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People | 27.11.2018

Feuer und Flamme

Wenn es um Gemütlichkeit und Wohlbefinden im eigenen Heim geht, stehen Kachelöfen hoch im Kurs. Wir besuchten eine der wenigen Hafnermeisterinnen Österreichs, Brigitte Schrödl aus Stoob.

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Für Brigitte Schrödl kam nie ein anderer Beruf infrage – sie liebt die Arbeit mit Menschen und die Verbindung von Ästhetischem mit Nützlichem. © Vanessa Hartmann

Je hektischer der Alltag, desto größer ist unser Bedürfnis nach Formen des Rückzugs. Geborgenheit sowie das Finden von Harmonie und Gleichgewicht (die Dänen nennen es „Hygge“, die Schweden „Lagom“) – beides vereint sich in der woh­ligen Wärme eines Kachelofens oder Heizkamins. Er gibt Wärme ab, die besonders tief unter die Haut geht und wohltuend die Muskeln entspannt. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie bei der Sonnenstrahlung. Ins Feuer zu schauen wirkt meditativ, das Flackern und Knistern der Holzscheite trägt zur Beruhigung der Gedanken bei. Harte Lehrzeit. Brigitte Schrödl aus Stoob kennt die Wirkung von knisterndem Feuer – sie hat sie zu ihrem Beruf gemacht. „Ich wollte nie etwas anderes machen. Es war für mich schon sehr früh klar, dass ich in die Keramikfachschule gehe.“ Ihr Vater, Franz Schrödl, hat vor 37 Jahren den Hafner-Betrieb in Stoob gegründet –  und das Unternehmen neben seiner Tätigkeit als Lehrer an der Keramikfachschule in Stoob (die einzige Fachschule ihrer Art in Österreich) aufgebaut. Seine drei Töchter besuchten allesamt diese Schule – die mittlere hat den Betrieb schließlich übernommen.

Der Kachelofen wandelte sich vom Wärmespender zum Designobjekt. Brigitte Schrödl, Hafnermeisterin

Brigitte Schrödl ist alleinerziehende Mutter zweier Söhne (14 und 18 Jahre) und übernahm 2003 die Firma ihres Vaters. Davor sammelte sie im Betrieb viel Praxis und machte ihre Lehre, was nicht immer einfach war: „Mein Geselle hat es mir nicht leicht gemacht, ich habe schwer geschleppt und hart gearbeitet – aber dabei auch sehr viel gelernt. Trotzdem musste ich mir als einziges Mädchen unter Männern oft blöde Sprüche anhören. Und selbst die Grundbedürfnisse waren nicht einfach zu handhaben: Die Baustellen waren fast immer in Rohbauten und damals gab es noch keine Vorschrift für Mobil-WCs …“, darüber lacht die 47-Jährige heute. Damals hat die schwere körperliche Arbeit sie belastet, aber die Liebe zum Beruf hat sie ihr nie genommen.


Selbst & ständig im Familienalltag.

Diese Leidenschaft zum Hafnerberuf hat auch ihr ältester Sohn Thomas (18) für sich entdeckt und möchte in die Fußstapfen seiner Mutter treten. Nach seiner Hafnerlehre absolviert er derzeit einen Aufbaulehrgang mit Matura an der Keramikfachschule. Bei seiner Gesellenprüfung heuer gab es noch zwei andere Anwärter, vor 10 bis 20 Jahren waren es noch pro Jahr 15 Berufsschüler. „Es ist so schade, dass das Handwerk immer mehr ausstirbt.“ Schrödl beschäftigt heute zwei Arbeiter, die die Öfen setzen, sie selbst kümmert sich von der Besichtigung über die Planung bis zur Bestellung und Abnahme um alles rundherum. „Ich bin aber auch fast täglich auf den Baustellen anwesend und sehe nach dem Rechten. Am Abend fällt meist noch einiges an Büroarbeit an. Mein Tag beginnt um fünf Uhr morgens und endet immer unterschiedlich – zwischendurch muss natürlich auch noch der Familienalltag bestritten werden, was durch die Unterstützung meiner Eltern auch sehr gut gelingt.“


Vom Funktionsgegenstand zum Designobjekt.

Bei ihrer Meisterprüfung 1993 trat Brigitte Schrödl mit 33 anderen Kandidaten aus ganz Österreich an. „Von den 33 Anwärtern waren wir drei Frauen.“ Zum Vergleich: Im Jahr 2018 waren es insgesamt nur 15 Anwärter. Auch sonst hat sich in den letzten Jahrzehnten viel verändert. Während vor 30 Jahren viele Häuser eine zusätzliche Heizquelle benötigten, ist diese Notwendigkeit aufgrund der neuen Bautechniken in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Aber heute wissen Häuslbauer eine alternative Wärmequelle wieder sehr zu schätzen. Der Kachelofen bzw. der Heizkamin ist von einem notwendigen Wärmespender zu einem Designobjekt geworden, das die Wohnräume mit Geborgenheit und ästhetischer Wärme füllt. Auch das Aussehen der Öfen hat sich enorm gewandelt. „Früher war blau sehr modern und runde Formen, Kuppeln und ähnliches, meist hatte der Kachelofen auch gar kein Sichtfenster. Heute liegt der Trend bei so gut wie keinen Fugen, großflächigen Fliesen und schlichtem weißem Verputz mit Farbtupfern in Grau- oder Beigetönen – dafür aber große Sichtfenster, Eckverglasungen oder Tunnelverglasungen.“ Auch wenn sich die Branche gewandelt hat, ist sie beständig in der Handwerksbranche verankert und bringt einen wichtigen Zusatznutzen für die Menschen – das bestätigt auch eine Studie der Versuchs- und Forschungsanstalt der Hafner: Beim Kachelofen konnten die Probanden schneller entspannen als bei einem Heizkörper. Das Verweilen am Kachelofen lässt die Sorgen des Alltags rascher vergessen.

Kachelöfen
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Neben Grautönen sind Erdfarben sehr stark im Kommen.
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Im besten Fall integriert sich ein Kachelofen oder Heizkamin wie ein Möbelstück in den Raum.
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