Loading…
Du befindest dich hier: Home | Lifestyle

Lifestyle | 15.03.2019

Multikulti auf Arabisch

Nasenbussis, Happiness Patrol, Multikulturalismus, Traditionen – all das erlebte Ricarda Huber in ihrem Jahr für Special Olympics in Abu Dhabi.

Bild IST_1903_W_AbuDhabi-6.jpg
Beeindruckend. Abu Dhabi ist die Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Hochhäuser und Einkaufszentren prägen die Stadt, die auf einer dem Festland vorgelagerten Insel im Persischen Golf liegt. © iStock by Getty Images,

Die Haare von weißblond auf braun färben, sonst nimmt mich niemand ernst.“ Das war eines der vielen Vorurteile, das Ricarda Huber vor ihrer Zeit in Abu Dhabi über das Land im arabischen Raum hatte. Für Special Olympics ging die Grazer Moderatorin als GOC (general organisation committee) nach Abu Dhabi, um Vorbereitungen für die World Games, die jetzt im März stattfinden, zu treffen. Vor Ort organisierte sie außerdem für die MENA Games 2018 als Event-Managerin die gesamten Award Ceremonies. Nicht nur das Vorurteil in Bezug auf ihre Haare verblasste während ihrer Zeit in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), auch die Sorge betreffend strenge Kleidervorschriften erwies sich als unnötig – ebenso wie die Bedenken, als Frau allein in die VAE zu reisen.

Moderne und Tradition. Eines fiel aber schnell auf. Der Kontrast zwischen Neuem und den alten Werten ist vor allem bei Frauen enorm. Viele tragen stolz die traditionellen Gewänder, doch  auf der anderen Seite sind die lifestyle­bewussten Frauen zu sehen, die sich mittels Accessoires wie Schuhen und Taschen sowie ihrem Make-up individualisieren. „Ich konnte es nicht glauben, aber Victoria’s Secret ist das Lieblings­geschäft vieler arabischer Frauen“, erzählt Ricarda Huber. Das Bewusstsein für Lifestyle und Mode sei sogar ausgeprägter als in Österreich.

Bild 1903_ST_FR_AbuDhabi-2.jpg
Fern der Heimat. Für ihre Tätigkeiten bei den Special Olympics lebte die Grazerin Ricarda Huber ein Jahr in Abu Dhabi. © privat

Multikulti trifft Happiness. Begeistert war die Grazerin von der Freundlichkeit der Menschen und den vielen verschiedenen Kulturen, die sie kennenlernte. Bei einer Quote von 80 Prozent Immigranten kommt man in Abu Dhabi in den Genuss von Spezialitäten aus der ganzen Welt.

Ein Erlebnis der ganz besonderen Art ist es, wenn man in Abu Dhabi von einem Streifenwagen mit Blaulicht angehalten wird – zumindest wenn es sich um die „Happiness Patrol“ handelt. „Diese Patrol ist eine einzigartige Polizei in Abu Dhabi“, erklärt Ricarda. „Das Polizeiauto schaut ganz normal aus, doch diese ,Polizisten‘ strafen oder verhaften niemanden, sondern verteilen Geld an Menschen, die sich an die VAE-Straßen­verkehrsordnung halten.“ Eine nette Geste, die Ricarda Huber sehr gefiel.
Doch sie vermisste auch ihre Heimat: „Ich hätte es niemals gedacht, aber ich vermisse die Bäume und Pflanzen in Österreich. Nach einem Jahr wird dir so richtig bewusst, was du an deiner Heimat hast.“ In den VAE behalf sich Ricarda Huber mit dem Besuch von ­Indoor-Gärten voll frischer, gut duftender Pflanzen – mitten im Wüstenreich.

Bild IST_1903_W_AbuDhabi-7.jpg
Die Scheich- Zayid-Moschee ist die größte Moschee in den Vereinigten Arabischen Emiraten. © iStock by Getty Images

#lessmediamoresocial. Die Art der Kommunikation ist in Abu Dhabi sehr herzlich. „Emiratische Männer begrüßen sich mit einem Nasenbussi. Das war am Anfang total verwirrend. Außerdem gehen emiratische Männer oft Hand in Hand. Das hat nichts mit Homosexualität zu tun – das wäre im Islam sowieso nicht gestattet –, sondern das ist ein Zeichen tiefster Freundschaft und Verbundenheit.“

Diese Herzlichkeit nahm sich Ricarda als Beispiel und versucht jetzt mit ihrem Projekt #lessmediamoresocial so viele Facebook-Freunde wie möglich persönlich zu treffen. Dafür reist sie um die ganze Welt. Darunter sind auch viele Bekannte, die sie über Special Olympics kennengelernt hat. Denn auch wenn sie aktuell nicht mehr für Special Olympics tätig ist, da sie nach Abschluss des Projekts und ­ihrer Rückkehr nach Österreich wieder als Event-Managerin arbeitet, gilt für sie: einmal Special Olympics, immer ­Special Olympics.


Text Laura-Sophie Gerencser