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People | 15.07.2019

Der Berufsjugendliche

Er ist der Macher einer der größten Maturareisen Europas und gilt als Event-Visionär: der Südburgenländer Didi Tunkel alias „Mr. Summer Splash“. Ein Gespräch über öffentlichen Sex, nervenaufreibende Zeiten und hartnäckige Mythen.

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"Irgendwann wirst du auch älter und kannst nicht nur mehr Vollgas geben." Didi Tunkel © Ramona Hackl

Wir sitzen dort, wo noch nie jemand aus der Medienbranche zuvor war: auf Didi Tunkels Terrasse zu Hause in Grafenschachen im Südburgenland. Diese Oase ist ihm heilig, sie bringt Körper und Geist wieder runter. Dort lebt er mit seiner Frau Petra und seinen zwei Söhnen Nico (19) und Timo (15). In Grafenschachen passierte vor 27 Jahren auch das, was sich vorher niemand vorstellen konnte: Tunkel schaffte seine Matura (was viele Beteiligte aufgrund seiner Noten zeitweise für unmöglich hielten) und kurz darauf erkannte er den Nerv der Zeit und verkaufte für ein Reisebüro ausschließlich Maturareisen. 1995 gründete er bereits sein erstes eigenes Reisebüro. Doch die Idee zur innovativen All-Inclusive-Maturareise mit exklusivem Charakter kam erst später. Das erste Summer Splash fand im Jahr 2000 statt (Mahdia, Tunesien). Heute bearbeitet die Splash­line Travel und Event GmbH mit 18 Angestellten im Büro und 230 Außendienstmitarbeitern den Event-Reisemarkt. Gebeutelt wurde das ruhige Fahrwasser zwischendurch jedoch immer wieder von Rechtsstreits mit dem größten Mitbewerber und durch Einwirkungen von außen wie die Terroranschläge in Paris und in der Türkei. Hinzu kommt der Mythos von der zügellosen Saufparty, der Summer Splash einige Zeit anhing. Doch Tunkel blieb stets cool, er hat in seinem Leben schon viele Hindernisse gestemmt und umschifft. Mit einer unglaublichen Lockerheit, einem offenem Wesen und positiver Bodenständigkeit ist der 47-Jährige immer ans Ziel gekommen.

 


Didi, wie hast du die Umsetzung des ersten Summer Splashs im Jahr 2000 in Erinnerung?

Ich kann mich noch so gut erinnern, als ich, der kleine Didi aus Grafenschachen, beim Gründer von Magic Life gesessen bin, dem Türken Dr. Cem Kinay. Ich habe gesagt, ich möchte bitte den kleinsten Magic Life Club exklusiv mieten, da darf kein anderer Gast drin sein. Er sagte: „Geben Sie mir acht Millionen Schilling, dann gehören der Club und die Flugzeuge dazu für 14 Tage Ihnen.“ Damals hatte ich bereits 300.000 Schilling Schulden, weil ich ja in mein Reisebüro schon investiert hatte.

Vergeht einem da die Idee nicht gleich wieder?

Die Angst war groß, doch der Wille war größer. Ich wusste, es kann was Großes werden. Auf der anderen Seite blieb der Schrecken: Wenn das doch nix wird, bin ich auf Lebenszeit gesehen finanziell tot. Damals gab es noch keine Privatkonkursregelung wie heute. Und doch haben wir es im ersten Jahr mit viel Engagement und Zeitinvestment geschafft, dass 1.150 Maturanten zwei Wochen bei uns Matura­reise machten. Aber das war für uns ein Nullsummenspiel.

War das demotivierend oder hat es dich eher gereizt?

Es hat mich gereizt, ich hab das Potenzial gesehen. Und im zweiten Jahr ist es passiert: Wir waren nach einer Woche Verkauf ausgebucht mit 1.300 Leuten. Aber ich gab mich nicht damit zufrieden. Ich habe mir von der Bank 24 weitere Millionen erstritten, hab den größten Magic Life Club gemietet – in der Türkei – und hab die Leute dorthin umgebucht. Der Betrag war mir scheißegal, wenn es schiefgegangen wäre, hätte ich die 24 Millionen zwar nie zurückzahlen können, aber die acht auch nicht. Wir sind dann im zweiten Jahr mit insgesamt 4.500 Maturanten geflogen. Da haben wir schon gut verdient.

Aber die kommenden Jahre waren turbulent, was das ganze Drumherum betrifft – es kam ein Mitbewerber …

Diese Sache war der blanke Horror. Der Mitbewerber hat mich des Datenklaus bezichtigt. Mich – der ich nicht mal ein Handy entsperren kann. Als Geschäftsführer war ich aber natürlich für meine Mitarbeiter verantwortlich. Am 13. November 2014 – ich werde den Tag nie vergessen – kamen völlig unerwartet fünf Männer in Schwarz in mein Büro in Wien und haben mir mitgeteilt, dass ich fristlos als Geschäftsführer abberufen bin. Sie haben sofort alles konfisziert, mein Handy, meine Unterlagen, ich durfte das Büro nicht mehr betreten. Ich dachte wirklich, ich bin im falschen Film. Das waren unglaublich harte Wochen. Im Nachhinein hat sich dann natürlich alles als vollkommen haltlos herausgestellt.

 

Im Gespräch mit Nicole Schlaffer erzählt Didi Tunkel von seinem bewegenden Berufsleben.

 

Summer Splash ist die größte Maturareise Europas, es ranken sich viele Mythen darum. Exzessive Partys, öffentlicher Sex, zu viel Alkohol …

Mythen sind schwer aufzubrechen. Jeder denkt an seine eigene Maturareise und wie wild es da vielleicht zuging und denkt dann weiter, dass das dort Tausende geballt auf einem Haufen machen. Ich habe jedoch in den letzten Jahren niemanden öffentlich erbrechen oder schnackseln gesehen. Natürlich ist die Stimmung ausgelassen und die Partys geil, aber im Endeffekt verhalten sich die Jugendlichen viel vernünftiger als wir vielleicht damals (lacht).

Heuer feiert Summer Splash 20-jähriges Jubiläum. Ihr habt schon alles erlebt – die schwierige Zeit mit den Terror­anschlägen, die Stornos deswegen und vieles mehr. Was soll da für einen Didi Tunkel noch kommen?

Ganz ehrlich: Das frage ich mich auch. Ich habe in den letzten 27 Jahren nichts anderes gemacht, als Maturareisen verkauft. Da stellt sich die Frage, was mache ich jetzt, wie geht es weiter? Ich habe schon ein bisschen Selbstzweifel. Die Zielgruppe wandelt sich so schnell. Du musst dir vorstellen, ich bin Dauermaturant, ein Berufsjugendlicher sozusagen. Aber ich kann nicht mehr mitreden mit den Jungen. Mich ermüdet das ganze Social-Media-Zeug. Summer Splash wird es die nächsten Jahre natürlich weiterhin geben, aber was ich in Zukunft mache, weiß ich nicht. Wenn du bildlich gesprochen immer nur mit Vollgas auf der Autobahn fährst und schon alle 8.000er bestiegen hast – und dann ist da plötzlich kein 8.000er mehr, dann fällst du in ein Loch.

Du hast viele Stars für Auftritte bei Summer Splash gebucht. Gab es eine Begegnung, an die du dich besonders erinnerst?

Als wir David Guetta das erste Mal hatten, 2009, wollte er 90.000 Euro und ich fand das schon dreist. Und er wollte mir nicht schon im Herbst für den nächsten Sommer zusagen. Also hab ich ihm 150.000 Euro geboten, dass er mir fix zusagt, einen Tag in diesen zwei Wochen für uns verfügbar zu sein. Daraufhin hat er eingewilligt. Ein paar Jahre später traf ich ihn wieder und dachte mir, er kann sich sicher nicht mehr an mich erinnern, aber er hat in meine Hand eingeschlagen und gesagt: „I will never forget the guy who paid me 150.000 when I asked for 90.000.“ (lacht)

Und was erwartet die Maturareisenden beim großen Jubiläum heuer?

Wir wollen heuer in Kalabrien alles toppen, was es bisher gab. Aber ich darf vorab nichts verraten, das wird eine große Überraschung. Und ich würde mich freuen, wenn du es selbst miterlebst, also lade ich dich hiermit ein, bei den VIP-Tagen Anfang Juli dabei zu sein.


Fortsetzung folgt in der September-Ausgabe!

 

Jedes Jahr überlegt sich die Summersplash-Crew andere Highlights für die Maturanten. Hier: Masters of Dirt.

 

Mehr als Summer Splash

Splashline hat ihr Angebot an Event-Reisen in den letzten Jahren immer wieder erweitert und bietet mittlerweile für sämtliche Zielgruppen durchorganisierte Event-Reisen an, aber auch individuelle Reisen.

• Spring Break Europe

• Summer Splash

• LARS – Die Lehrabschlussreise

• ÖBB S’COOL Wintersportwoche

• Snow Break Europe

• Sound Everest Winterfestival

• Brass Palmas – Welcometo the Island of Blasmusik

www.splashline.at

 

Fotos; Ramona Hackl, Splashline, beigestell: