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People | 30.07.2018

Eine Powerfrau mit Charakter

Maggie Entenfellner liegen nicht nur Tiere am Herzen. Die Tausendsasserin sprach mit der BURGENLÄNDERIN darüber, wie sie Leben und Karriere schupft.

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Ihre beiden Hunde Heidi und Luise hat Maggie vor knapp einem Jahr gerettet, als sie erst ein paar Tage alt waren. Ihr Besitzer wollte die neugeborenen Welpen töten. © Barbara Amon

Wer ihr gegenübertritt, strahlt sofort selbst mit einem Lächeln. Die freundliche Power und positive Ausstrahlung von Maggie Entenfellner ist ansteckend. Wir besuchten sie in ihrem Zuhause in Neusiedl am See, wo sie mit ihrem Mann Rainer, Tochter Lia, zwei Hunden und drei Katzen wohnt. Die Emotionen im Interview gehen hoch – von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt haben wir alles durchlebt.

Wenn Maggie von ihrer Kindheit erzählt, wie sie mit ihren vier Brüdern auf dem großelterlichen Bauernhof aufwuchs und Kuhfladencontests veranstaltete („Wer mit den nackten Füßen in die knackigste Kuhflade springt, hat gewonnen!“) oder mit den kleinen Schweindln unter der Ferkellampe lag, strahlt der Schalk aus ihren Augen. Ihre Kindheit verbrachte sie in Geborgenheit, mit viel Liebe, nicht nur zur Natur, sondern auch zu den Menschen. Doch ohne große finanzielle Mittel. „Wir sind nie in Urlaub geflogen. Meine Eltern hatten das Geld einfach nicht.“

Umso erstaunter war sie dann bei ihrem ersten Job: Bei Lauda Air als Flugbegleiterin ging ihre erste Reise nach Bangkok – mit Niki Lauda als Pilot. „Es hat mir so getaugt, dass ich beschlossen habe, ich will die Welt sehen.“ Und so blieb sie bei Lauda, ganze zehn Jahre lang. Arbeitete sich sehr schnell hoch, „mir war nie eine Arbeit zu blöd, das, was ansteht, habe ich gemacht – und zwar mit Herzblut; das habe ich von meinen Eltern und Großeltern gelernt“, und wurde zur Leiterin der VIP-Flüge mit Niki Laudas Privatjet. Da flog sie unter anderem mit Phil Collins, Bruce Springsteen („ein furchtbar arroganter Mensch“), dem Dalai Lama und auch mit der Familie Dichand (Anm.: Hans Dichand war Herausgeber der Kronen Zeitung).

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Gemeinsam am Boot direkt vor der Terrasse ihres Hauses in Neusiedl: Maggie Entenfellner mit Redakteurin Nicole Schlaffer. © Barbara Amon

Flugzeug gegen Tierecke. Zu dieser Zeit pendelte Maggie zwischen Wien und Großwarasdorf (Mittelburgenland), wo ihr damaliger Freund wohnte, und war glücklich als Flugbegleiterin. Tierschutz verübte sie „nur“ im Kleinen: „Ich hab einfach geholfen, wo ich gekonnt habe. Hab ein Pferd aufgenommen, einen Hund vermittelt usw. Habe mich aber nie als Tierschützerin gesehen.“ Doch als Hans Dichand sie fragte, ob sie die Nachfolgerin von Edith Klinger werden möchte, hat sie die neue Herausforderung angenommen. „Frau Klinger hat massive Vorarbeit geleistet und den Tierschutz zum großen Thema gemacht. Mit mir kam dann ein anderer Schwung, wir haben einen neuen Verein gegründet, die Freunde der Tierecke.“ Es würden laut Entenfellner keine Overhead-Kosten anfallen, ihr Gehalt, das Büro, das Telefon, die Mitarbeiter bezahlt die Krone. „So gehen alle Spenden, die wir bekommen, eins zu eins in den Tierschutz. Wir unterstützen damit Vereine, Tierheime, aber auch private Personen, wie Mindestpensionisten, die sich ihr Tier nicht mehr leisten können. Wir kontrollieren jedoch sehr genau, ob jemand unterstützungswürdig ist.“

 

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Auch Bienen liegen der Tierschützerin besonders am Herzen. „Einstein sagte: ‚Wenn die Biene stirbt, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.‘ Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich möchte es nicht herausfinden müssen.“ © Barbara Amon

Hals über Kopf. Als energievoller und impulsiver Mensch steht Maggie nur selten im Abseits. Auch nicht, als sie ihren heutigen Mann kennenlernte. „Es war im August 1999 bei der Sonnenfinsternis. Wir wurden einander vorgestellt, ich war nicht sofort hochinteressiert, weil ich ja damals in einer Beziehung war.“ Doch dann sei es gewesen, wie als hätte der Blitz eingeschlagen, „ich wusste nur, ich will diesen Mann. Am selben Tag besorgte ich mir noch seine Nummer von einer Bekannten und rief ihn an. Wir trafen uns zum Essen und redeten unglaublich viel. Ich hatte mich total verliebt. Wir haben uns aber verabschiedet und ich bin nach Hause gefahren.“ Im Burgenland machte sie sofort mit ihrem Freund Schluss und zog quasi einen Tag später bei Rainer ein, also zwei Tage, nachdem sie sich kennengelernt hatten. „Es war total verrückt. Meine Familie und Freunde waren massiv geschockt und dachten, ich drehe jetzt durch. Ich war 30, Rainer 33 – wir haben beide gespürt, das ist es.“ Die Zeit danach war sowohl von Glück als auch von Trauer geprägt. Genau ein Jahr nach ihrem Kennenlernen heirateten Maggie und Rainer, doch Maggie verlor drei Kinder, bevor ein Jahr später, 2003, ihre Tochter Lia zur Welt kam.

Nun herrscht Frauenpower zu Hause, denn Tochter Lia ist in der Pubertät und hat das Temperament ihrer Mutter, gepaart mit der sachlichen Argumentationsfähigkeit ihres Vaters. „Bei uns geht’s oft ganz schön zu.“

 

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© Barbara Amon

Energiepool. Doch trotzdem – oder gerade deswegen – fühlt sich Maggie angekommen. In ihrem Job, in ihrem Leben – in der Verwobenheit von beidem. Schreiben für die ORF-Nachlese, die Krone-Tierecke, moderieren und gestalten von zwei ORF-Sendungen („Zurück zur Natur“ und die Tierrubrik in „Guten Morgen Österreich“) sowie diverse Moderationen von Veranstaltungen, Kongressen etc. Dass Maggie Entenfellner sehr viel am Wohl der Tiere liegt, fällt im Gespräch sofort auf. Mit Tränen in den Augen und auf den Wangen erzählt sie von ihrem Pferd, das vor vielen Jahren eingeschläfert werden musste, von den Tiertransporten, die sie gesehen hat, bei dem die Rücken der Rinder komplett blutig gescheuert waren.

„Steter Tropfen höhlt den Stein. Ich kann nicht die ganze Verantwortung der Politik zuschreiben. Die ist natürlich wichtig und kann verändern, aber in Wahrheit treibt die Gesellschaft die Politik an. Bei Bildern von Tiertransporten empören sich alle, aber sobald sie im Supermarkt stehen, entscheiden sie anders.“ Mit jedem Kauf von Fleisch würde jeder Einzelne über Tierwohl, Arten- und Naturschutz entscheiden und letztendlich auch über die Wirtschaft im eigenen Land. „Wenn ich keine regionalen Produkte nehme, die Bauern in der Region nicht unterstütze, dann fördere ich dieses krankhafte System der Massentierhaltung und der abscheulichen Tiertransporte. Seien wir ehrlich, wir müssen nicht päpstlicher sein als der Papst. Keiner muss Vegetarier werden. Aber es geht um einen bewussten Umgang. Ich muss mir immer vor Augen halten, dass dafür ein Tier sterben musste.“

Dass es sie wieder ins Burgenland gezogen hat, ist für sie ein Glücksfall: „Ich wünsche mir immer von meinem Mann, dass wir im Sommer nicht wegfahren. Weil ich es nirgendwo schöner haben kann als hier. Ich habe schon viel von der Welt gesehen und ich liebe auch die Stadt Wien. Aber das Burgenland ist mein Paradies und der Neusiedler See mein Energiepool.“