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People | 10.01.2018

Genie und Wahnsinn

Peter Nussbaumer aus Mattersburg ist Manager des Jahres 2017 und hat ein 2-Mann-Unternehmen zu einem Global Player ausgebaut – mit viel Energie, Herzblut und vor allem Handschlagqualität. Ein besonderes Porträt eines besonderen Menschen.

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Peter Nussbaumer © Emmerich Mädl

Da ist die Redakteurin doch gleich beim Eintreten in das Hause Nussbaumer in Mattersburg mit Vollgas in das Fettnäpfchen gehüpft, als sie die älteste Tochter für die Mutter hielt. Der 19-jährigen Lisa gefiel das nicht so gut – zu Recht. Doch irgendwann hat sie das verziehen und abseits des Interviews erzählt, was sie über ihren Vater denkt: „Dass er nicht so oft da war, als ich ein Kind war, ist mir zwar aufgefallen, aber ich kannte es ja nicht anders. Einige meiner Freundinnen hatten Papas, die sie nicht leiden konnten oder die zu Hause rumgeschrien haben. Wenn mein Papa da war, war er lieb. Im Prinzip ist er mein größtes Vorbild. Das sag ich nicht nur so, das ist schon immer so gewesen.“

 

Mit seiner Frau Sabine ist Peter Nussbaumer seit 1998 verheiratet – sie war seither bei zahlreichen Auslandsreisen dabei.

 

Hinterzimmer des Gemischtwarenhändlers.

Peter Nussbaumer hat in seinen 46 Lebensjahren bereits über 80 Länder bereist und kennengelernt. Viele davon mit seiner Frau Sabine. Deswegen ist ihre erste Tochter Lisa auch in Costa Rica zur Welt gekommen, denn dort hat alles begonnen. „Wenn wir telefonieren wollten, mussten wir eine Stunde lang in die nächste Stadt fahren und die Minute hat vier Dollar gekostet. Eine Seite Fax dauerte zum Beispiel eineinhalb Minuten, also acht Dollar. Das war teuer. Vom Hinterzimmer des Gemischtwarenhändlers haben wir uns damals mit einem Internet-Account in die Telefonleitung eingewählt und plötzlich hat uns die Minute nur noch zehn Cent gekostet, um zwei Dollar haben wir sie angeboten. So sind alle Leute aus der Umgebung zu uns gekommen, um zu telefonieren, Mails und Faxe zu verschicken.“ Das war 1997. Ein Jahr später wurde Lisa geboren und 1999 ist die kleine Familie wieder zurück nach Österreich gekehrt. Doch Peter Nussbaumer hat es hier nicht lange gehalten. Als Angestellter bei einer Softwarefirma revolutionierte er mit seinem selbst entwickelten Konzept die Telefonie in vielen Ländern. Es folgten Aufträge für einen großen Konzern in Deutschland, bei dem Nussbaumer alle hierarchischen Regeln brach und die Konzernleitung von seiner Handschlagqualität überzeugte. Nach einem Jahr zog es ihn jedoch wieder zurück in die Heimat. 2002 wurde Linda geboren. In diesem Jahr erstellte das Programmier-Genie ein tausendseitiges Modernisierungskonzept für die Telekommunikationsinfrastruktur des Irans, das von Bundespräsident Klestil und vom iranischen Präsidenten Khatami während eines Staatsbesuchs unterzeichnet wurde.

 

„‚Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.‘ Das Zitat von Gandhi beschreibt 1 : 1, wie es mir ergangen ist.“, Peter Nussbaumer

 

 

Mit dem Propeller nach Marokko.

Während eines Thailand-Aufenthalts 2004, wo Nussbaumer die Ausbildung zum Tauchlehrer absolvierte, kam sein erster Sohn Jeremie zur Welt. Kurz darauf reiste die Familie wieder nach Österreich und der damals 33-Jährige gründete gemeinsam mit einem Freund seine eigene Firma I-New Communicative Solutions GmbH, die heute 220 Angestellte und elf Tochtergesellschaften weltweit hat (u. a. in Neuseeland, in den Arabischen Emiraten, in Chile, Mexico, Südafrika, USA, Peru, Ungarn). Was Peter Nussbaumer alles auf seinen Reisen erlebte, welche Begegnungen er machte und unter welchen Bedingungen er arbeitete, würde ein ganzes Bücherregal füllen. Seit 2013 versucht er, etwas leiser zu treten, hat einen Großteil der Anteile an der Firma verkauft (die Novomatic-Gruppe hält z. B. 78 %), die weltweiten Dependancen laufen und er muss nicht mehr überall dabei sein. „Ich mache noch etwa 40 Flüge im Jahr, früher waren es über 100. Viele davon bin ich selber geflogen, mit einer Propellermaschine.“ Ach ja, er hat auch noch den Pilotenschein.

 

Familienbande: Sabine, Luna, Lisa, Jeremie, Peter, Benjamin und Linda Nussbaumer.

 

Wahnsinn und Mut.

Und wie würde seine Frau Sabine ihren erfolgreichen Mann beschreiben? „Er hat immer tausend Ideen im Kopf. Wenn jemand sagt, das geht nicht, muss er es ausprobieren. Das ist für ihn die Herausforderung. Natürlich war es nicht leicht mit den Kindern alleine zu Hause, ich hatte fast niemanden, der mich unterstützt. Wir haben oft darüber diskutiert und ich hab immer gehofft, dass es leichter wird, das ist über Jahre so gegangen. Aber seit drei Jahren ist es jetzt leichter, weil er öfter da ist.“

Die beiden jüngsten Kinder Benjamin (geboren 2011) und Luna (geboren 2013) sehen ihren Papa also etwas öfter. „Die beiden haben mehr von mir, als die anderen drei zusammen hatten. Aber das war damals halt nicht anders möglich.“ Denn Peter Nussbaumer ist jemand, der nie das Ziel aus den Augen verliert und genau weiß, was er will. Das war schon früher so, als er die HTL nach der vierten Klasse abgebrochen hat, um arbeiten zu gehen. „Ich wollte selbst Geld verdienen, meine Eltern haben nicht viel gehabt.“ Aufgewachsen ist Nussbaumer mit sieben Geschwistern in Eisenstadt, mit 17 ist er mit seinen Eltern nach Mattersburg gezogen, wo er Sabine kennen und lieben gelernt hat. Zuerst wohnten sie in Schattendorf, seit drei Jahren wohnen sie in ihrem Haus in Mattersburg.

Und selten ist die Redakteurin in einem Haus so voller Leben und Seele gesessen. Noch immer fasziniert von den Erzählungen und Schilderungen frage ich mich bzw. Peter Nussbaumer, was einen dazu antreibt, so viele Dinge zu erleben und zu erreichen: „Es gehört sicher Wahnsinn und Mut dazu. Man muss an das glauben, was man machen will. Man muss die Richtung wissen, nicht vielleicht gleich den ganzen Weg. Aber das Ziel. Wir sind sicher nicht die, die alles perfekt machen, wir sind eher die pragmatischen Leute … der Stiegenaufgang beispielsweise ist noch nicht fertig.“ Das ist mir bis dahin nicht aufgefallen. Aber die Harmonie schon. Und die völlig unkomplizierte und herzliche Art im Hause Nussbaumer.

privat und unterwegs …
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Die 4-jährige Luna profitiert ebenfalls davon, dass ihr Vater keine 100 Flüge mehr im Jahr macht.
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Gespannt lauscht Redakteurin Nicole Schlaffer den Erzählungen von Peter Nussbaumer.
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Unkonventionelles Meeting in Bangladesch.
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Beim Google Headquarter in Kalifornien.

Peter Nussbaumer

… wurde 1971 geboren, wuchs in Eisenstadt auf, zog mit 17 nach Mattersburg. Die HTL hat er nach vier Jahren abgebrochen. Seit 1992 beschäftigt er sich mit Digitalisierung, Softwareentwicklung und der Ausführung komplexer Netzwerke sowie Infrastrukturprojekte. 2004 gründete er seine eigene Firma I-New, die mittlerweile weltweit 220 Angestellte und elf Dependancen führt. Er hat viele kürzere und längere Auslandsaufenthalte hinter sich, die Ausbildungen zum Tauchlehrer und Pilot gemacht und bereits diverse Preise gewonnen, jüngst den Manager des Jahres 2017. Er lebt mit seiner Frau Sabine und seinen fünf Kindern in Mattersburg.

www.i-new.com

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