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People | 13.04.2018

„Spielen wie sonst nirgends“

Die Seefestspiele Mörbisch haben ein neues Gesicht. Wir sprachen mit Peter Edelmann über Besucherzahlen, Privatleben und Eitelkeit.

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© Emmerich Mädl 

Den Begriff „Intendant“ findet er altmodisch und herrisch, „Künstlerischer Leiter“ hingegen „ein bissl luftiger“, im Prinzip ist es jedoch dasselbe. Peter Edelmann leitet seit rund einem halben Jahr die Geschicke bei den Seefestspielen Mörbisch, wo er selbst das erste Mal 1993 unter der Intendanz von Harald Serafin als Danilo (Die lustige Witwe) auftrat. Der 55-Jährige unterrichtet Gesang an der Musikuniversität in Wien. Als junger Bariton begann er mit Engagements in Koblenz und schließlich prägten ihn die Jahre an der Deutschen Oper Berlin und die Auftritte auf Bühnen auf sämtlichen Kontinenten dieser Erde. Seine Arbeit in Mörbisch soll geprägt sein von einem Miteinander.

Wie war es damals, als man doch Sie als Nachfolger von Dagmar Schellenberger holte?
Beim Hearing habe ich ein Konzept vorgelegt, das meines Erachtens sehr gut war. Dann entschied man sich vorerst für einen meiner Mitbewerber, ehe ich im Mai völlig unerwartet doch noch gefragt wurde, ob ich Lust hätte, die künstlerische Leitung zu übernehmen. Ab dann ist alles sehr schnell gegangen und mittlerweile plane ich schon fürs nächste und übernächste Jahr.

Die Besucherzahlen in Mörbisch sind in den letzten Jahren unter den Erwartungen geblieben. Mit welchem Konzept wollen Sie mehr Besucher nach Mörbisch bringen?
Da muss man an mehreren Ebenen ansetzen. Die Stückauswahl ist entscheidend, ich will die bekanntesten Operetten spielen. Diese Bühne ist nicht dazu geschaffen, Ausgrabungen zu spielen. Der See ist ebenso wichtig und soll eingebunden werden, der war im letzten Jahr zugebaut, man hat nichts davon gesehen. Man muss hier die Operetten spielen wie sonst nirgends, das war auch schon die Intention von Harald Serafin.

 

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© Seefestspiele Mörbisch/Manfred Waba

Wie sehen Sie die Entwicklung seit Harald Serafin?
Es gibt verschiedene Umfragen, warum die Besucherzahlen in den letzten Jahren vom Serafin von 220.000 auf 140.000 zurückgegangen sind. Er hat das wunderbar aufgebaut, doch dann ist es steckengeblieben. Man muss auf neue Technik und neue Konzepte setzen. Unser heuriges Bühnenbild – eine riesige Geige – wird beim Publikum einen Wow-Effekt erzeugen und für viele Überraschungen sorgen. Da will ich noch nicht zu viel verraten. Ich möchte die Leute neugierig machen und neues Publikum ansprechen sowie auch die wieder herholen, die früher schon gekommen sind.

Welche Neuerungen wird es geben?
An drei Tagen in der letzten Ferienwoche spielen wir die Mariza für Kinder, die Karten waren innerhalb von zehn Tagen weg. Wir arbeiten da hervorragend mit dem Landesschulrat und dem Land zusammen. Dann wollen wir auch ausländisches Publikum mehr ansprechen. Ungarn zum Beispiel ist ein Operettenpublikum, aber es hindert sie wahrscheinlich die Sprache. Deswegen werden wir Übertitel für verschiedene Sprachen am Smartphone mit WLAN auf der Tribüne anbieten. Wir starten auch eine große Social-Media-Kampa-gne, um auch das jüngere Publikum stärker zu erreichen. Wenn die das einmal gesehen haben, kommen sie wieder. Das Feuerwerk, die Wasserspiele, das ganze Drumherum. Es wird auch teure technische Neuerungen geben, mehr möchte ich jetzt noch nicht verraten. Mein Ziel ist es, die Besucherzahlen langsam zu steigern. Es wird heuer nicht der große Knalleffekt sein, aber ich möchte es steigern.

Sie haben auch Neuerungen beim Parkplatz angesprochen.
In den Parkplatz wird in Zukunft viel investiert. Ich hab’s vor zwei Jahren selbst miterlebt. Wenn du spät kommst und auf einem dieser ca. 250 Parkplätze ganz hinten stehst, dann bewegst du dich nach der Vorstellung im Auto mal eine halbe Stunde keinen Zentimeter, und das verärgert die Leute natürlich. Für diese Parkplätze haben wir uns heuer etwas Besonderes überlegt: Informationen, Goodies. Man muss bedenken, dass es anderswo 20 Minuten dauert, bis man überhaupt mal beim Auto ist, hier gehst du drei Minuten. Auch sicherheitstechnisch wird investiert und in die Beleuchtung.

 

"Es wird auch teure
technische Neuerungen geben."

Peter Edelmann, Künstlerischer Direktor

Wie lebt Peter Edelmann privat?
Ich lebe mit meiner Frau Sylvia in Wien und habe drei Kinder (28, 18, 14). Meine Frau ist Spanierin aus Gran Canaria, dort haben wir uns auch kennengelernt, auf der Bühne bei der Fledermaus. Sie unterrichtet Gesang und ist auch hier in Mörbisch sehr involviert. Gemeinsam leiten wir die ottoedelmannsociety, wo wir uns seit über zehn Jahren für junge Sängerinnen und Sänger einsetzen, Workshops anbieten etc. Die Zigeunerin wird heuer zum Beispiel von einer unserer Studentinnen gespielt. Es ist einfach eine tolle Sache, junge Talente zu fördern und zu fordern. Ich bin mit der Oper aufgewachsen, war als kleines Kind in New York an der MET, wo mein Vater (Anm.: Opernsänger Otto Edelmann) den Hans Sachs gesungen hat. Mein Vater war ein wahnsinniger Optimist und sehr geduldig mit mir, als wir gemeinsam meine Stimme ausgebildet haben.

Welche beruflichen Ambitionen haben Ihre Kinder?
Der Große macht gerade seinen Master in Biologie, der Mittlere möchte Schauspieler werden und macht derzeit Matura. Die Kleine geht auf eigenen Wunsch ins Oberstufenrealgymnasium der Sängerknaben und singt und tanzt ständig, wäre am liebsten immer beruflich mit uns mit. Sie wird sicher mal auf der Bühne landen. Ich unterstütze alle drei, wo ich nur kann. Hauptsache, sie werden glücklich.

Sie werden heuer 56 – spielt das Alter und das Aussehen für Sie eine Rolle?
Überhaupt nicht. Ich bin auch gar nicht eitel. Ich dusche in der Früh, nachdem ich täglich eine Stunde laufen gehe, das war’s. Aber ich kaufe gerne Klamotten, keine teuren, aber Farben mag ich gerne. Fitness ist mir wichtig, ich achte auf meinen Körper, man hat ja nur den einen. Ansonsten macht die Natur das schon gut.

Natur gibt es im Burgenland viel. Was ist das Besondere an Mörbisch?
Mörbisch ist anders als Bregenz oder Salzburg. Es hat so wahnsinnige Chancen. Erst heute hab ich es mir wieder gedacht: Hierher zu fahren ist so … (seufzt und atmet hörbar aus), vom Steinbruch runter sieht man den See, dann Rust, dann fährt man durch die Weinberge. Das ist Urlaub an einem Tag.

 


Seefestspiele Mörbisch

„Gräfin Mariza“ von Emmerich Kálmán
12. Juli bis 25. August 2018
www.seefestspiele-moerbisch.at

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Peter Edelmann mit BURGENLÄNDERIN-Redakteurin Nicole Schlaffer auf der Seefestspiel-Tribüne. © Emmerich Mädl