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People | 04.05.2018

Prost & Aloha

Ein Fotograf, der Wein macht? Ja, das geht. Mit harter Arbeit und G’spür. Georg Dujmovits, der Newcomer in der historischen Kellergasse Heiligenbrunn.

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© Georg Dujmovits

Heiligenbrunn und Hawaii – bei der Liaison vermag so mancher „gstandene“ Winzer die Stirn runzeln. Doch Georg Dujmovits hat beschlossen, den Skeptikern grundsätzlich unbeirrt entgegenzutreten. Derer gibt es freilich einige, wenn ein professioneller Fotograf (und angehender Technische-Uni-Absolvent) beschließt, Wein zu machen. In den Schoß gefallen ist dem 31-jährigen Neo-Winzer aber nichts. Seit Jahren tigert er sich in die hohe Kunst des Weinmachens, lernt von routinierten Weinbauern, verschlingt alles Lesbare zum Thema Wein. Noch diesen Herbst will er seine eigene Vinothek im Südburgenland eröffnen. Und damit fing es ja eigentlich überhaupt erst an …

Liebe auf den ersten Blick. Der Fotograf verliebte sich in ein historisches Objekt in der Kellergasse Heiligenbrunn. „Es ist einer der ältesten Keller, erbaut 1748 und noch dazu einer der größten – mit fast 100 Quadratmetern und Lehmwänden“, schwärmt Georg Dujmovits. Die Liebe ist geblieben, wenngleich die rosarote Brille schon bald nach dem Ankauf der Realität wich. Denn um das zauberhafte, aber sanft schlummernde Objekt in eine öffentlich zugängige Vinothek zu verwandeln, hatte Dujmovits einige Hürden zu nehmen: von Verhandlungen mit Bundesdenkmalamt und Baubehörde bis hin zu Umwelt- und Naturschutz-Bestimmungen. „Es wurde ein sehr ambitioniertes Projekt, das mich schon seit Jahren beschäftigt“, sagt er mit einem Augenzwinkern.
Der historische Keller weckte aber sogleich sein Interesse für den Weinbau. Bestärkt wurde er darin ausgerechnet Tausende Kilometer fern der Heimat, nämlich in Sotschi. Er hatte 2014 seine Schwester, die Snowboarderin Julia Dujmovits, als Fotograf zu den Olympischen Winterspielen begleitet, als er mit dem namhaften Winzer Hans Polczer (Eisenberg) ins Gespräch kam. „Er hat mir angeboten, mich zu unterstützen. Wir wurden Freunde, es wurde eine sehr gute Verbindung daraus“, ist der Quereinsteiger bis heute dankbar.

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© Georg Dujmovits

Eine Beziehung mit großen Plänen. Noch im selben Jahr hat er sein Weingut angemeldet; DujmoVino steht von Beginn an für die Kombination aus traditionsreicher Weinbaukultur und der Offenheit gegenüber zeitgemäßen, naturschonenden Methoden sowie Mut zu neuen Wegen. Das spiegelt sich etwa im „neugeborenen“ Weingarten in seiner Heimatgemeinde Sulz bei Güssing wider. Sein Großvater hatte ihn auf den Plan gerufen, als er ihm schilderte, dass sein Elternhaus inmitten eines einstigen Weingartens steht. Georg Duj­movits startete bereits Anfang des Jahres mit einem ehrgeizigen Wiederbelebungsversuch …
Seinen eigenen Wein macht der Autodidakt aber nunmehr seit Jahren. Zum einen spezialisierte er sich auf den für die Region typischen Uhudler und kreierte kürzlich eine frische Eigenmarke, die „Rote Eule“ – mit weniger Säure und als Frizzante.
Wieso nun Hawaii? Weil er und seine Schwester dort quasi eine zweite Heimat fanden. Campen am Strand, Surfen und eine internationale Community inspirieren ihn, sagt er im Burgenländerin-Interview, nur wenige Stunden nachdem er aus dem Flieger gestiegen war. In seinen Hawaii-Weinen vereint er die Liebe zur Heimat, zu den fruchtbaren Böden und dem sanften Klima sowie einen Hauch Fernweh. Seine Devise: „Ein gutes Tröpfchen braucht ein Aloha“ (Liebe, Mitgefühl, Sympathie bzw. Gruß auf Hawaii, Anm.). Die Weine tragen Namen der Hawaii-Inseln. Die Edition hat es aber auch in sich: „Die Weine sind fruchtbetont und duften“, beschreibt Dujmovits. Dabei hat er sich auch ein paar Exoten erlaubt. Wie etwa den weißen Cuvée lanai aus Grünem Veltliner und Welschriesling. Zuspruch erhält der Autodidakt mittlerweile auch vom Fachpublikum. 90 Falstaff-Punkte gab es 2017 für seinen roten Cuvée maui (2014).

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© Georg Dujmovits


Die Geburt. Voll Vorfreude erwartet Dujmovits die Eröffnung seines revitalisierten Weinkellers, der in naher Zukunft auch einen Buschenschank beherbergen könnte. Dass „die Einzigartigkeit und der Charme der Kellergasse“ nicht als Museum verstauben, liegt ihm am Herzen. „Wir müssen aktiv bleiben.“ Aktiv bleibt Georg Dujmovits übrigens auch als Fotograf. Ein Liebesgeständnis an die Heimat in Bildern zeigt er mit der aus Winden am See stammenden Kollegin Sabine König: im Rahmen der Ausstellung „We  Burgenland“ im Projektraum Burgenland noch bis 6. Mai. Der Betrachter erlebt einen Streifzug durch das Land, bei dem sowohl „prominente“ Schönheiten als auch verborgene Schätze im Wandel der Jahreszeiten ins Licht gerückt werden.


Georg Dujmovits
… als Fotograf: www.dujmography.com
… als Weinbauer (inkl. Online-Shop): www.dujmovino.com
… und zum Verkosten:
• 14. – 16. Mai, Wien;
Burgenland-Kultinarium am Hof
• 9. – 11. Juni, Wien; VieVinum
in der Hofburg
• 7. Juli, Uhudler Sommerfest &
29. September, Uhudler Sturmfest; Kellergasse Heiligenbrunn