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People | 29.10.2018

Zu zweit eins mit der Musik

Das Rolling-Stone-Magazin lobt sie als die Überraschung des „Primavera Sound“-Festivals in Barcelona, ihr „Mapache“-Video erreicht in kurzer Zeit knapp 140.000 Aufrufe.

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© Vanessa Hartmann

Er rückte gefährlich nahe heran.„Don’t play the didge, don’t play the didge“, wiederholte der stattliche, langhaarige Aborigine eindringlich. Offenbar hatte er das Gefühl, die schöne Künstlerin auf der Bühne bedrohte seine Tradition, demnach das Didgeridoo-Spiel Männern vorbehalten ist. Nur wenige Augenblicke später entfachte in der schmuddeligen Bar, irgendwo im australischen Winter eines Hippie-Dorfes, auch noch eine Schlägerei … Das sei „die Talsohle“ ihrer Laufbahn gewesen, verrät Stephanie Louise Widmer. Ein Lächeln umspielt ihre Lippen, denn der Großteil dieser ersten Tour durch Australien ist mit schönen Erinnerungen, mit unvergesslichen Abenteuern bestückt. Gerade erst Anfang 20, gegründet im elterlichen Keller-Studio in Mörbisch, und weder dies- noch jenseits der Grenze bekannt, brachte Cari Cari schon damals volle Locations zum Vibrieren, wurde mit tosendem Applaus und spontan etwa mit einem Tauchgang am Great Barriere Reef beschenkt. „Das war die Tour, bei der wir zur Band wurden“, sagt Ale­xander Köck.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

FREI IM MUSIK­UNIVERSUM.

„Wenn wir von etwas überzeugt sind, lassen wir uns nicht abbringen“, sagen Cari Cari  im Interview.

 

Nr. 1 der FM4-Charts.

Vier Jahre später erlebt das Duo einen Sommer 2018 voller Highlights. Eines gelingt am international bekannten „Primavera Sound“-Festival in Barcelona. „Wir spielten auf einer kleinen Bühne, eigentlich beim Durchgang zu den großen. Aber innerhalb kurzer Zeit standen wir vor rund 5.000 Leuten und es ging total ab“, strahlt Stephanie Widmer. „Das Rolling-Stone-Magazin nannte uns ,die Entdeckung des Festivals‘.“ Wenige Wochen darauf stellt Cari Cari ihr aktuelles Video „Mapache“ online. Inspiriert vom Italowestern, schrieben die beiden das Drehbuch selbst, fuhren mit dem Kameramann Roland Kluger an einstige Winnetou-Drehorte in Kroatien. Sie, die als Kind davon träumte, Schauspielerin zu werden, wurde zur Jägerin, er schlüpfte in ein Waschbärenkostüm. Nicht nur das Ende des schrägen Minifilms kommt unerwartet; „Mapache“ sprengt in nur wenigen Wochen die Erwartungen vieler. Auf YouTube zählt es bis zum Druck dieser Ausgabe rund 140.000 Aufrufe, schon Ende August ist der Song Nummer eins der FM4-Charts. „Und das, obwohl viele gemeint haben, ,Mapache‘ wird als Single nicht funktionieren“, sagt Alexander Köck. „Doch genau das macht uns aus: Wir verwirklichen zu hundert Prozent unsere Vorstellungen. Wenn wir zwei von etwas überzeugt sind, lassen wir uns nicht abbringen, dann ziehen wir es durch.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Alexander Köck


Zwei Welten.

Von Kindesbeinen an spielte er Gitarre, auch viele Jahre am Haydnkonservatorium in Eisenstadt. Er hatte eine Band, gründete schon mit 17 ein Label für elektronische Musik. Dann begegnete er Stephanie, die damals an einem Soloprojekt arbeitete. Ihre Entwicklung war völlig konträr. „Ich habe als Kind Geige an der Musikschule gelernt. Ob es am Alter oder am Unterricht lag, ich mochte es nicht. Ich verstand schon die Noten nicht; da schob ich der Musik für viele Jahre einen Riegel vor“, erzählt sie. Noten interessieren die 25-Jährige bis heute nicht sonderlich. Doch mit etwa 15 findet sie einen neuen Zugang. Sie sieht sich YouTube-Videos an, beginnt intuitiv zu experimentieren und erweitert sukzessive ihr Instrumentarium: Stimme, Schlagzeug, Gitarre, Synthesizer, Maultrommel, Didgeridoo … „Als wir uns begegneten, war ich irgendwie schon verbissen“, lacht Alexander Köck. „Wir begannen zu jammen und ich sagte anfangs oft: Das geht nicht, das kann man so nicht machen. Sie fragte: Warum nicht?“ Eine Antwort brauchte es darauf nicht, irgendwann fügten sich ihre beiden – ihre natürlich gewachsene und seine professionelle – Musikwelten zu einem Ganzen zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Stephanie Louise Widmer.


Für Quentin Tarantino.

Ihr Stil kennt viele Bezeichnungen; von einer musikalischen Verwandtschaft zu Ennio Morricone und The Kills ist in Musikmagazinen die Rede. Besser als eine Schublade passt vermutlich jene Zuschreibung der Fans, die Cari Cari gern in einem Tarantino-Film hören würden. Mittlerweile ist das sogar erklärtes Ziel und gar nicht außer Reichweite; bereits zwei ihrer Songs waren in der US-Erfolgsserie „Shameless“ zu hören.
Wie es Cari Cari gelingt, am knallharten Musikpflaster zu überleben – und vor allem von der Musik zu leben? „Manche bekommen für einen Auftritt 200 Euro und können davon leben, andere ein paar Tausender und verpulvern sie für Drogen und Partys. Wir gehen nüchtern auf die Bühne und meistens bald nach dem Konzert schlafen, damit wir die oft mehrstündigen Fahrten zum nächsten Konzert schaffen“, sagen sie.
Als der bisher erfolgreichste Song gilt „Nothing’s Older Than Yesterday“. Doppelbödigkeit und Botschaften müssen nicht immer sein, findet Alex Köck. Diese Nummer allerdings erinnert daran, im Moment zu leben, Dinge einfach zu tun. Das beherzigte Cari Cari selbst für das Video. „Wir saßen in einem japanischen Lokal in Wien und dachten plötzlich: Wieso fliegen wir dafür nicht nach Tokio?“, schildert er. Die beiden drehten alles selbst, sogar den Schnitt machte Alex in Eigenregie. Sämtliche Illustrationen von Website und Co. stammen übrigens aus der kreativen Feder von Stephanie. Kein Wunder also, dass Insider sie die „Do-it-yourself-Band“ nennen. „Das brauchen wir nicht für unser Ego“, lacht Alex. „Es ergibt sich einfach natürlich; wir zwei schaffen uns unsere Welt.“

 

CARI CARI

 

… wurde von Alexander Köck und Stephanie Louise Widmer in Mörbisch gegründet; ihre Debüt-EP ­„Amerippindunkler“ (2014) wurde sogleich international hochgelobt, ein Song mit magischer Anziehungskraft darauf: „White Line Fever“. Das erste Album namens „Anaana“  kommt diesen November, die Tour dazu startet in Österreich: am 2. November in Linz, am 10. November im Wiener Flex. Die Live-Konzerte zelebriert das Duo zumeist mit einem dritten Musiker, dem Schlagzeuger Ivo Thomann. Zuletzt wurde Cari Cari beim Waves Vienna Festival mit dem XA Export Award ausgezeichnet; der ORF-„kulturMontag“ zeigt am 12. November eine Doku ihres Videodrehs für den „New European Songbook 2018 – War & Peace“ (Initiative der Europäischen Rundfunkunion). Sie wurden als der österreichische Beitrag mit dem Song „Dark Was the Night, Cold Was the Ground“ ausgewählt.
wwww.caricariragazzi.com