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People | 23.04.2018

Wenn der Mensch nur eine Nummer ist …

21 Minuten ohne Worte, aber mit viel Aussagekraft. Das junge Filmkollektiv orangecat spricht mit uns über ihren neuen Kurzfilm, Individualität und die Gleichschaltung der Schulnoten.

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Gedreht wurde 2 Wochen lang durchgehend in den Sommerferien. © Viktor Fertsak

Sie ist gefangen in ihrem eigenen Alltag, ein klitzekleines Rädchen in einem großen Uhrwerk – ohne Individualität, ohne Freude, ohne Kommunikation. Wenn sie ausfällt, wird sie ersetzt. Diese Rolle spielt Hauptdarstellerin Annika Limbach überzeugend gut, obwohl sie im wahren Leben das genaue Gegenteil zu sein scheint. Beim Interview mit neun von den rund 20 Projektmitgliedern von orangecat wirkte die lebenslustige 17-jährige Eisenstädterin überhaupt nicht wie jemand, der sein Leben fristet: „Ich bin eine fröhliche Person und rede unglaublich gerne und viel. Jemanden zu verkörpern, der sich in diesem Uhrwerk gefangen fühlt und sich quasi zu Tode arbeitet, war schon schwer. Aber je mehr ich mich damit beschäftigt habe, umso mehr habe ich gemerkt, dass solche Tendenzen jeder von uns kennt.“ Über das Gefühl der Ersetzbarkeit und den Verlust der Individualität durch ein starres System hat sich das junge Filmkollektiv viele Gedanken gemacht.

 

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Hauptdarstellerin Annika Limbach wurde für ihre Darbietung sehr gelobt: „Ich hab gemacht, was die Rolle verlangt.“ © Viktor Fertsak

Immer der gleiche Trott. „Wir wollen mit dem Film zum Ausdruck bringen, wie einfach das System über die Menschen herrschen kann, weil sie von sich aus nichts mehr tun und letztlich wie Maschinen funktionieren“, bringt es Drehbuchautor Nikolai Liskutin (Gruppenbild, 2. v. r.) auf den Punkt.
Er und sein bester Freund seit frühester Kindheit, Elias Märk (Gruppenbild 1. v. l.), haben das Projekt orangecat bereits vor vielen Jahren ins Leben gerufen, als sie noch Stop-Motion-Filme für Youtube gedreht haben. Heute sind die beiden 17-Jährigen begeisterte Filmemacher und wollen andere zum Nachdenken anregen. Ihr erster Kurzfilm „TENSIONS“ wurde 2016 veröffentlicht und im Rahmen der „video&filmtage“ in der Urania in Wien aufgeführt. Ihr aktuelles Werk „Und das Uhrwerk dreht sich weiter“, dessen Erstellung rund ein Jahr dauerte, wurde dieses Jahr im Februar im Kino Oberpullendorf uraufgeführt. Die Rückmeldungen haben das junge Filmkollektiv überwältigt. „Das Schöne daran ist, dass jeder etwas anderes mit dem Film assoziiert. Manche glauben, das ist Fantasy, manche können es sehr gut nachvollziehen und andere wiederum können gar nichts damit anfangen“, so Limbach. Regisseur Elias Märk erzählt, wie die Gruppe überhaupt auf das Thema gekommen ist: „Gewisse systematische Strukturen spürt jeder, sei es in der Schule oder im Ferialjob, wo immer wieder der gleiche Alltagstrott herrscht und man manchmal das Gefühl hat, darin gefangen zu sein. Natürlich stellt der Film das überspitzt dar. Wir sagen auch nicht, dass das vorherrschende System schlecht ist – das können wir ja auch gar nicht beurteilen, weil keiner von uns bisher einen richtigen Job hatte –, aber der Film soll einen Denkanstoß geben und zeigen, wohin es gehen kann, bzw. zum Handeln anregen, dass es gar nicht erst so weit kommt.“ Als besonderes Beispiel nennt seine Kollegin Limbach das Benotungssystem in der Schule: „Zum Beispiel die Zentralmatura oder die überall gleichen Schularbeiten. Einen Einser zu schaffen ist fast schon unmöglich und ein Fetzen kommt auch nicht mehr häufig vor, die meisten haben Durchschnittsnoten. Es fühlt sich so an, als ob wir alle auf Durchschnitt getrimmt werden, als würde man gar nicht wollen, dass jemand sich besonders hervorhebt. Ich würde mir mehr Individualität bei der Bildung wünschen.“

 

"Der Film soll zum Handeln anregen,
dass es niemals so weit kommt.

Elias Märk, Regisseur

Vaseline in den Haaren. So stolz und befreiend für die Gruppe das Gefühl bei der Premiere auch war, so schnell tüfteln sie auch schon an neuen Projekten. „Bevor ich nach der Matura Regie studieren möchte, wollen wir noch vieles ausprobieren, deshalb soll das nächste Projekt auch nicht mehr so lange in der Produktion dauern“, verrät Märk. Die ambitionierte zukünftige Schauspielerin Annika Limbach ist auf alles gefasst und nicht zimperlich: „Sie haben mir für die Rolle Vaseline in die Haare geschmiert und mein Gesicht verunstaltet. Mit Eitelkeit darf man da keine Probleme haben. Ich hab gemacht, was die Rolle verlangt.“

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Immer zu Späßen aufgelegt: der Kern des Teams von orangecat. © Viktor Fertsak

Nächster Spieltermin:

„Und das Uhrwerk dreht sich weiter“:
27. April, E_Cube Eisenstadt

www.orangecat.film