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People | 24.10.2018

Liebevoll mit Bass

Die BURGENLÄNDERIN sprach mit Sarah Kornfeld über das Business, die Liebe und die Aufregung im Rampenlicht.

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© Andrea Peller, Vanessa Hartmann, Markus Wagner, privat

Der Markt ist überrannt, das Business hart, die Castings anstrengend, die Proben strapazierend. Der Kampf in der Theater- und Musicalbranche wird zwar respektvoll ausgefochten, ist aber nichts für Zartbesaitete. Und doch gab es für Sarah Kornfeld aus Draßmarkt nie eine andere Option. Dass sie sich mit 50.000 anderen Bewerbern bei einem Casting misst und trotzdem Spaß dabei hat, ist wohl schon bezeichnend für ihren Charakter. Eine starke und selbstbewusste Frau sitzt beim Interview vor mir, die zugleich jedoch so jung und zierlich aussieht, als könnte ein falsches Wort sie umhauen. Als sie 2013 ihren Abschluss am Vienna Konservatorium machte, stand ihr Entschluss schon lange fest. In ihrer Kindheit tanzte sie Ballett, spielte Geige, nahm Gesangsunterricht – ihre Leidenschaft galt schon immer der Musik, dem Schauspiel und dem Tanz. „Ich wollte alles ausleben – und Musical ist die perfekte Kombination. Es war klar: Ich will nichts anderes machen. Einen Plan B hatte ich nie.“

 

Sarah Kornfeld in Cats als „Cassandra“ (ganz rechts).

 

Psychischer Stress & Glanzlichter

Plan A ist zum Glück aufgegangen. Sie bewarb sich bei Castings, kümmerte sich selbst um die An- und Abreise, probte hart und arbeitete viel. Wenn nach der Bewerbung die Einladung zu einem Casting kommt, bleibt aber auch ein kleines bisschen die Angst, unter den tausenden Casting-Bewerbern unterzugehen. Doch Konkurrenzdruck verspürt Sarah keinen. „Die meisten Bewerber checken sich gegenseitig ab, aber ich versuche, das komplett auszublenden, und konzentriere mich auf den Spaß, den es mir macht. Ich sehe keinen Sinn darin, Konkurrenz aufzubauen und sich anzubitchen.“ Gerade als Frau sei es in diesem Business schwieriger, weil es viele Mitbewerberinnen gibt – im Gegensatz zu männlichen Darstellern. Doch in den letzten Jahren hatte Sarah immer öfter Glück und bewies Talent. Seit 2010 (noch während ihrer Ausbildung) spielte sie in über 20 bekannten Produktionen mit. Nun ist sie bereits über ein Jahr bei der Wiener Agentur „Glanzlichter“ von Marika Lichter unter Vertrag und seither geht es noch steiler bergauf.

 

Sarah Kornfeld in Action in West Side Story als „Anybody’s“.


Nun steht ein neuer Meilenstein bevor: Sie bekam die weibliche Hauptrolle im Musical „Bat Out Of Hell“ von Jim Steinman, Deutschland-­Premiere am 8. November, und geht trotz großer Nervosität sehr selbstreflektiert an die Sache heran: „Ich freue mich irrsinnig darauf, habe aber wahnsinnigen Respekt davor. Auch der psychische Stress ist eine große Komponente, die Premiere, die Presse, ich stehe voll im Rampenlicht und bin dadurch auch extrem angreifbar. Ich muss erst lernen, das alles nicht zu nahe an mich heranzulassen.“

 

Er ist ihr Ruhepol und Mann an ihrer Seite: Manuel Steinwendter.

 


Wiedergefundene Liebe

Für ihre neue Rolle zieht Sarah nun ein Jahr lang ins deutsche Oberhausen (das Musical läuft bis Herbst 2019) und absolviert dort acht Vorstellungen pro Woche. In ihrem Privatleben spielt die Hauptrolle der Mann an ihrer Seite, mit dem sie seit einem Dreivierteljahr liiert ist. Die beiden waren bereits mit 13 Jahren schon einmal „zusammen“, damals noch ganz unschuldig am Gymnasium. Danach haben sie sich viele Jahre komplett aus den Augen verloren und vor knapp einem Jahr wieder Kontakt über Social Media aufgenommen. „Zu dieser Zeit war ich mit ‚Hairspray‘ auf Tournee und hatte zum Glück gerade eine mehrwöchige Tourunterbrechung. Wir haben uns getroffen und uns neu kennengelernt. Da hat es wieder Zoooom gemacht“, lacht die 28-Jährige. Es sei in ihrem Beruf wirklich schwer, einen Partner zu haben, der nicht aus der Branche kommt. Doch der gebürtigen Draßmarkterin ist das viel lieber. „Weil ich zu Hause über etwas anderes reden möchte als über Musicals, Auditions und Proben. Aber ich habe halt nicht so viel geregelte Freizeit wie andere.“ Ihr Partner hingegen schon. Manuel Steinwendter (27) aus Deutschkreutz ist Lehrer für Deutsch und Turnen an der Neuen Mittelschule in Eisenstadt. Zusammen leben die beiden ihre gemeinsamen Leidenschaften aus („Sport und Essen!“). „Ich mag an Sarah, dass sie liebevoll sowie auch ehrgeizig und zielstrebig ist. Dass wir oft getrennt sind, fällt mir nicht leicht. Aber Sarah hat meine volle Unterstützung, wir telefonieren jeden Tag und sehen uns in jeder freien Minute. Genauso wichtig ist es für mich, dass sie mich auch in meinen Belangen unterstützt, sei es die Schule oder das Fußballspielen.“ Die beiden sind absolute Familienmenschen, der Kontakt zu ihren Eltern, Großeltern und Geschwistern ist ihnen sehr wichtig, weswegen wir auch das Interview bei Manuels Oma im Garten führen. Umgekehrt fühlt sich Sarah bei Manuel angekommen und auf den Boden geholt. „Er ist wirklich mein Ruhepol und es tut mir oft leid, wenn er meinen Stress abkriegt.“ (lacht)
Gemeinsam mit der Familie wird ab und zu auch nach den Vorstellungen noch der Abend genossen, da sind auch mal Sarahs ehemalige Schauspielkollegen Uwe Kröger und Hansi Kraus mit von der Partie. Doch sonst hält es Sarah privat gerne ruhiger. „Privat möchte ich nicht immer im Mittelpunkt stehen. Auf der Bühne lebe ich das gerne aus, aber daheim ist es was anderes. Das einzig Laute zu Hause ist die Rockmusik, die ich gerne höre.“ In diesem Metier sieht sich Sarah auch künftig. „Je älter du als Musical­darstellerin wirst, umso weniger Rollen gibt es, da sehe ich mit meiner rockigen ‚Kampf-Bass-Stimme‘ positiv in die Zukunft, weil diese Rollen öfter älteren Frauen zugeschrieben werden.“


TIPP

Bat out of Hell

Im rockigen Musical „Bat out of Hell“ ist ­Sarah Kornfeld (28, aus Draßmarkt) ab 8.11. im Stage Metronom Theater in Oberhausen (D) in der begehrten weiblichen Hauptrolle („Raven“) zu sehen. Das Stück, umrahmt von Songs der Rock-Legende Meat Loaf, beschreibt die mitreißende Liebesgeschichte zwischen dem unsterblichen Anführer einer jungen Rebellengruppe und der schönen Tochter eines tyrannischen Herrschers.

 

© Andrea Peller, Vanessa Hartmann, Markus Wagner, privat