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People | 17.06.2019

In love with Asia

… sweet dreams are made of this? Sie lebt den Traum, den viele träumen. Mit uns spricht Elisabeth Steiger über Hürden und Bauchentscheidungen und ihr Leben zwischen Bangkok und Burgenland.

Themen:
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© Christoph Kaltenbacher, beigestellt

Sie launchte in China erfolgreich eine Fitness-App und arbeitet derzeit an zwei weiteren Projekten: einer Lifestyleplattform für Karrierefrauen und einem Online-Shop für Schmuck, Accessoires und Dekor. Elisabeth Steiger aus Pöttsching hat schon früh ihr burgenländisches Nest verlassen und ist in die weite Welt hinausgezogen. Ihr Bauch riet ihr zu einem Auslandssemester in Peking im Rahmen ihres WU-Studiums. Dort entdeckte sie ihre Liebe zu Asien. „Das war 2007 – da konnte in Peking noch fast niemand Englisch und ich musste schnell Chinesisch lernen.“ Abseits der Verständigungsprobleme lernte Elisabeth auch viel über sich selbst. Sie reiste zum ersten Mal in ihrem Leben alleine nach Asien, obwohl sie sich eigentlich unter Fremden nie wohlgefühlt hatte. Doch so begegnete sie vielen neuen Geschichten und Menschen, und das formte ihre Persönlichkeit. Wieder zurück in Österreich, schloss sie das WU-Studium und den Diplomlehrgang an der Diplomatischen Akademie ab und arbeitete im Bereich Anti-Menschenhandel, Anti-­Korruption im Außenministerium. Nebenbei verlor sie durch ihre Dissertation über China ihren Asien-Fokus nicht. Nach dem Abschluss des Doktorats ging es für Siemens nach Deutschland und – wieder China.

 

"Der Medien-Hype um den sogenannten ‚Gründer-Lifestyle‘ verfälscht einfach die Realität". Elisabeth Steiger

 

Für viele der absolute Traumjob: Elisabeth war Teil eines Zirkels, der direkt dem globalen CFO unterstellt war, mit entsprechendem Gehalt und verantwortungsvoller Position. In Shanghai baute sie für die Firma eine Abteilung im Bereich Industriemaschinen auf. Per Zufall tat sich dort das Potenzial für ihre erste eigene Geschäftsidee auf: eine Fitness-App für chinesische Frauen. „Damals war ich 27. Ich dachte mir, wenn nicht jetzt, dann nie. Die Hürden werden mit dem Alter nicht weniger. Ich fühlte mich als Angestellte sehr oft fremdbestimmt und wollte unbedingt mein eigenes Produkt schaffen.“ 2014 investierte Elisabeth ihr gesamtes Erspartes in ihre Idee, verließ ihre berufliche Komfortzone und startete in den für sie völlig neuen digitalen Bereich. Die App erklärte Chinesinnen spielerisch, wie man trainiert und fit wird. „Das klingt banal. Aber in China wussten sie nicht mal, wie man Sit-ups macht. Vor allem Frauen haben Medikamente genommen, damit sie dünn bleiben. Sie wollten nur gut aussehen und haben nicht darauf geachtet, dass sie auch fit, gesund und selbstbewusst sind.“ Ebenso war aufgrund der hohen Luftverschmutzung in Shanghai – Luftverschmutzungsindex 250 (Anm.: sehr ungesund, ab 300 gefährlich) – an Sport im Freien kaum zu denken. Daher besuchte Elisabeth oft ein Fitness-Studio, doch auch dort waren viele Chinesen desorientiert. „Neben mir lief einer ohne Schuhe am Laufband, er wusste einfach nicht, dass man dazu richtige Schuhe braucht. Der Fitnessmarkt war noch komplett unerschlossen.“

Impressionen
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Entgegen der Meinung vieler Bekannter zog Elisabeth Steiger in Asien ihr eigenes Business auf – eine Fitness-App für Chinesinnen.
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Reisen mit Kunst verbinden: hier bei der Biennale in Venedig.
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„Hongkong Park“: Starke Gegensätze in Asien – moderne Wolkenkratzer, jahrhundertealte Architektur und Dritte Welt.
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Sonnenaufgang mit Blick auf die Skyline am Chao Phraya River in Bangkok.
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Jedes Gebäude in Thailand hat ein „Spirit House“, das die Bewohner oder Mitarbeiter beschützen soll.
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Mode, Kunst und Reisen sind die Leidenschaften der Business-Woman.
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Sisi misunderstood

Dass Marketing in Asien anders funktioniert als in Österreich, hat die heute 32-jährige Freidenkerin schnell erkannt. Und ist dabei nicht immer auf Verständnis gestoßen. Prinzessinnen und alles Verspielte kommen in China sehr gut an. Mit ihrem Namen erinnerte sie alle an Kaiserin Elisabeth aus Österreich. „Die Chinesen lieben Sisi. Daher war die App sehr Prinzessinnen-like aufgebaut. Viele in meinem Umfeld haben das nicht verstanden und meinten: ‚Aha, und für so was hast du deinen tollen Job aufgegeben.‘ Aber das kann man nicht vergleichen. Asien tickt da anders.“
Elisabeth kämpfte weiter und etablierte sich am Markt. Aber nicht immer war alles eitel Wonne. Sie erhält viel Feed­back von Bewunderern, die ihr Leben und Wirken „extrem cool“ finden. „Natürlich schaut das nach außen hin oft so aus. Aber es ist nicht immer alles super. Es gibt echte Scheiß-Phasen, die extrem schwierig sind. Als Gründerin ist es ein anderes Leben, du hast lange Zeit kein fixes Einkommen und auch über die harte Arbeit reden viele Leute nicht. So positiv der Gründer-Lifestyle in den Medien oft dargestellt wird, es verfälscht auch manchmal die Realität.“ Und die Realität ist ihrer Meinung nach: immer wieder aufstehen und weitermachen. Alle Hürden überwinden, auch wenn sie einen manchmal umhauen. Dazu braucht man auch die richtigen Leute um sich – diejenigen, die auch in schwierigen Zeiten zu einem stehen und einen unterstützen.


Open your mind

erzeit konzentriert sie sich auf zwei weitere Projekte, für die sie zwischen Bangkok und Burgenland pendelt. „The Pink Lookbook (www.
thepinklookbook.com) richtet sich an Frauen wie mich – an diejenigen, die träumen, sich reinhängen, gerne etwas erleben und schöne Dinge lieben.“ Neben dieser Lifestyleplattform hat Elisabeth auch begonnen, ihre eigene E-Commerce-Plattform (www.pelagona.com) aufzubauen, wo sie Dinge aus aller Welt verkauft. Daher reist sie ziemlich viel um den Globus – immer auf der Suche nach Schönem. Gerade wurde ihre eigene Schmucklinie auf den Markt gebracht und künftig wird es auch Produkte aus Partnerschaften mit NGOs geben. Dazu war Elisabeth vor einigen Monaten in Laos, wo Frauen in mühevollster Handarbeit Tischsets, -tücher und -läufer herstellen. „Das ist ihre einzige Einnahmequelle, aber sie können sie nur schwer verkaufen, weil sie nur lokal tätig sind. Ich möchte sie unterstützen, indem ich ihre Produkte auf meiner Seite anbiete.“ Wenn man die Businessfrau heute sieht, ist es schwer vorstellbar, dass sie als Kind sehr schüchtern war und Schwierigkeiten hatte, neue Leute kennenzulernen. „Durch das Reisen habe ich sehr viel gelernt. Wenn du offen bist und Interesse zeigst, ist das Feedback zu 99 % positiv.“ In diesem Sinne: … travel the world and the seven seas, everybody’s looking for something.