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People | 11.07.2018

Adam und Eva

Oder: Warum müssen sie nur immer streiten? Die Schauspielerin Sigrid Spörk und der Kabarettist Stefan Haider in einem nicht immer ernsthaften Dialog über Liebe, Leben, Treue und das Licht, das oft erst spät aufgeht.

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Feiner Plausch im Café des Wiener Hotels Daniel. © Vanessa Hartmann

STEIRERIN: Adam und Eva, eine Geschichte voller Missverständnisse und Klischees. Oder, Stefan Haider und Sigrid Spörk?

Sigrid: Was ist typisch Frau, was typisch Mann? Bist du ein typischer Mann, Stefan?
Stefan: Wenn man als Religionslehrer über Mann und Frau nachdenkt, fragt man sich, ob das schon so passt oder ob doch ein Adaptergeschlecht fehlt. Aber ich denke, das gehört schon so. Ich glaube, eine Beziehung braucht gewisse Basics ...
Sigrid: Was meinst du damit?
Stefan: Es gibt Dinge, die kann man sagen, es gibt Dinge, die sollte man nur denken. „Du bist ein Geschenk des Himmels“ kann man sagen, „wie Hagel“ sollte man sich denken. Überhaupt ist es oft klüger, mit nur einer Meinung auszukommen, wie man nur ein Auto hat. Wer als Partner glaubt, immer alles neu erfinden oder durchsetzen zu müssen, ist auf dem falschen Weg.
Sigrid: Du meinst also, wenn wir das Gefühl bekommen, dass ihr Männer tut, was uns passt, sind wir zufrieden?
Stefan: Das war jetzt ironisch gemeint. Wenn ein Paar zusammenkommt, sollte es im Idealfall wie zwei Kreise mit einer größtmöglichen Schnittstelle sein. Gibt es die nicht, sollte man es lieber lassen.
Sigrid: Das stimmt. Nur muss man festlegen, was in der Schnittmenge Platz haben soll.
Stefan: Für dich?
Sigrid: Sex zum Beispiel. Ich meine, wir schwören uns Treue, bis dass der Tod uns scheidet. Ohne Sex wird das schon zäh ... Was sind die Schnittmengen für dich?
Stefan: Fix und exklusiv ist die für mich und meine Frau wichtigste Sache. Für mich ist betrügen alles, was man daheim nicht sagen kann.

... indem man daheim dann lieber das vierte Bier verschweigt?

Stefan: Ein amerikanischer Politiker sagte einmal: Wenn es auf Abend-
empfängen Alkohol gibt, dann gehe ich nur mit meiner Frau. Aber ernsthaft: Für mich ist die Ehe wichtig. Eine offene Ehe beispielsweise ist für mich eine, die nie geschlossen wurde.
Sigrid: Bist du deshalb Religionslehrer geworden?
Stefan: Genau (lacht).
Sigrid: Ich bin ja der Meinung, dass sich Paare anziehen mit ähnlichen Gedanken, Themen, Philosophien. Und ich finde, Liebe und Beziehung sind immer im Wandel. All das darf sich verändern. Was ist es am Ende des Lebens, wem hast du dich zu verantworten?


Warum ist es so schwer, sich dem Wandel hinzugeben?

Sigrid: Weil es schwierig ist, sich selbst zu hinterfragen. Und das braucht es nur einmal für Wandel.
Stefan: Schwierig wird's, wenn man mit dem Partner eins werden will.

Das klappt nicht. Beide Partner müssen alleine stehen können. Nähe – Distanz, das ist für mich ein ganz großes Thema. Darum habe ich eher diese Entertainerphilosophie – ich muss die anderen unterhalten und nicht sie mich. Geben ist seliger denn nehmen.

Sigrid: Im Endeffekt braucht es Auszeiten. Gerade wir Frauen tendieren dazu, in Selbstaufgabe zu gehen, auch ich, die ich Meisterin bin, mir Raum und Zeit zu geben.
Stefan: Grundsätzlich würde ich sagen: Ob eine Beziehung funktioniert oder nicht, hat viel mit Erwartungshaltung zu tun. Bernhard Ludwig hat dazu eine schöne Formel: Sexuelle Unzufriedenheit = Erwartetes durch Erreichtes. Erwarte dir viel, schaffe nichts und du wirst ein richtig unzufriedener Mensch.


Gibt es etwas, das Sie Ihren Religionsschülern erzählen, aber wissen, dass es der Realität nicht standhalten kann?

Stefan: Den Katechismus für Jugendliche lesen wir immer interessehalber. Wir wissen: Unverhütetem Sex nur in der Ehe stehen zwei Tatsachen im Weg: 1. hält sich niemand daran, 2. liegt zwischen den Möglichkeiten, zwischenmenschlich aktiv zu werden und zu heiraten, ein halbes Leben. Meine Schülerinnen und Schüler hören in meinem Unterricht natürlich, was die offizielle Lehre der Kirche ist. Dann geht es aber vielmehr darum, Verantwortung zu übernehmen und dass im Leben immer alles auf Gegenseitigkeit beruht. Was ich immer wieder bemerke: Treue ist den jungen Leuten extrem wichtig.
Sigrid: Treue basiert immer auf Kommunikation, Untreue entsteht, wenn nicht mehr geredet wird. Menschen leben heute lieber in Kurzzeitbeziehungen, die nach zwei Jahren gelöst werden, weil sie langweilig sind. Wenn du 20, 30 Jahre mit jemand beisammen bleiben willst, musst du kommunizieren. Und der Liebe immer wieder die Chance geben, wandelbar zu sein.
Stefan: Wer den Verliebtheitsrausch ausleben will, sollte sich nicht auf lange Beziehungen einlassen. Es gibt Leute, die auf diesen Hormoncocktail scharf sind, bis die rosa Brille klar zu werden beginnt. Wobei ich ein „Reden wir uns alles aus“ oft kontraproduktiv finde, weil es manchmal klüger ist, Dinge so stehen zu lassen und damit leben zu können, auch wenn man einmal nicht auf einen grünen Zweig gekommen ist.

 

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© Vanessa Hartmann

Die Frage, die sich in solchen Situationen stellt, ist: Wer ist dabei der Gescheitere, der nachgibt?

Stefan: Zu meinen Töchtern habe ich immer gesagt: Sobald du mit jemandem zusammenkommst und etwas entdeckst, das dir auf die Nerven geht: Gehe davon aus, dass das so bleiben wird. Ein neuer Partner ist kein Hornbachprojekt: neues Dach, einmal drübergestrichen, dann wird es super.
Sigrid: Mogelpackungen gibt’s aber auch bei Frauen! Wenn sie sich für das erste Date mords auftunen und der Mann am nächsten Morgen feststellen muss: Ups, das geht sich nicht aus. Früher hätte ich gesagt: Kein Sushi beim ersten Date, das geht nicht ohne Patzen. Heute sage ich: Sushi und nichts anderes, Charakter zeigen! Jede Frau, die sich über ihren angeblich zu dicken Hintern beklagt, verschwendet wertvolle Lebenszeit. Wir sollten damit aufhören, Mr. oder Mrs. Perfect zu suchen. Die gibt es nicht!
Stefan: Als Religionslehrer muss man da immer ein paar Weisheiten eingesteckt haben. Eine meiner Lieblingsweisheiten ist: Das Beste ist gut genug. In Wirklichkeit aber ist es umgekehrt: Gut genug ist das Beste!


Glaubt ihr, dass die Liebe im Wandel ist?

Stefan: Für junge Menschen ist es schwierig, sich zu binden. Es ist so einfach, über soziale Medien Kontakte zu haben, aber umso schwerer, sich für einen Menschen zu entscheiden. Das war schon immer herausfordernd. Wenn nur einer Geld verdient hat, ist man zusammengeblieben, egal, was passiert ist.
Sigrid: Fürchterlich finde ich Sachen wie Tinder. Menschen werden einfach weggewischt. Es geht doch um so viel mehr ... Zum Thema Gleichstellung: Obwohl ich verheiratet bin, bin ich unabhängig. Ich trage meinen 30 Kilo schweren Koffer, da bin ich stur. Das erlebe ich bei vielen Frauen. Wir verstecken zudem unsere Weiblichkeit, beginnen nach der Geburt sofort wieder zu arbeiten, müssen funktionieren. War ja bei mir auch so, ich habe halt das Glück, in einer Großfamilie zu leben und abgeben zu können. Gleichzeitig sind die Ansprüche an die Männer gestiegen: Sie müssen weich und sensibel und trotzdem stark sein.
Stefan: Was ist der neue Mann? Hart und weich zugleich? Staubsaugen nur bis 17 Uhr, dann nackt, um den anderen Bereich auch abdecken zu können, sofern man’s körperlich schafft? Die Ansprüche sind hoch, jeder Mann muss für sich selbst überlegen und ausmachen, was für ihn der männliche Part ist. Ich finde das positiv. Man kann als Mann so viel sein. Ich bin der Meinung, dass es für jeden Typ Mann auch Abnehmerinnen gibt. Und den klassischen Macho hat eh niemand gebraucht. Aber ich sehe noch in vielen Beziehungen oder in Gesprächen mit Schülerinnen, dass Frauen schon gerne „nach oben“ greifen, wenn es um Status oder Gehalt geht. Für Frauen ist es noch immer etwas anderes, sich für eine Familie entscheiden zu müssen, als für Männer. Da haben wir nach wie vor keinen Gleichstand. Das ist sicher etwas, das wir gesellschaftlich noch ausverhandeln müssen. In einer Beziehung oder Familie geht es nicht um die Optimierung des eigenen Spaßes, das hat auch mit Opferbringen zu tun.


Und zum Schluss bitte noch eine lustige Pointe …

Stefan: Laut erster Seite der Bibel hat Gott zuerst die ganze Welt erschaffen und danach erst Licht gemacht. Das beunruhigt mich. Vielleicht wäre es umgekehrt besser gewesen.