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People | 18.04.2019

„Ich lasse mir keinen Stempel aufdrücken“

Sie weiß, was sie will – ohne Rücksicht auf Verluste. Straight und loyal bahnte sich Tina Well ihren Weg an die Spitze der heimischen Musikszene. Viele Stolpersteine inklusive. Ein ganz persönliches Interview.

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"Sängerinnen haben ein Ablauf­datum. Ohne Spritzi­gkeit und Jugendlichkeit will dich keiner mehr sehen." Tina Well, freischaffende Musikerin © Viktor Fertsak

Alles andere als eine Träumerin ist sie.

Mit beiden Beinen fest im Leben und immer fokussiert auf das, was zu tun ist. „Das Anstrengendste ist: sich immer wieder neu erfinden zu müssen.“ Tina Welleditsch weiß, was harte Arbeit bedeutet. Sie ist das glänzende Paradebeispiel für eine steinige Karriere mit vielen privaten Abstrichen, die letztendlich in einen großen Erfolg mündet. Ganz offen – was absolut ihrem Naturell entspricht – erzählt sie uns in ihrem Reihenhaus in Eisenstadt, wie sie zu einer der erfolgreichsten freischaffenden Musikerinnen des Burgenlands wurde und warum sie dieser Weg zwei Ehen gekostet hat. Familie & Karriere. Begonnen hat alles mit einem feucht-fröhlichen Karaokeabend in Mödling vor rund 18 Jahren. Bis dahin hatte Tina nicht einen Gedanken daran verschwendet, einmal auf einer Bühne zu stehen und zu singen. Dort wurde sie vom Fleck weg zu einer Bandprobe gebeten und tingelte daraufhin mit unterschiedlichen Besetzungen durch die Lokale. Nachdem sie quasi Blut geleckt hatte, wollte sie mehr: knüpfte Kontakte, probte nächtelang, nahm Gesangsunterricht und erstellte ein Marketingkonzept. Über Umwege wurde sie vom Schlagzeuger der „Playboys“ (Anm: die Schulballband der 2000er-Jahre) entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt schupfte sie einen 40-h-Job, ein Duo-Musikprojekt und die vielen Auftritte mit den „Playboys“. „Ich hätte mir nie gedacht, dass ich mal vor so vielen Leuten singen werde, und hatte das auch nie im Sinn. Der ganze musikalische Weg war für mich ein einziger Zufall“, konstatiert Tina. 2010 wollte sie sich jedoch auf die Familiengründung konzentrieren, verließ die „Playboys“ und machte nur noch mit dem Duo-Projekt weiter. Im Oktober 2011 kam ihr Sohn zur Welt und nur drei Monate später stand Tina wieder auf der Bühne. Drei Jahre später stellte die Geburt ihrer Tochter nochmal ihr Leben auf den Kopf. Fünf Monate danach folgte die Scheidung von ihrem ersten Mann, dem Vater ihrer zwei Kinder. „Das hat sich abgezeichnet. Ich hatte mit der Band den totalen Aufschwung und unsere Beziehung hat das überhaupt nicht ausgehalten. Mittlerweile kommen wir gut miteinander aus. Doch ohne meine Mutter würde ich das alles nicht so schupfen können, sie ist meine Heldin.“ Einige Zeit später folgte eine zweite Ehe, die sehr schnell in die Brüche ging und Tina viel Kraft abverlangte.

 

Haben sich auf der Bühne verliebt: Tina Well und Wolfgang Glöckl („Mimose darf man bei ihr keine sein.“)



Zufriedene Realistin

Doch sie ließ sich von den privaten Rückschlägen nicht unterkriegen und arbeitete weiter an ihren Musik-Projekten. 2016 beschloss sie, dass die einzige Konstante in ihrem Leben auch die absolute Kontrolle über ihre berufliche Zukunft haben sollte: nämlich sie selbst. Aus den diversen Band-Formationen und Band-Namen wurde eine Marke: Tina Well. „Ich hab mir mein eigenes Equipment zugelegt und wollte absolut unabhängig sein. Tina Well war nun vielfältig: entweder solo oder smart (in der Trio-Formation) oder auch premium (als Sextett), je nach Budget und Veranstaltungsgröße.“ Und der Plan funktionierte: 2017 ging es steil nach oben. „Was sich von 2016 bis 2019 getan hat, ist unglaublich und ging mir fast ein bissl zu schnell. Alles, was schnell wächst, kann auch schnell wieder einstürzen. Es ist die eine Sache, ein Ziel zu erreichen, die andere Sache ist, den Zustand zu halten.“ Als Realistin träume sie nicht von dem großen internationalen Durchbruch, wie vielleicht viele andere. „Zufriedenheit ist ein unendlicher Luxus. Ich habe meine Kinder, mein Haus und einen Job, den ich liebe. Ich will nichts anderes, als dass es so bleibt.“

 

Beim Videodreh in Trausdorf entfesselte Tina Well mit ihren Musikerkollegen als Sextett das Publikum. Von links: Lenny Dickson, Rudi Neumayr, Tina Well, Fred Kern, Marco Weichselbraun und Wolfgang Glöckl.

 


Missgunst, Neid & Divenhaftigkeit

Ihr Lebensgefährte und Bandkollege Wolfgang Glöckl (50) sieht in Tina eine Frau, die sich nichts vorschreiben lässt, von der man jedoch auch alles haben kann. Das ist einer der Gründe, warum er sich in seine „Chefin“ verliebt hat: „Mimose darf man bei ihr keine sein. Sie spricht sowohl Lob als auch Kritik offen aus, aber man weiß immer, woran man bei ihr ist. Und ich liebe ihre Energie, die mich oft aus meinem Phlegmatiker-Dasein rausreißt (lacht).“ Und diese Energie ist auf der Bühne regelrecht spürbar. Neben ihrem breiten Repertoire und ihrem Charme entfesselt Tina Well das Publikum mit einer Stimme, die unter die Haut geht. Dass sie selbst oft unter großem Druck steht, sieht man ihr auf der Bühne absolut nicht an. „Ich werde heuer 38. Wenn es gut geht, habe ich noch zehn Jahre auf der Bühne. Sängerinnen haben ein Ablaufdatum. Wenn du nicht entsprechend aussiehst und eine gewisse Spritzigkeit und Jugendlichkeit auf der Bühne versprühst, will dich keiner mehr sehen.“ Sie sieht ihre spätere Zukunft deshalb in der Organisation. Mit dem Aufbau eines Netzwerks möchte Tina irgendwann abseits der Bühne agieren. „Ich weiß, was ich will, was dazugehört, und mache es. Ohne Rücksicht auf Verluste. Wenn ich etwas will und mir steht jemand im Weg, dann marschiert er. Da bin ich beinhart, das ist der Preis, den ich zahle.“ Als weibliche Leadsängerin habe man es doppelt so schwer – die Musikerkollegen sind meist ausschließlich männlich. Nicht alle kämen damit klar, dass ihnen eine Frau sagt, was sie zu tun haben. Auch der Neid unter Sängerinnen sei groß, es gebe viel Missgunst. Doch das berührt Tina alles nicht. „Ich bin niemandem etwas neidig. Wenn ich Doppelbuchungen habe, leite ich die Gigs weiter an eine liebe Freundin. Viele Frauen vergönnen der anderen einfach nichts. Männer sind da gerader, können aber auch sehr divenhaft sein (lacht).“ Jedenfalls brodelt es in Tina, sie trägt viele Ideen mit sich herum. Doch das Wichtigste ist für sie, authentisch zu bleiben. „Ich mag es nicht, wenn jemand sagt, du schaust aus wie die Pink oder du singst wie die und die. Ich bin ich und ich singe, wie ich kann. Ich lasse mir keinen Stempel aufdrücken. Ich erfinde mich eh immer selber neu. Das muss reichen.“

 

 

Impressionen
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Beim Videodreh in Trausdorf entfesselte Tina Well mit ihren Musikerkollegen als Sextett das Publikum.
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Tina Well mit BURGENLÄNDERIN-Redakteurin Nicole Schlaffer (v. l.).

Wordrap

mit Tina Well

 

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Sex


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… meiner Mutter

www.tinawell.at

 

 

Fotos: Viktor Fertsak