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People | 03.01.2019

800 Leben

Wer sich Gedanken über das Leben macht, der will Antworten. Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl bekommt diese bereits seit 21 Jahren in ihrer Radiosendung. Daraus ist ihr neues Buch entstanden, in dem große Lebensfragen beantwortet werden.

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Das neue Buch von Moderatorin Claudia Stöckl liefert Antworten auf Lebensfragen. © Beigestellt

Wo beginnt das Glück? Wo finde ich Gott? Und wie gelingt die Liebe? Lebensfragen, die die Ö3-Moderatorin Claudia Stöckl jeden Sonntag seit mittlerweile 21 Jahren in ihrer Sendung „Frühstück bei mir“ mit berühmten Persönlichkeiten bespricht und diskutiert. Daraus ist eine fixe Institution geworden, die begeistert und inspiriert – auch sie selbst. Und fast jeder Gast habe laut Stöckl dazu beigetragen. Das ist der Stoff, aus dem große Geschichten geschrieben werden, dachte sich die Moderatorin und hat in ihrem neuen Buch „Interview mit dem Leben“ die großen Lebensfragen über Glück, Liebe oder Abschied aus den Gesprächen mit ihren Gästen beantwortet und mit persönlichen Erlebnissen, Gedanken und Schlüssen zu den Themen ergänzt. Die STEIRERIN hat die Autorin bei ihrem Graz-Besuch zum Talk getroffen und nachzufragen, was denn nun der Schlüssel zum Lebensglück sei.

Seit 21 Jahren sind Sie mit interessanten Promi-Gesprächen Teil des Sonntagvormittags-Rituals geworden. Mit wie vielen Gästen haben Sie schon gefrühstückt?

Das müssen jetzt 1.080 Sendungen sein; man muss dazusagen, dass die großen Stars öfter bei mir waren. Also sind es rund 800 Gäste. Herbert Grönemeyer zum Beispiel kommt jetzt zum achten Mal zu mir, auch Niki Lauda war schon zehn Mal in meiner Sendung.


Und wie viele davon haben Ihr eigenes Leben ein Stück weit beeinflusst?

Das kann ich in Zahlen gar nicht ausdrücken, ich würde sagen fast jeder. Ich gehe nach jeder Sendung raus und habe ein, zwei Sätze mitgenommen, worüber ich nachdenke. Das ist auch das Ziel des Buches: dass man den Lesern etwas mitgibt, das bewegt, wovon man lernen kann oder sich Lebensfragen anders beantworten lassen. Thomas Bubendorfer hat einmal gesagt: „Durch den Fehler lernt man das Richtige.“ Das ist ein Satz, der mir geblieben ist und klar macht, dass sich Krisen auch anders bewerten lassen.

 

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Hollywood-Feeling: Schauspieler Christoph Waltz entspannt beim Frühstücks-Talk. © Beigestellt

Das war dann mitunter auch Inspirationsquell für Ihr neues Buch. Wie entscheidet man, welche Promis tatsächlich die besten Weisheiten weitergeben?

Ich habe zunächst mit den Lebensthemen begonnen und mich den Fragen aus der Sendung genähert. Als ich dann diesen großen Fragen, die uns alle beschäftigen, nachgegangen bin, sind mir zu diesem Themen bestimmte Gäste eingefallen, die auch mir etwas mitgegeben haben.

Welche Weisheit ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Falco hat zu mir gesagt: „Wenn der Erfolg schneller wächst, als die Seele wachsen kann, dann hat man ein Problem.“

Was machen Sie, wenn Sie mit bestimmten Aussagen Ihrer Gäste gar nicht d’accord gehen? Lassen Sie sich lieber auf Diskussionen ein oder doch belehren?

Ich versuche, die Menschen immer auf Augenhöhe zu treffen, und mit Fingerspitzengefühl frage ich freundlich nach oder stelle ebenso meinen Standpunkt klar. Auch dahinter stecken große Geschichten.
Außer bei Elyas M’bare, mit ihm wollte ich über „Was lerne ich aus Scheitern“ sprechen und er wollte offensichtlich nicht erzählen. Das war die längste Stunde meines Lebens, weil er hat mir Ein- bis Zwei-Satz-Antworten gegeben (lacht).

 

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Auch die Legende Falco hatte Claudia Stöckl vorm Mikro. © Beigestellt

Ich nehme aus  jeder Sendung ein bis
zwei Sätze mit, über die ich nachdenke.

- Claudia Stöckl

Wie gelingt denn nun das Leben?

Der Richard David Precht beschreibt das sehr gut, indem er sagt: Es geht weniger um die Glücksmomente, sondern um die Bilanz. Und die Bilanz soll zeigen, dass man ein erfülltes Leben gehabt hat. Das Wichtigste ist, dass man sein Glück als Resümee zieht und nicht erwartet, dauernd Glücksmomente zu erleben. Das geht ganz sicher nicht. Jeder von uns hat schwierigere Momente, aber am Ende der Jahre sollte man sagen können, dass das sein Leben überwiegend positiv war. Auch meines ist nicht jeden Tag glücklich und erfüllt.

In Ihrem Buch geht es auch um Entwicklung und Scheitern. Wo sehen Sie weltlich gesehen Entwicklungsbedarf?

Ich habe ein Hilfsprojekt in Kalkutta, wo wir Kinder von der Straße mit einem ehrenamtlichen Team versorgen, ihnen einen Heimplatz und Schulbildung geben. Deshalb befasse ich mich oft mit dieser Schräglage des Lebens. Vor Ort sehe ich aber auch, wie unsere Kinder neu erblühen und wie schön es ist, Möglichkeiten weiterzugeben. In diesen Situationen wird mir klar, in welchem Luxus wir leben und wie viel Hilfe andere Länder noch brauchen.

Ihr ganz persönlicher Rat an Ihre Hörer und Leser?

Dieses „Im-Moment-Leben“ geht leider immer öfter verloren. Vor allem durch die digitale Zeit. Jene, die das schaffen, haben einen viel höheren Lebensgenuss. Ich habe mit dem Glücksminister von Buthan gesprochen, der meinte, dass wir ein Glückstagebuch führen sollten, in dem wir niederschreiben, welche Begegnungen und Handlungen uns glücklich gemacht haben. Und genau diese sollten wir so oft wie möglich wiederholen, weil sie uns in einen positiven Zustand versetzen.

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Kabarettist Michael Niavarani zu Gast bei Claudia Stöckl. © Beigestellt
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Bereits zum 8. Mal erzählte Sänger Herbert Grönemeyer bei der Sendung „Frühstück bei mir“ über sein Leben. © Beigestellt