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People | 08.01.2018

Female Founders

Wir sprachen mit zwei Vorreiterinnen und Experten rund um das Thema Gründen im Burgenland.

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© Shutterstock

Burgenland ist das Gründerland Nr. 1 in Österreich, 2016 betrug der Frauenanteil bei den Neugründungen der Einzelunternehmen 71,9 %. Die meisten Gründungen erfolgten 2016 im Bezirk Güssing. Besonders die Branchen Personenberatung und Personenbetreuung, Fußpflegerin/Kosmetikerin/Masseurin, Friseurin, Persönliche Dienstleisterinnen und Direktvertrieb sind bei Frauen vorrangig. „Mir ist es wichtig, dass Frauen auf dem Weg zu ihrem Ziel und zu ihrer Verwirklichung begleitet und unterstützt werden, dass sie nicht auf sich alleine gestellt sind. Das bieten die Gründerinnenprogramme mit Workshops, Einzelcoachings, Erstellung von Businessplänen etc. Das Alleinstellungsmerkmal des Gründerinnenprogramms: Die Gründe-rinnen können weiter betreut werden nach der Gründung“, so Frauen-Landesrätin Verena Dunst im Gespräch.

 

Sinnvolle Tätigkeit mit Herz.

Die Work-Life-Balance wird für viele Frauen im Burgenland immer wichtiger. Das ist einer der wichtigsten Gründe, in die Selbstständigkeit zu gehen. Aber auch einschlägige Lebensereignisse tragen oft dazu bei, etwas an der Arbeitssituation ändern zu wollen. So auch bei Petra Ott aus Eisenstadt. Ihr Sohn ist Asperger-Autist. Vor vier Jahren hat sie gemeinsam mit ihm begonnen, eine Idee zu entwickeln. Die „Schlaue Box“ ist eine visuelle Strukturhilfe für Kinder mit ADHS, Autismus und anderen Persönlichkeitsstörungen. Ihr Sohn ist mittlerweile 14 Jahre und kann sich dazu äußern, was ihm damals in seiner Kindheit geholfen hätte. Zuerst hat Petra Ott gemeinsam mit ihrem Sohn an der Idee gefeilt, im Keller gebastelt und vieles zu Papier gebracht. „Ich dachte, es geht viel schneller und einfacher. Aber ein solches Produkt zu entwickeln, ist eine riesengroße Herausforderung.“ Seit nunmehr 1,5 Jahren konzentriert sie sich zu 100 % auf das Projekt. Ab 2018 soll sie im Handel erhältlich sein und Kindern helfen, Stabilität zu erfahren, indem sie durch die beinhalteten Arbeits- und Hilfsmittel dem Kind vermehrt Struktur und Rahmen bietet.

Petra Ott sieht in der Gründung nur die Vorteile. „Ich kann eine sinnvolle Tätigkeit mit Herz erledigen, wir haben etwas Gesellschaftsveränderndes entwickelt. Ich arbeite zwar 24/7, aber es macht mir Spaß und ist einfach unglaublich toll. Wenn ich über die Nachteile nachzudenken anfangen würde, wäre das keine gute Idee.“

 

Nicht locker lassen!

Einen Lebenswandel durch ein persönliches Schicksal erfuhr auch Andrea Rosa Rittnauer-Soder aus Mattersburg. Nachdem sie 30 Jahre als Bankkauffrau gearbeitet hatte, fing sie an, sich auf eine neue Richtung zu konzentrieren und diverse Kurse zu absolvieren. Nach dem Schlaganfall ihres Mannes hat sie ihr Leben komplett durchgerüttelt: „Ab da konzentrierte ich mich voll auf das, was ich wirklich tun wollte. Ich wurde beim Gründerinnen-Zertifikatslehrgang aufgenommen und kurze Zeit später eröffnete ich ‚s’gsunde Eck‘.“ Dort bietet sie umweltbewussten Konsumenten neben frischem Obst, Gemüse, Milchprodukten, Fisch und anderen Bioprodukten auch die Möglichkeit zu laufenden Informationen, Rezepte und auch Workshops rund um g’sundes Brot, Kräuter, Seifen sieden, Grüne Kosmetik, Korb nähen/flechten und einen gemütlichen Plausch. Dabei bietet sie sowohl eigene Produkte als auch Produkte anderer Biobauern zum Genuss und Verkauf an.

„Das Schwierige beim Umsetzen der Firmengründung war, dass dich eine Stelle oft zur anderen schickt und du auch an inkompetente Ansprechpartner kommst. Das meiste habe ich bei Bekannten und im Internet erfragt. Das Gründerinnenseminar hat mir auch sehr geholfen.“ Ihr Tipp an alle Frauen, die ebenfalls mit dem Gedanken der Gründung spielen: „Genau durchrechnen, planen, sich bewusst sein, was auf einen zukommt, bei diversen Stellen einfach nicht locker lassen, wenn zu wenig Information kommt. Ohne Unterstützung der Familie geht es natürlich auch nicht. Ich bereue es nicht, stehe auf meinen eigenen Beinen – und da bin ich sehr stolz drauf, auch wenn viel Arbeit dahinter steckt, aber es lohnt sich.“

Und auch Petra Ott ruft anderen Frauen Mut zu: „Ich kann allen Frauen nur den Tipp geben: Mut haben, raus aus der Komfortzone, den Gang durch die Wüste wagen!“

Gründen als Chance

 

 

 

 

Das Gründerinnenprogramm, initiiert von Frauenlandesrätin Verena Dunst, bietet viele Möglichkeiten:

  • Information und Bewusstsein für Existenzgründungen
  • Motivation von Frauen mit Geschäftsideen
  • Anlaufstelle
  • Gezielte Beratung und Begleitung vor, während und nach der Gründung
  • Aufbau von Netzwerken

 

www.gruenden-im-burgenland.at


Petra Ott, Die „Schlaue Box“

 

 

 

 

 

Die „Schlaue Box“ beinhaltet eine wissenschaftlich fundierte und in langjähriger Praxis entwickelte visuelle Strukturhilfe für Kinder, die im Schulunterricht oder privaten Umfeld eingesetzt wird. Unterstützt wird das Projekt durch eine Crowdfunding-Kampagne. 2018 soll das Produkt auf den Markt kommen (die Schlaue Box Elternedition und die Schlaue Box Schuledition). Viele weitere Projekte sind in der Pipeline.

www.molemental.com


Andrea Rosas s’gsunde Eck

 

 

 

 

 

Der Genussladen „s’gsunde Eck“ bietet umweltbewussten Konsumenten neben frischem Obst und Gemüse, frischer Kuhmilch, frischer Ziegenmilch, Käse, Topfen, Honig, Nudeln und anderen Bio-Produkten auch die Möglichkeit zu laufenden Informationen, Workshops sowie einen gemütlichen Plausch zum Runterkommen vom hektischen Alltag.

Hauptstraße 8, 7210 Mattersburg

www.sgsundeeck.at

© vlaMas, Emmerich Mädl, Viktor Fertsak

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