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People | 20.09.2019

Oft kommt es anders, als man denkt

Polarisierung, neue Liebe, harter Wahlkampf – Landeshauptmann Hans Peter Doskozil und seine Lebensgefährtin Julia Jurtschak im ganz persönlichen Interview.

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Nach zwei Jahren Fernbeziehung wohnen sie nun gemeinsam in Oberwart: LH Hans Peter Doskozil und Julia Jurtschak. © Emmerich Mädl

Sein äußeres Erscheinungsbild hat sich in den letzten Monaten verändert. Sein Leben auch. Hans Peter Doskozil ist seit einem halben Jahr Landeshauptmann und der Tag seiner Angelobung Ende Februar war auch der Zeitpunkt, an dem er der Öffentlichkeit seine neue Liebe präsentiert hat. Seit Mai wohnt Julia Jurtschak nun mit ihm in Oberwart und denkt dort über einen beruflichen Neustart nach. Wir trafen das Paar im Landeshauptmann-Büro in Eisenstadt zum Talk über Berufliches und Privates.

Herr Landeshauptmann, Studien besagen, dass Jugendliche sich wieder mehr für Politik interessieren als noch vor zehn Jahren, Tendenz steigend. Mögliche Gründe dafür sind der wachsende Populismus und große Debatten wie die Migrationsthematik oder der Klimaschutz. Ist die Politik im Wandel?

Hans Peter Doskozil: Es wäre vermessen, zu sagen, dass ich größeres oder minderes Politikinteresse verspüre. Wenn ich unterwegs bin, dann treffe ich natürlich hauptsächlich auf Leute, die sich grundsätzlich für Politik interessieren. Wenn sich die Jugend wirklich mehr für die Politik interessiert, ist das gut, aber es sollte aus Interesse an der Sache sein. Wenn es nur ist, weil die Partei und die Politiker mehr polarisieren als damals, dann ist es schwieriger, weil diese Polarisierung – das haben wir z. B. in der Migrationsthematik gesehen – eine Gesellschaft splitten kann. Das ist nicht Sinn der Politik. Politik sollte vereinen.

 

Sie spielen sich gegenseitig den Ball zu: Früher war Julia im Meisterschaftssport am Kunstrad unterwegs. Heute begeistert sie den burgenländischen Landeshauptmann für einen sportlichen Lebensstil.



Als Landeshauptmann sind Sie eine Person des öffentlichen Interesses. Eine Position, in der man auch sehr angreifbar ist. Da gab es unlängst erst diese Morddrohung. Wie verkraftet man es psychisch, dass man es nie allen recht machen kann?
Doskozil: Vielleicht rührt das von meiner beruflichen Vergangenheit her oder auch von meiner Persönlichkeitsstruktur, ich war oft in schwierigen Situationen. Ich habe diese Dinge aber nie an mich herangelassen, habe immer versucht, alles objektiv abzuhandeln. Ich muss ehrlich sagen, ich lese mir auch keine Kommentare durch. Fremde Meinungen, die extrem ins Persönliche gehen, interessieren mich nicht. Da kann ich komplett abschalten. Viele kennen mich als Person gar nicht, haben einfach nur Vorurteile der Partei oder meiner Position gegenüber.

 

"Ich muss ehrlich sagen, ich lese mir keine Kommentare durch.", Hans Peter Doskozil



Wie ist das bei Ihnen, Julia? Können Sie damit auch so locker umgehen?
Julia Jurtschak: Für mich ist das alles noch relativ neu. Ich habe diese Abgrenzung noch nicht und mache mir schon mehr Gedanken, lese auch die Kommentare und spüre, dass es mich aufwühlt. Dann reflektiere ich mich selbst, um mich ein bisschen abzuschotten und zu schützen. Aber die Energie und Ruhe von Hans Peter schwappt schon auf mich über (lacht).

Also ist es schon so, dass er der ruhigere Pol von Ihnen beiden ist und Sie die Quirlige?
Doskozil: Mit Sicherheit! (lacht).
Jurtschak: Da sag ich nicht nein.

Wie haben Sie sich kennengelernt?
Jurtschak: Wir haben uns im Mai 2017 in Köln bei einer Veranstaltung kennengelernt, er ist mir ins Auge gestochen. Da er ein bisschen gelangweilt herumgestanden ist, dachte ich mir, ich muss ihn ansprechen, vielleicht hat er dann ein bisschen Freude. So sind wir ins Gespräch gekommen.

War diese zweijährige Fernbeziehung zwischen Köln und Wien/Burgenland schwierig?
Jurtschak: Ja, das war es. Ich wusste ja zu Beginn nicht, wer er war. Als es sich dann herauskristallisiert hat, war es mit seinem vollen Terminkalender nicht so einfach. Doch wir konnten es managen, dass wir uns viel sahen.

Was hat das mit Ihnen gemacht, als Sie erfahren haben, dass er Politiker ist?
Jurtschak: Erstmal gar nicht so viel. Durch die Distanz hatte ja jeder von uns sein eigenes Leben. Jetzt wohne ich seit Mai hier und wir versuchen auch viele Termine zusammen wahrzunehmen. Am Anfang war ich sehr scheu, das hat sich aber schon gelegt. Doch die Vorstellung, mit einem Politiker zusammenzusein, und die Realität sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Aber er ist so ein wundervoller Mensch, sodass unser Leben sehr einfach zu handeln ist.

Wie leben Sie jetzt?
Jurtschak: Wir leben in Oberwart. Ich denke derzeit über einen kompletten beruflichen Neustart nach, bisher war ich im Marketing- und Eventmanagement-Bereich tätig, wollte aber immer schon eine Ausbildung zur Psychotherapeutin machen.

 

Beim Talk mit Redakteurin Nicole Schlaffer.



Beschreiben Sie sich gegenseitig mit drei Charaktereigenschaften.
Doskozil: Sie ist aufgeweckt.
Jurtschak: Er ist ausgeglichen.
Doskozil: Tolerant, weil wenn es Diskussionen gibt, gibt sie meist nach.
Jurtschak: Belesen und mit einer starken Ausstrahlung, in der viel Ruhe und Kraft liegt.
Doskozil: Familienmensch.
Jurtschak: Sehr verständnisvoll.


Herr Landeshauptmann, welche Frage nervt Sie mehr, die nach der Lieblingskoalition nach der Wahl im Jänner oder ob Rapid heuer Meister wird?
Doskozil: Diese Fragen nerven mich beide nicht. Also, welche soll ich beantworten (lacht)?

Fangen wir mit der Lieblingskoalition an.
Doskozil: Da muss ich vorausschicken, dass man natürlich zuerst mal gewählt werden muss. Es gibt genug Arroganz in der Politik, es wird oft vorher was diskutiert, was nachher gar nicht möglich ist. Meine Lieblingskoalition, ganz ehrlich, ist keine, die ich mir von der Bundespartei vorschreiben lasse. Wir entscheiden im Burgenland autonom. Meine Lieblingsvariante ist eine, wo ich persönlich davon überzeugt bin, dass es das Gegenüber ehrlich und fair meint und Handschlagqualität hat.

Haben Sie derzeit eine solche partnerschaftliche Koalition?
Doskozil: Ja, derzeit haben wir eine Koalition, die von Handschlagqualität geprägt ist – auch wenn es natürlich Diskussionen gibt.

Ich bin nicht sehr fußballaffin, aber mir wurde gesagt, ich soll Sie fragen, ob Sie Mitglied bei den Ultras (Anm.: polarisierender Rapid-Fanklub) sind?
Doskozil (lacht): Nein, bin ich nicht.

Ist der Wunsch, im Jänner als Landeshauptmann wiedergewählt zu werden, stärker, als Rapid als Meister zu sehen?
Doskozil: Das ist eine schwierige Frage (alle lachen). Scherz – man muss da natürlich differenzieren, man kann das nicht gegeneinander aufwiegen. Das eine ist der Beruf, die Berufung – für das Land verantwortlich zu sein, ist das Schönste. Und Rapid ist meine Leidenschaft, von mir aus würde Rapid jedes Jahr Meister werden. Aber realistisch gesehen, werden wir heuer leider nicht Meister werden.

Julia, tragen Sie diese Fußball-Leidenschaft mit?
Jurtschak: Na ja, schon, aber …
Doskozil: Für die Falschen! (lacht)
Jurtschak: Genau, seiner Ansicht nach nicht für die richtige Mannschaft. Ich bin immer noch Köln- und Bayern-­Fan.
Doskozil: Köln geht ja noch, aber Bayern ist der Wahnsinn! (alle lachen)

Gibt es gemeinsame Hobbys oder Leidenschaften, die Sie teilen?
Doskozil: Unser gemeinsames Ziel ist es, dass wir uns bewusst und gesund ernähren. Jeder aus einer anderen Motivation heraus (lacht und fasst sich an den Bauch). Gesund essen, gemeinsam Sport machen. Daran müssen wir aber noch arbeiten und das stärker umsetzen, obwohl die Zeit oft sehr knapp ist.

Apropos umsetzen: Gibt es große Punkte, die Sie nach der Wahl – vorausgesetzt Sie werden wieder Landeshauptmann – umsetzen wollen, abgesehen von der Weiterführung der aktuellen Projekte wie Biowende, Pflegeoffensive und Mindestlohnregelung?
Doskozil: Diese ersten Richtungen, die wir eingeschlagen haben, sollen zeigen, dass das Burgenland auch in Zukunft Vorzeigeregion in verschiedenen Bereichen sein kann. Es gibt unter anderem einen großen Punkt, der mir am Herzen liegt und den ich in den kommenden Jahren angehen möchte. Aber das gehört intern noch ausgearbeitet. Ich sage nur so viel: Es hat mit dem sozialen Wohnbau zu tun.

 

 

 

WORDRAP

Welchen Gedanken möchten Sie am Morgen des 27. Jänner 2020 haben?
Doskozil: „Ich brauche eine Kopfwehtablette, weil ich gestern so toll gefeiert hab!“
Jurtschak: Und ich möchte dann wissen, wo die Kopfwehtabletten sind! (alle lachen)

Was würden Sie als den Sinn des Lebens bezeichnen?
Doskozil: Alles richtig zu machen, aber das gelingt niemandem – dessen sollte man sich bewusst sein.
Jurtschak: In mir selbst angekommen zu sein mit einer Gelassenheit, für mich alles richtig zu machen und mein Glück gefunden zu haben.


Gibt es eine Entscheidung in Ihrem Leben, die Sie heute bereuen?
Doskozil: Es gibt wohl niemanden, der sagt, er hat in seinem Leben alles richtig gemacht. Ich habe auch Fehler gemacht. Mit dem heutigen Wissen würde ich sicher gewisse Dinge anders machen.
Jurtschak: Ich finde, dass jeder Schritt und jede Erfahrung, die man im Leben gemacht und erlebt hat, egal ob negativ oder positiv, einen zu dem Menschen gemacht haben, der man heute ist. Deswegen würde ich nichts bereuen, weil das bedeutet, dass ich mit mir hadere und ich mich nicht davon lösen kann.


Welchen klugen Rat über Frauen bzw. Männer würden Sie Ihrem jüngeren Ich geben?
Doskozil (lacht): Jetzt muss ich aufpassen, das ist eine Fangfrage! Ich würde sagen: „Man kann sich nie sicher sein.“
Jurtschak: „Meistens kommt es anders, als man denkt.“ (lacht)


Welche drei Dinge – nichts Lebendiges – würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Doskozil: Satellitentelefon, Kreuzworträtsel, Fernrohr.
Jurtschak: Feuerzeug, Stift, Buch.