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People | 05.06.2018

Kein One-Hit-Wonder

Er prägte ganze Generationen und ist als „Mr. Hitparade“ nicht aus der Radio- und TV-Geschichte wegzudenken. Wir besuchten Udo Huber in seinem Haus in Andau.

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Mr. und Mrs. Hitparade. Udo Huber mit seiner Frau Edith und Magyar-Vizsla-Hundedame Misty. © Emmerich Mädl

Er hatte sie alle – die großen Stars der 80er- und 90er-Jahre gaben sich bei Udo Hubers Shows die Klinke in die Hand: von Bryan Adams über Freddie Mercury und Tina Turner bis zu Frank Zander, Kim Wilde oder Falco. Udo Huber war von 1974 bis 1997 als einer der längstdienenden Radiomoderatoren beim ORF tätig. Er moderierte von 1981 bis 1997 die Radiohitparade und ist seither weit über die Landesgrenzen hinaus als „Mr. Hitparade“ bekannt. TV-präsent war der gebürtige Wiener mit „Die Großen 10“ von 1983 bis 1993 und in vielen weiteren TV-Sendungen als Gast. Heute moderiert er den „Musiknachmittag mit Udo Huber“ auf Radio Wien, sonntags von 15 bis 18 Uhr. Er lebt bereits seit zehn Jahren mit seiner Frau Edith im burgenländischen Andau in einem um 1900 erbauten Haus, wo wir ihn für unsere Homestory besuchten.


Sie haben einmal gesagt: „Auch wenn ich den Medizinnobelpreis bekommen würde, wäre ich trotzdem für alle der Mr. Hitparade.“ Wie lebt es sich damit?

Dieser Beiname wird mir mein Leben lang bleiben, egal, was ich mache. Aber wie man sieht, kann man damit leben. Es gibt schlimmere Schicksale (lacht). Ich bin dadurch nicht gebrandmarkt. Pierre Brice war auch der ewige Winnetou, egal, welche Filme er noch gemacht hat.


Wie war die Umstrukturierung des ORF 1997 für Sie, als Sie plötzlich von Martina Kaiser abgelöst wurden, die ab dann die Ö3 Top 40 moderierte?

Ich habe das fast 17 Jahre lang gemacht. Natürlich war die Umstellung groß. Es ist auch einiges schiefgelaufen. Zuerst hat es noch geheißen, dass ich im ORF einige andere Sachen übernehmen werde, das hat aber nicht geklappt. Danach habe ich mich halt durchgehangelt, eine eigene Firma gegründet und viele Radio- und TV-Projekte gemacht. Aber Privatradios waren damals noch nicht so etabliert. Besonders stolz bin ich jedoch auf die jahrelange Formel-1-Berichterstattung, mit der ich in England für das beste und informativste Grand-Prix-Radio der Welt ausgezeichnet wurde.

 

"Radio ist bei Weitem nicht tot, sondern immer noch ein ständiger Begleiter." Udo Huber


Hatten Sie je einen Plan B, außerhalb von Radio und Fernsehen?

Nein, ich habe mein Leben lang ja nichts anderes gemacht.


Wie hat sich das Radio in den letzten 30 Jahren entwickelt und welchen Stellenwert hat es heute?

Radio ist bei Weitem nicht tot, sondern noch immer ein ständiger Begleiter. Natürlich hat sich aber das, was ich gemacht habe, stark verändert. Damals haben die Kids die ganze Woche darauf gewartet, wer Erster wird. Es war fast unmöglich, woanders Musikvideos ihrer Stars zu sehen.


Auch zu Hause läuft bei Ihnen immer Musik. Was denken Sie sich, wenn Sie heute Ö3 einschalten?

Ich muss nicht immer denken (lacht). Ja, es ist Ö3 und es ist okay. Ich mache jetzt Radio Wien und dort passe ich sehr gut hin. In meiner Show spiele ich viel aus den früheren Jahrzehnten, auch privat höre ich gerne Musik der 60er, 70er und 80er, aber auch 90er. Und der Vorteil ist, ich kann sehr viele persönliche Erfahrungen in meine Sendungen einfließen lassen. Ich habe doch einige Künstler bei mir in der Sendung damals gehabt.


Wer ist Ihnen da in besonderer Erinnerung geblieben?

Das ist schwer, es gab so viele. Lustig war zum Beispiel, als David Hasselhoff bei mir in den Großen 10 war. Das war in einem kleinen Ort in Oberösterreich, da ist der ganze Ort gekommen, um den Knight Rider zu sehen. Der einzige Ortsgendarm war völlig überfordert damit, die Leute von der komplett belagerten Landesstraße wegzubekommen. Hasselhoff ist gekommen, hat sich vier Obstler genehmigt und gemeint: „Here we go.“



Wie haben Sie die großen Stars sonst erlebt?

Ich muss sagen, die amerikanischen Künstler sind viel professioneller als die meisten hierzulande. Die sind freundlich, nett, offen und diszipliniert Medien gegenüber. Österreicher machen oft schon auf Superstar, wenn sie 500 Singles verkauft haben. Je größer die Stars, umso pflegeleichter, das ist meine Erfahrung. Zum Beispiel Chubby Checker und die Fat Boys – mit denen war ich in einer kleinen Diskothek. Der Backstage-Bereich war das Bierlager, wo man Bretter über die Fässer gelegt hat. Aber sie waren zufrieden und hatten gar kein Problem damit. In Amerika ist es schon immer so gewesen, dass große Künstler auch in kleinen Clubs gespielt haben, diese Szene fehlt mir hier in Österreich ein bisschen.



Gab es auch Kurioses?

Einmal haben sie mir den Udo Jürgens in die Großen 10 hineingedrückt, obwohl er nicht wirklich reingepasst hat. Er hat uns aber alle überrascht, indem er das Team zum Essen eingeladen hat. Wir waren dann zu zweit bis in die frühen Morgenstunden unterwegs. Mit dabei: eine Flasche Wodka und ein Glas Zitronensaft. Es war ein unheimlich netter und interessanter Abend.

 

Udo Huber in seinem beeindruckenden Haus mit seiner Katze.



Wie ging es Ihnen in der Zeit der Hitparade und der Großen 10 privat? Frau, Kinder, Arbeitsteilung?

Edith war damals Chefflugbegleiterin bei der AUA. Wir hatten beide also sehr unregelmäßige Arbeitszeiten. Unser Sohn wurde 1984 geboren. Unsere Arbeitsmodelle hatten aber auch Vorzüge, wir waren oft zu Hause, wenn andere arbeiten mussten, und konnten uns auch gemeinsam um unseren Sohn kümmern. Edith: Ich kenne nichts anderes, es war so und es war gut. Kinder leben wie die Eltern, für unseren Sohn war das normal. Durch die Schule kamen dann schon gewisse Regelmäßigkeiten, mit denen arrangiert man sich.


Frau Huber, wie lange sind Sie schon verheiratet und wie war es über die Jahre als die Frau an der Seite von Mr. Hitparade?

Oh, ich bin es ja schon so lange. Ich bin mit ihm groß geworden, habe ihn als kleinen Reporter kennengelernt. Wir haben jetzt unseren 31. Hochzeitstag gehabt. Oder den 32.? (lacht)
Udo: Wir haben heuer den 33. Hochzeitstag im Oktober und kennengelernt haben wir uns im Mai 1977!



Hat Ihnen Ihr Sohn in die Medienbranche nachgeeifert?

Nein, der ist so ziemlich das Gegenteil von mir. Er wurde vor zwei Jahren als Quantenphysiker vom Österreichischen Wissenschaftsfonds als einer der herausragendsten Wissenschaftler ausgezeichnet. Wenn ich damals nicht einen wirklich leiwanden Mathematik-Professor gehabt hätte, würde ich wahrscheinlich heute noch maturieren (lacht).



Wie kam es zur Entscheidung, ins Burgenland zu ziehen?

Wir haben uns damals viele Häuser in verschiedenen Bundesländern angeschaut. Als wir vor zehn Jahren hierher kamen und die Front gesehen haben, wollten wir zuerst nicht einmal aus dem Auto steigen. Der Makler hat uns überredet, einen Blick hineinzuwerfen. Edith hat dann sofort gesagt: Das ist es! Ich hatte vorher überhaupt keine Beziehung zum Burgenland. Aber wir waren sehr schnell eingelebt. Die Burgenländer sind so offen, auch uns Zua­groasten gegenüber. Man darf sich natürlich nicht ausschließen. Ich bin sofort Mitglied beim FC Andau geworden, war immer am Sportplatz, habe für den Musikverein moderiert, ging immer zu Veranstaltungen, vernetzte mich mit Leuten. Ich nenne das Nachbarschaftshilfe. Wenn ich etwas bereue, dann die Tatsache, dass wir nicht schon viel früher ins Burgenland gezogen sind.

 

Udo Huber mit Redakteurin Nicole Schlaffer im Garten.