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People | 05.01.2018

Schauspielerischer Rebell

In seiner letzten Film-Rolle spielte er einen Junkie, in der Freizeit steht er im Weingarten, diskutiert über politische Ansichten oder recherchiert für seine zwei Drehbücher.

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Reinhold G. Moritz als Käpt’n Ahab in Moby Dick. © Anna Stöcher

Das Alter ist ihm „wurscht“. Er hat keine Hemmungen davor, auch von Jüngeren etwas zu lernen. In seinem letzten Kino-Film „Die beste aller Welten“ spielte er einen Junkie, einige Jahre davor in einer Dauerrolle bei den CopStories einen Loser, dazwischen gab es viele Auftritte bei Serien, Kurzfilmen und vor allem Theaterstücken. Reinhold G. Moritz, gerne auch Reini genannt, lässt bei seinen Rollen eine gewisse Spezifikation erkennen: „Es hat ja einen Grund, dass ich mit langen Haaren und Bart rumlaufe. Entwickelt hat sich das aus meiner Rolle des Vickerls, der Sandler bei den CopStories. Es können nicht alle Schauspieler schöne Rechtsanwälte spielen. Ich spezialisiere mich auf Understate-Figuren, Loser. Ob ich eitel bin? Jeder ist auf seine Art eitel, aber dass ich für eine Rolle monatelang mit langen Nasen- und Ohrenhaaren herumlaufe, sagt schon viel über die Ausprägung meiner Eitelkeit aus.“
Als Reini Moritz zum Theater kam, waren andere Kapazunder, jünger als er, schon Vollprofis. Michael Niavarani zum Beispiel, dessen Komik Moritz vom ersten Augenblick an fesselte, als er zufällig im Wiener Graumann-Theater reinschaute. Das ist nun rund 28 Jahre her. Damals arbeitete Moritz in Wien als gelernter Elektrotechniker bei einer Computerfirma, nachdem er 1,5 Jahre in Kanada am Bau und auf einer Farm gejobbt hatte. „Ich war in Wien in der UNO-City stationiert und hab dort Bildschirme geputzt. Fachlich war ich eine absolute Nuss. Aber ich hab dort die Leute unterhalten. Da hab ich angefangen, ins Theater zu gehen.“ Heute verbindet ihn mit „Nia“ (Michel Niavarani, Anm.) eine langjährige Freundschaft und viele gemeinsame Projekte.

 

Junkies in der Wohnung.

Aber auch abseits des Theaters lief es für den Deutschkreutzer durchaus rund. Er absolvierte die Schauspielausbildung am Wiener Graumann-Theater, die er 1994 mit der Bühnenreife abschloss, und spielte viel in österreichischen und deutschen Theatern. Das Schauspielen lag ihm wohl von Klein auf im Blut. „Ich war schon immer der Klassenkasperl, eigentlich vom Kindergarten an. Aber wenn du am Land aufwächst, hast du nicht wirklich einen Bezug zur Schauspielerei, aber wahrscheinlich hat es immer in mir geschlummert.“ Aufgewachsen ist der 51-Jährige in Deutschkreutz mit einer „relativ unbeschwerten Kindheit“.

Anders der Hauptdarsteller im Film „Die beste aller Welten“, in dem Moritz einen Junkie spielt. Der Regisseur Adrian Goiginger verfilmte seine eigene Kindheit mit einer heroinsüchtigen Mutter und einem drogenabhängigen Stiefvater. Sein Alltag war geprägt von Junkies, die ständig in der Wohnung herumhingen, und der Tatsache, dass seine Mutter irgendwann einfachste Tätigkeiten nicht mehr verrichten konnte, ihren Sohn aber über alles liebte und seine Kreativität förderte.

In die Rolle als Junkie „Bernie“ spürte sich Moritz so gut es ging hinein, führte viele Gespräche mit Drogenberatern und mit dem Stiefvater des Regisseurs, der heute clean ist und bei den Dreharbeiten oft anwesend war. „Er hat immer sehr darauf geachtet, dass alles authentisch wirkt.“ Im Film wird Bernie clean durch eine christliche Therapie, in der er Jesus als Erlöser sieht, und schafft es auch, Adrians Mutter von dieser Therapie zu überzeugen.

Wie hält es Moritz privat mit der Religiosität? „Ich bin gläubig erzogen worden, war jahrelang Ministrant. Natürlich setzt du dich irgendwann mit der Institution Kirche auseinander und dann fängst du an zu zweifeln, wie verlogen das alles ist. Aber ich sage, grundsätzlich soll jeder glauben, was er will. Was ich nicht gut finde, ist, andere missionieren zu wollen. Da bin ich eher der Ironiker. Ich weiß, dass es einen Gott gibt, aber ich glaube nicht an ihn (lacht). Ich verfolge eher ein pantheistisches Weltbild und glaube, dass Gott in den guten Dingen des Lebens steckt.“

„Es wird mit dem Alter leiwander, die Nervosität fällt immer mehr weg. Ich liebe meinen Job und mache ihn für mein Leben gern.“, Reinhold G. Moritz

 

Drehbücher übers Burgenland.

Eines dieser guten Dinge im Leben ist seine 4-jährige Tochter Ilvie. Und das andere seine Frau Karola Niederhuber, ebenfalls Schauspielerin – mit beiden wohnt er in Wien. Die Betreuung und Erziehung ihrer Tochter versucht sich das Schauspieler-Paar so gut es geht aufzuteilen. Deswegen nimmt Moritz im kommenden Jahr keine Theaterauftritte an, sondern konzentriert sich auf Film und TV. Unlängst war er in Kitzbühel, um für SOKO Kitz zu drehen, eine Rolle in einer bayrisch-österreichischen Fernsehproduktion ist ebenfalls bereits fix. Und dabei verrät er auch, dass er in diese Richtung noch mehr vorhat: „Ich schreibe nebenbei an zwei Drehbüchern, die einen starken Burgenland-Bezug haben. In einem Buch geht es um eine ehemalige reale, politische Figur im Burgenland – es wird interessant, aber auch witzig, es zeigt viel über die politischen und gesellschaftlichen Schichten im Burgenland. Im zweiten geht es um einen Kriminalfall in der Weinwelt, der sich in Amerika abgespielt hat, den ich aufs Burgenland umschreiben möchte. Man kann es als Nachfolge des Wein-skandals der 80er-Jahre sehen.“ Derzeit befindet er sich in der Recherchephase, die sicher noch ein Jahr dauert.

 

Nerviges Schwarz-Weiß-Denken.

Wenn er mal nicht vor der Kamera steht oder für seine Drehbücher recherchiert, hält sich Reini Moritz gerne in der Natur auf. In Deutschkreutz nennt er ein paar Reihen Weingarten sein Eigen. Er liebt die Handarbeit im Weingarten und das Dasein als Hobbyweinbauer. Die Trauben liefert er an einen renommierten Deutschkreutzer Winzer.

Abseits des Weingartens brennt der 51-Jährige für zwei weitere populäre Themen, die viel Konfliktpotenzial beherbergen: Fußball und Politik. „Ich bin ein absoluter Fußball-Narr. Wir haben in Wien einen Hobby-Fußball-Verein von Theaterleuten, wo Gregor Seberg der Präsident ist. Da bin ich Gründungsmitglied.“

Beim Thema Politik kommt oft seine rebellische Seite zum Vorschein: „Ich bin ein höchst politischer Mensch, aber ich merke, dass ich immer gegen starre Meinungen rebelliere. Es würden sicher viele sagen, dass ich ein linker, grüner Typ bin, so wie ich ausschau. Ich sympathisiere auf jeden Fall mit dieser Richtung. Aber das Schwarz-Weiß-Denken geht mir so auf den Zeiger. Und dass die eine Seite die andere Seite oft pauschalisiert und abkanzelt. Was für mich gar nicht geht, sind Faschismus und Rassismus, da braucht es eine klare Abgrenzung. Man könnte mich am ehesten als Freidenker oder als Liberalen sehen, mit einer differenzierten Betrachtung.“

Reini Moritz
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In seinen 0,33 ha Weingärten in Deutschkreutz geht Reini Moritz seinem Hobby nach.
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Reini Moritz im Gespräch mit Nicole Schlaffer im Deutschkreutzer Café Goldmark.
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In seiner Heimatgemeinde kurvt der Schauspieler am liebsten mit seinem Elektroroller durch die Straßen und Feldwege.

Word-Rap mit Reini Moritz

Niemals machen würde ich …

Leberkäse mit Marmelade essen.

 

Meine beste Eigenschaft ist …

äußerst unvoreingenommen zu sein.

 

Meine schlechteste Eigenschaft ist …

 ich hab so viel – ich muss mir eine aussuchen (überlegt) … dass ich schnarche beim Schlafen.

 

Zu meiner Frau sage ich immer …

Schatz, reg di net so auf! (lacht)

Reinhold G. Moritz

… wurde 1966 geboren und wuchs in Deutschkreutz auf. Nachdem er die HTL als Elektrotechniker abgeschlossen und das Bundesheer absolviert hatte, zog er für 1,5 Jahre nach Kanada. Später in Wien kam er über Umwege zum Theater, machte die Schauspielausbildung am Wiener Graumann-Theater. Es folgten viele Rollen in Theaterstücken sowie Soloprogramme. Erste Filmbekanntheit erlangte Moritz 2011 durch die Rolle des Josef Kallinger im österr. Spielfilm „Atmen“. Aktuell ist er im Film „Die beste aller Welten“ zu sehen, für SOKO Kitz drehte er kürzlich in einer Episodenhauptrolle. Mit der Schauspielerin Karola Niederhuber und der gemeinsamen Tochter Ilvie lebt er in Wien. Das G. steht für seinen 2. Vornamen Georg, benannt nach seinem Großvater.

www.reinimoritz.at

Reinhold G. Moritz
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Als schmieriger Filmagent für den deutschen Kurzfilm „Eine Rolle mit Stil“.
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In der Rolle als Sandler „Vickerl“ beim Dreh für CopStories.
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Ein Shot vom letzten SOKO-Kitzbühel-Dreh.
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