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People | 06.02.2018

„Ich habe nie nicht gesungen“

Jonny Pinter und Susanne Schmid aus Schattendorf machen seit Jahren Furore mit ihren Vokalakademien. Plötzlich steht Sohn Johannes vor einem Millionenpublikum. Künstlerfamilie trifft Castingshow. Kein Widerspruch?

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Johannes Pinter bei „The Voice of Germany“ © SAT.1/ProSieben/Richard Hübner

Erst 19 Jahre, aus Schattendorf. Im Poloshirt und Jeansbermudas betritt er lässig die Bühne. Kein Schnickschnack, zunächst nur Klavierbegleitung – und schon „schmettert“ er den Ariana-Grande-Song „Almost Is Never Enough“ ins Universum. Kawumm! Jeder Ton sitzt, nach nur wenigen Takten drehen sich sämtliche Juroren um. Das bedeutet: Johannes Pinter hat die erste Hürde bei der ProSieben/Sat.1-Castingshow „The Voice of Germany“ genommen. Standing Ovations bei der Show in Deutschland, Gänsehaut vor dem Fernseher. In den folgenden Wochen verblüfft er noch ein paar Mal jeweils vor Millionen von Zusehern, knapp vor dem Halbfinale im Dezember 2017 ist die Show für ihn zu Ende: Noch einmal reißt er das Live-Publikum aus den Sesselreihen, Tränen der Rührung beim betreuenden Starcoach Yvonne Catterfeld – und doch entscheidet sich die Sängerin für drei andere ihrer Schützlinge. „Ich war irgendwie darauf vorbereitet“, sagt Johannes Pinter heute gelassen. Der Kandidat kommt aus einer durch und durch musikalischen Familie. Hatten seine Eltern keine Bedenken wegen der Castingshow? Wie hat sich das Leben verändert? Wie geht es weiter? Wir besuchten die Familie in ihrem Zuhause Schattendorf, wo kaum ein Raum ohne Instrumente auskommt. Jonny Pinter und Susanne Schmid sind die Masterminds erfolgreicher Vokalakademien in Wien und dem Burgenland, der jüngere Sohn Florentin spielt Schlagzeug und Gitarre …

BURGENLÄNDERIN: Dein Papa, Berufsmusiker und Komponist, und deine Mama, leidenschaftliche Sängerin, haben einander durch die Musik kennengelernt. Wie hat es bei dir mit der Musik begonnen?
Johannes: Ich kann gar nicht sagen, wann es anfing … (grübelt)
Susanne Schmid (Mama): Es gab ein Foto von ihm als Neugeborenem: Ich habe ihn mit der Trage auf den Klaviersessel gestellt – und er hat sofort seine Finger auf der Tastatur gehabt (lacht).

Warum singst du eigentlich?
Johannes: Ich habe nie nicht gesungen! Es macht auch das Feedback der Menschen viel aus. Wenn ich etwas nicht gut kann, gebe ich lieber auf.
Susanne: Aber die Leute waren eben von Beginn an begeistert; das hat ihn motiviert.

 

 

„Für eine musikalische Laufbahn musst du optimistisch und risikobereit sein.“ Johannes Pinter, Sänger



Du bist seit dem Volksschulalter in Musicals aufgetreten, hast bei Brezinas Tom Turbo mitgewirkt. Gab es eine Phase, vielleicht in der Pubertät, in der du nicht mehr wolltest?
Johannes: Im Gegenteil. Mit 15, 16 hat sich der Gedanke, professionell musizieren zu wollen, erst richtig gefestigt.
Susanne: Das lag auch an der Schule: Das BORG Wr. Neustadt bietet viele Möglichkeiten: Er hatte Gesangs- und Klavierunterricht …
Johannes: … Schulkonzerte und andere Projekte. Ich habe dort so viele coole Musiker kennengelernt!

Und selbst beim Bundesheer ging es mit der Musik weiter …
Johannes: Ich war bei der Gardemusik in Wien. Ich bin als Pianist eingerückt, sang zum Beispiel beim Jäger- und beim Offiziersball in der Hofburg.

Ist die Musik heute, nach der Show, weiterhin dein Berufsziel?
Johannes: Prinzipiell schon. Heuer gibt es auch schon mehrere Engagements. Aber ich versuche, mich nach einem Jahr zu fragen, ob das jetzt passt für mich oder nicht. Du musst optimistisch und risikobereit sein; wenn ich spüre, dass ich dem Druck, die Musik hauptberuflich zu machen, nicht gewachsen bin, bin ich auch bereit, einen anderen Weg einzuschlagen. Ich bin der Typ: Ganz oder gar nicht. Viele machen das aus Spaß. Aber ich nehme nicht aus Jux ein Album auf, das dann niemand kauft. Mal sehen, wie es läuft.

Gibt es einen Plan B?
Johannes: Solange ich im Kopf habe, dass das mit der Musik etwas werden kann, denke ich nicht ernsthaft darüber nach.
Susanne: Ein Jahr ist aber zu kurz in der Musikbranche!
Johannes: Ich habe im Hinterkopf, dass man irgendwann eine Familie ernähren muss.
Susanne: Da hast du aber doch noch Zeit! (schmunzelt)


Apropos: Die Liste deiner bisherigen Engagements ist für 19 Jahre erstaunlich lang. Wozu dann noch eine Castingshow?
Susanne: Er schaut sich diese Shows seit Ewigkeiten an; studiert hat er sie!
Johannes: „The Voice of Germany“ ist qualitativ sehr hochwertig. Als Sänger denkt man sich da automatisch: Was wäre, wenn ich da jetzt singen würde? Von Tausenden Bewerbern werden nur rund 80 im Fernsehen gezeigt.

 

„Das Gefühl, dass man in eine Schublade passen muss, ist weg.“ Johannes Pinter

 

MUSIK IST IHRE GEMEINSAME SPRACHE.
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Susanne Schmid, Jonny, Johannes und Florentin Pinter
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SONGWRITING. Songs aus eigener Feder entstehen laufend.

Johannes entschied sich auf eigene Faust, einen Salzburg-Trip bis München auszudehnen. Die Familie erfuhr erst davon, als er die ersten drei Castingrunden erfolgreich absolviert hat. Wie habt ihr reagiert?
Susanne: Er war volljährig! (lacht)
Jonny Pinter (Papa): Als die Castingshows vor vielen Jahren starteten, hatten wir sogar ein großes Symposium mit Fachleuten aus der Branche. Die Abwicklung der Shows war damals dilettantischer; heute achtet man auch bei den Verträgen viel mehr auf die Teilnehmer. Diese Show ist in Fachkreisen sehr anerkannt.


Es gilt dennoch, den Druck auszuhalten. Hattet ihr keine Bedenken wegen Johannes?
Susanne: Nein. Wir haben gesagt: Unter so einer Stresssituation dein Bestes zeigen zu können, da kannst du nur gewinnen.
Jonny: Wäre er 14 gewesen, hätten wir eine Castingsache nicht unterstützt. Da hast du vielleicht eine tolle Kinderstimme, dann kommt der Stimmbruch – und du bist plötzlich ein Bass. Da bist du dann nicht mehr derselbe, da liegen Welten dazwischen.
Susanne: Es ist eben auch eine Frage, was die Person erträgt. Bei Johannes wussten wir, dass er gefestigt und geerdet ist.

Wie hast du als Vater und Musiker hinter den Kulissen seinen ersten großen Auftritt bei der Show erlebt?
Jonny: Erstaunlich ruhig, ich war sehr konzentriert darauf, wie die Kameras, die Leute um ihn herum agieren – und wie Johannes atmet. Da habe ich gemerkt, dass er gar nicht nervös ist, sondern tiefenentspannt. Er war souverän.
Johannes: In diesem Moment ist man so reizüberfordert, so nervös, dass man dann schon wieder ruhig wird. Es wirkt wie in einem Traum. Man kann sich danach auch kaum an den Auftritt erinnern (lacht).

 

 

ZUKUNFTSPLÄNE. Von der Musik leben, das ist Johannes Pinters Ziel. Seine Eltern unterstützen ihn dabei (im Gespräch mit Redakteurin V. Kery-Erdélyi).



Das Showgeschäft birgt auch Schattenseiten. Macht ihr euch Sorgen, wenn Johannes diesen Weg einschlägt?
Jonny: Es gibt so viele Möglichkeiten in der Musikbranche, davon zu leben. Ich habe als Komponist angefangen und habe mit 20 auch nicht gedacht, dass ich mein Geld eines Tages mit Vokalakademien verdiene.

Hast du mit deinem Sohn auch selbst musikalisch gearbeitet?
Jonny: Ich habe ihm ganz am Anfang Klavierunterricht gegeben – und wir sind kläglich gescheitert (lacht). Es ist immer besser, wenn das Außenstehende machen.
Susanne: Gefördert haben wir ihn natürlich. Er durfte schon mit 14 in unsere Sommerakademie – zum Beispiel in den Unterricht bei Monika Ballwein, die schließlich die beste Popularmusik-Stimmtrainerin Österreichs ist.

Wie hat die Castingshow dich verändert?
Johannes: Mein Wesen nicht, aber ich bin ein Stück erwachsener geworden und offener, weil ich so viele verschiedene Menschen, auch ganz ausgeflippte Typen, kennengelernt habe. Da ist das Gefühl weg, dass man unbedingt in eine Schublade reinpassen muss.

Hat es für dich eine Relevanz, der einzige Burgenländer in der Staffel gewesen zu sein?
Johannes: Ich finde es cool, wenn Leute vom Land kommen. Das ist irgendwie witzig, dass man uns noch immer nicht viel zutraut – dabei haben wir so viel zu bieten (lacht)!

Wie geht es weiter?
Johannes: Ich bin ab März als Solosänger mit der Vogtland Philharmonie mit einem Filmmusik-Special auf Ostdeutschland-Tournee. Das Schöne ist, dass ich viele Musikerfreunde habe, mit denen ich immer eine Band zusammenstellen kann. Es wird – auch gemeinsam mit meinem Bruder Flo – ein paar kleinere Gigs geben, auch bei Festen und Hochzeiten. Und ich will an eigenen Songs weiterarbeiten. Ginge es nach der Musik, hätte ich schon fünf Alben, beim Texte-Schreiben tu ich mich schwerer (schmunzelt). Vielleicht geht es ins Ausland, England zum Beispiel …

 

TOM TURBO. Johannes Pinters erste erfolgreiche kreative Gehversuche vor der Kamera.