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People | 06.06.2019

Tränen – und lachen

Näher beieinander als bei Eva-Maria Leeb können gegensätzliche Gefühle kaum sein: George Clooneys (Quasi-)Verlobte lebt in Oberwart, spricht offen über ihre Depressionen und unterhält als Kabarettistin.

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TRUE LOVE. George gab es zu ihrem 40er in Überlebensgröße, seither nächtigt er in Eva-Maria Leebs Schlafzimmer. © Thomas Luef

George heißt nicht nur ihre Kaffeemaschine, den Schönen gibt’s auch eingerahmt auf ihrem Regal. „Mein Verlobter. Amal, seine offizielle Frau, ist eine reine PR-Geschichte“, lacht Eva-Maria Leeb. „Ich habe ihn auch größer“, sagt sie und zaubert aus ihrem Schlafzimmer einen überlebensgroßen George Clooney hervor. „Das Bild hat mir der ehemalige Landesrat Helmut Bieler zum 40er geschenkt. Ich hab’ da ein großes Fest gefeiert – und auch einen Stripper bekommen. Der war aber nicht vom Landesrat“, lacht sie abermals. Die Schüler würden die intelligente Spaßkanone vermutlich lieben, doch Eva-Maria Leeb schlug schließlich einen anderen Weg ein …

BURGENLÄNDERIN: Du wolltest eigentlich AHS-Lehrerin werden, was hast du studiert?

Eva-Maria Leeb: Ich habe in Wien Deutsch und Geschichte Lehramt angefangen, aber sehr bald abgebrochen, weil ich mich in Wien nicht wohlgefühlt habe. Dann habe ich verschiedene Bürojobs gemacht und war beim Volksgruppensender Radio Antenne 4, bis ich in Graz noch einen Versuch mit dem Studium gewagt habe. Dort ist es viel schöner, ich bin ein Kleinstadtmensch – aber noch immer nicht fertig (schmunzelt).

Wieso?

Als das Niederösterreichische Pressehaus die Oberwarter Zeitung gekauft und mit der BVZ zusammengelegt hat, hat mich ein Freund gefragt, ob ich nicht Lust darauf hätte – jetzt bin ich mittlerweile seit 18 Jahren Journalistin. Aber das Studium mach’ ich auch noch fertig, für mein Wohlbefinden.

Warum Geschichte?

Es war mein Lieblingsfach in der Schule; ich habe zur Matura eine der ersten Fachbereichsarbeiten geschrieben: über Leni Riefenstahl (Filmemacherin, Schauspielerin, Fotografin, Anm.). Mich hat diese zwiespältige Person fasziniert, die einerseits für so unglaublich viele technische Erneuerungen im Film steht und andererseits nichts gewusst haben will (vom Nationalsozialismus, Anm.), wo sie doch in höchsten Kreisen verkehrte. Das kauf’ ich ihr nicht ab.

Warum wolltest du unterrichten?

Ich war ein richtiger Mathetrottel – und bin zuerst an einen Lehrer geraten, dem das wurscht war. Der andere hat sich mit Förderstunden und allem drum und dran bemüht, dass wir’s kapieren. Da habe ich realisiert, was du als Lehrer alles bewirken kannst.

Du sagst, du bist ein Wirtshauskind?

Ja, meine Eltern hatten ein Café in Oberwart; ich bin dort aufgewachsen – auf der Tanzfläche habe ich Radfahren gelernt. Mein Bruder – er ist zehn Jahre älter – ging nach Wien ins Gastgewerbe, meine halbe Familie ist in der Gastronomie.

Warum du nicht?

Ich habe schon in der Schule die anderen Kinder beneidet, die mit ihren Eltern am Wochenende Ausflüge unternommen haben; wir hatten das Lokal aber immer offen, ich habe früh gesehen, wie familienunfreundlich die Gastronomie ist. Dann musste ich mit zwölf zusehen, wie mein Vater mit nur 41 Jahren an einem Herzinfarkt starb. Er hat leidenschaftlich gerne Lehrlinge unterrichtet, viel gearbeitet – und geraucht.

 

Zum Missionieren geht sie nicht auf die Bühne; die Leute sollen Spaß haben. Dennoch: Wenn sie mitnehmen, dass man sein darf, wie man ist, „dann hab’ ich nix dagegen“, lacht Eva-Maria Leeb.

 


… was du dir erfolgreich abgewöhnt hast?

Ja, für elf Jahre. Aber jetzt bin ich wieder auf der dunklen Seite: Zigaretten, Alkohol, Männer. Dabei sagt eine liebe Freundin: „Die Eva braucht nix trinken, die ist natur-zua.“ (lacht) Es war ja schon das Aufhören eigentlich nicht bewusst geplant; es hat sich sozusagen ergeben. Ich hatte 2002 Panikattacken – und bin in ein Burn-out geschlittert. Die Depressionen begleiten mich bis heute.

Respekt, dass du so offen darüber sprichst …

Unbedingt! Gerade auch, weil die meisten gesagt haben: „Bei dir hätte ich so etwas nie gedacht.“ Ich nehme Anti-Depressiva und bin in Behandlung; wenn es mir zu viel wird, drohen Panikattacken. Ich habe Atemübungen gelernt und weiß heute ganz gut, wann ich vom Gas runter muss. Ich kann schwer mit Veränderungen umgehen. Papas Tod habe ich nie richtig verarbeitet; er konnte bei meinem Maturaball nicht dabei sein. Was hätte er zu meinem ersten Freund gesagt? Wie wäre mein Leben verlaufen, wenn er noch leben würde? Er fehlt immer wieder. Dafür habe ich von der Mama, mit der ich sehr eng bin, den trockenen Humor geerbt. Sie hat bis zur Pension in der Gastronomie gearbeitet – und immer einen Schmäh auf Lager gehabt. „Mimi, was kannst du denn heute empfehlen?“ – Sie darauf zum Gast: „Ein anderes Lokal.“

„Lieber blad als bled“ propagierst du mit dem Titel des Kabaretts. Bist du in der totalen Harmonie mit deinem Körper?

Ein paar Kilo weniger wären nicht schlecht; wenn ich Stiegen raufgehe, brauch’ ich im ersten Stock ein Sauerstoffzelt. Jeder ist mal unzufrieden mit irgendetwas, aber seit ich mir die Zähne richten hab’ lassen, habe ich kein Problem mehr mit meinem Gewicht.


Wie ist da der Zusammenhang?

Die Zähne waren ein größeres Thema. Ich hatte seit meiner Kindheit panische Angst vor dem Zahnarzt, aber als ich bei Armin Assingers „Millionenshow“ 75.000 Euro abgeräumt habe, habe ich mir Zahnspange und Co. geleistet. Ärgerlich, dass ich auch die 150.000-Euro-Frage gewusst hätte, aber ich hab’ mich nicht drübergetraut.


Wow, dennoch: Gratulation!

Ich liebe TV-Dokus zu den verschiedensten Themen, vor allem Adelsreportagen, das half mir sehr. Außerdem bin ich ein Hort unnützen Wissens. Viele sagen: eine „allwissende Müllhalde“ (Figur aus der Kult-Kindersendung „Fraggles“, Anm.).


Wie bist du zum Kabarett gekommen?

Alles fing mit einem Pressetermin über ein Abnehm-Projekt an. Da dachte ich mir: Abnehmen mit Trainer und Arzt, das könnte ich versuchen. Das tat ich auch – und schrieb dazu in der BVZ die wöchentliche Kolumne „Diättagebuch“, in der ich schonungslos ehrlich über Erfolge und Misserfolge berichtet habe. Zum Beispiel, wie es ist, wenn man vor lauter Gusto am liebsten im Freibad einem Kind die Pommes aus der Hand reißen tät. In zwei Jahren hab’ ich 40 Kilo abgenommen und mittlerweile wieder ein paar zugelegt, aber der „Abnehm-­Arzt“ und ich wurden Freunde. So entstand die Idee zu einem gemeinsamen Programm: „Vom Wal zum Goldfisch“. Wir sind viel miteinander aufgetreten, ich habe auch immer wieder kleinere Einlagen bei Feiern gemacht und bei Kabarett-Talente-Wettbewerben teilgenommen. Ein Künstleragent kam dort auf mich zu und vermittelte mir zunächst kleinere Geschichten – und schließlich einen Solo-Auftritt in Wien.

 

"Blöd geredet habe ich immer schon. Jetzt tue ich das auf der Bühne und die Leute zahlen dafür." Eva-Maria Leeb, Kabarettistin



Der Startschuss für „Lieber blad als bled“?

Genau. Ich hab den Testballon im „Tschocherl“, einem kleinen, feinen Lokal, steigen lassen. Ich hab’ mir gedacht, ich probier’s bei den Wienern – da kann nicht viel hin sein. Es war ausverkauft und den Leuten hat’s gefallen; seither trete ich immer wieder auf. Blöd geredet habe ich immer schon, jetzt tue ich das auf der Bühne und die Leute zahlen noch dafür.


Worum geht’s im Programm?

Ich erzähle ein paar autorisierte Geschichten meiner „Chickenrunde“ (Mädelsrunde, Anm.), das ist immer lustig. Aber zum Großteil hab’ ich mich selbst auf der Schaufel: Ich verrate, warum ich beispielsweise Hausverbot in Blumenhandlungen habe, warum ich mit dem vibrierenden Ramirez im Nachtkastl ein glücklicher Single bin oder was es mit dem BH-Yoga auf sich hat. Kennst du das, wenn du nach dem Duschen mit leicht nassem Oberkörper versuchst, einen BH anzuziehen?


Haha, ja! Steckt in deinem Kabarett auch eine Botschaft?

Ich find’, es ist kein Drama, dass ich mit 45 Jahren nicht kochen und Pflanzen versorgen kann oder dass ich nie wirklich einen Kinderwunsch hatte und nicht einmal alle Frotzn leiden kann – umgekehrt ist das übrigens genauso. Wenn das Publikum vielleicht nur mitnimmt, dass man sein darf, wie man ist, dass man als Frau auch allein glücklich leben kann, dann freue ich mich. Aber ich gehe nicht auf die Bühne, um zu missionieren. Ich will, dass die Leute zum Lachen zu mir kommen.

 

***

Übrigens: Selbstironie ist Trumpf. Eva-Maria Leeb macht bei der BVZ regelmäßig auch die Vorstellung der Tafelklassler und die Babyecke.