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People | 11.01.2018

Ein Seelsorger mit Herz & Humor

Ein charmanter Ausflug mit Pater Egon Homann und Hund Emil in das Weingut Dveri Pax des Stiftes Admont. Eine kleine Geschichte über den gebürtigen Gösser, der vom Biertrinker zum Weinliebhaber wurde.

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© Hedi Grager

Pater Egon ist Pfarrer in Admont und Regionalkoordinator fürs Ennstal, er leitet das Haus der Begegnung in Graz, arbeitet als Seelsorger in einem Grazer Studentenwohnheim und war bis vor Kurzem Administrator von Mariatrost. Sein Wochenplan ist dicht gedrängt, wenn Zeit übrig ist, fahren er und Emil, ein in die Jahre gekommener Golden Retriver, ins Weingut Dveri Pax der Admonter Benediktinermönche im slowenischen Jarenina, nur rund fünf Kilometer vom steirischen Spielfeld entfernt.

Dort werden jährlich 300.000 Flaschen Wein produziert, die exportiert und im Admonter Stifts-Museum verkauft werden. Gegründet wurde das Stift 1074 von Erzbischof Gebhard von Salzburg, bereits 1139 kamen die Weinberge in Slowenien dazu. In der Lebensbeschreibung von St. Benedikt, dem Gründer des Mönchsordens, spielte der Wein immer eine Rolle – der Legende nach wollte man ihn damit sogar vergiften: Den Mönchen von Vikovaro war der Gründer zu streng – und wie wird man einen auf Lebenszeit gewählten Abt los? Die Mönche reichten ihm vergifteten Wein. Als Abt Benedikt das Kreuzzeichen machte, zerbrach der Becher und eine Schlange kam heraus. Er erkannte, dass man ihn vergiften wollte, und ging zurück nach Subiaco.

Im Gutshofgebäude und in der zur Vinothek umgebauten Weinpresse, die in neuem Glanz erstrahlen, berichtet Pater Egon über die 45 Arbeitsanweisungen des Abtes Engelbert von Admont, wie genau Weingärten zu bebauen sind oder wann die Weinstöcke zusammengebunden werden müssen. „Das Weingut war für lange Zeit einer der wichtigsten Wirtschaftszweige,“ erklärt Pater Egon, dessen Messwein natürlich auch von hier kommt. „Es ist der Rheinriesling, aber der halb trockene und eher liebliche“, sagt Pater Egon und schmunzelt über seine Diskussion mit dem Wirtschaftsdirektor, der meinte, man könne diesen Wein nicht trinken, weshalb er intern als der „Pater-Egon-Wein“ gilt. Als Messwein wird auch Welschriesling genommen, der lange Zeit sortenrein und naturbelassen sein musste und erst seit 2014 ein Cuvée sein darf.

 

Pater Egon Homann
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Pater Egon Homann mit Hedi Grager
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Egon
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In Göss geboren stünde Pater Egon eigentlich das Bier näher. Die Volksschule war neben der Brauerei, wenn ein Schüler Husten hatte, konnte er wegen des Klimas für eine Stunde in den Gärkeller gehen, im Unterricht. „Es war eine ärztliche Verordnung, eine Mutter musste als Aufsicht mitkommen“, erzählt Pater Egon. Durch das Weingut ist er zum Weintrinker geworden. „Ein gutes Glas Wein, eine Virginia dazu und mit Emil im Garten sitzen – dann ist die Welt einfach nur schön“, schwärmt er.

Schon mit 16 war ihm klar, dass er in einen Orden gehen möchte, 1985 kam Pater Egon ins Priesterseminar nach Graz. Bei den Exerzitien im Priesterseminar lernte er alle Orden außer Admont kennen. „Mein jetziger Abt war damals mit mir im Priesterseminar. Als wir nach Admont fuhren und dort ankamen, war mir klar: Da gehör’ ich her. Das hatte ich in keinem anderen Kloster verspürt.“ Ob er den Eintritt in einen Orden je bereut habe? „Natürlich ärgert man sich mal, aber Ordensbruder zu sein ist einfach erfüllend für mich.“

Die positive und fröhliche Art Pater Egons steckt an. Gibt es etwas, das ihn so richtig ärgert? „Falschheit, Lüge. Das kann so richtig arbeiten in mir und ich kann meinen Ärger darüber richtig kultivieren.“ Wer bekommt den zu spüren? „Meist Unschuldige“, lacht er herzlich. Ein anstrengender Tag geht am besten mit einem Spaziergang mit Emil zu Ende. „Wenn er zum Knuddeln kommt, ist die Welt wieder in Ordnung. Er merkt ganz genau, wenn ich das brauche.“ Wenn Zeit bleibt, fährt er gern zum Kaffeetrinken nach Piran ans Meer und fährt am Abend wieder zurück. Nun leider ohne Emil, weil er altersbedingt das Autofahren nicht mehr gut verträgt. Letzte Frage: „Was tragen Sie in den Taschen des Habits?“ – „Mein Handy, den Kugelschreiber – eigentlich ein richtiges Büro. In den weiten Taschen könnte ich sogar zwei Flaschen unterbringen“, lacht Pater Egon.

 

Text und Fotos Hedi Grager

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