben“

Do., 5. Oktober 2017, ab 19 Uhr, Kastell Stegersbach, Livemusik, Modenschau, Kabarett

• Kino-Abend

Mi., 11. Oktober 2017, ab 19 Uhr, Sektempfang, Filmbeginn („Marie Curie“, „Hidden Figures“) um 20 Uhr, Diesel Kino Oberwart

• Benefizabend „Gemeinsam gegen Brustkrebs“

Do., 12. Oktober 2017, ab 19 Uhr, Schloss Esterházy, Eisenstadt, Musicalsängerin Maja Hakvoort, Martin Wöss, Damenstreichquartett X-Quartet und tomX am Saxophon

• Info-Tag

Fr., 13. Oktober 2017, Infostand beim eo Oberwart, Charity-Tombola, Experten-Interviews, Vorträge

• Charity Abend „Aus Liebe zum Leben“

Di., 24. Oktober 2017, ab 18 Uhr, Gemeindezentrum Deutsch Kaltenbrunn, Vortrag, Kabarett, Modenschau, Musik

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