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People | 30.09.2019

"Ich nehme nicht mehr alles todernst."

Die wortgewandte ORF-Moderatorin ist seit 2018 das Gesicht der Pink-Ribbon-Kampagne im Burgenland. Wir sprachen mit ihr darüber sowie auch über Solidarität zwischen Frauen und den Sinn des Lebens.

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"Ich liebe die Natur und gutes Essen. Reich macht in Wahrheit, gut zu sein und Gutes zu tun.", Melanie Balaskovics ©Elisabeth Grabner

Seit dem letzten Jahr unterstützt Melanie Balaskovics offiziel als Pink-Ribbon-­Botschafterin die Brustkrebsvorsorge im Burgenland. Die 43-Jährige hat jedoch bereits vor ihrer „Amtsübernahme“ immer wieder Zeit für Pink-­Ribbon-Veranstaltungen gefunden.Neben ihrem zeitintensiven Job beim ORF und den Moderationen diverser Events fungiert sie nun auch als offizielles Gesicht der Pink-Ribbon-­Kampagne im Burgenland. Ihre Motivation dafür war die Wichtigkeit des Themas Vorsorge. „Da geht’s jetzt nicht nur allein um die Brustkrebsvorsorge. Da sind auch Themen wie Hautkrebsvorsorge, HPV-Impfung ganz wichtige Bereiche. Frauen sind durch Familie und Job massiv gefordert und vergessen viel zu oft, auf sich selbst zu achten. Da muss man meiner Ansicht nach ansetzen, und das heißt einfach Bewusstsein schaffen, darüber reden und immer und immer wieder darauf aufmerksam machen.“

 

Was hat sich in den letzten 15 Jahren, seit es Pink Ribbon in Österreich gibt, Ihrer Meinung nach verändert?

Ich habe den Eindruck, dass das Bewusstsein für Brustkrebsvorsorge gestiegen ist. Immer mehr Frauen engagieren sich, machen Veranstaltungen im ganzen Burgenland und haben wirklich gute Ideen. Das Thema ist in der Öffentlichkeit mittlerweile gut verankert. Und der Oktober ist ganz einfach zum „Brustkrebsvorsorge-Monat“ geworden. Das hat sich schon sehr gut eingeprägt. Und was mir wirklich gut gefällt – es schwingt auch so eine gute und positive Energie mit. Es ist gelebte Frauensolidarität. Das gibt auch Kraft und Mut.


Wie sehen Sie Solidarität zwischen Frauen grundsätzlich? Ist Ihr Eindruck, dass sich Frauen gegenseitig eher behindern oder fördern?

Ich glaube, darauf gibt es keine globale Antwort. Das kommt immer auf den Bereich an, in dem sich Frauen bewegen, in welchem Umfeld sie sind, welchem Druck sie ausgesetzt sind und wie sie auch persönlich in ihrem Wesen sind. Aber ich glaube, dass das auch unter Männern nicht anders ist. In meinem Umfeld verspüre ich diese Frauensolidarität immer wieder sehr stark – sei es im Job, aber auch privat. Ich habe schon das Gefühl, dass wir Frauen wissen, dass wir nur gemeinsam stark sind und etwas erreichen können, uns durchsetzen können. In unserer schnelllebigen Welt, die oft von sozialer Kälte, Profitgier, Status und auch viel Neid geprägt ist, hat man als Einzelkämpferin verloren. Es ist wichtig, ein Netz zu haben, das kann durchaus auch mal lose sein und nicht so stark geknüpft – aber es muss stark sein, wenn man es braucht! Und so ein Netz ist auch das von Pink Ribbon.

 

Inwiefern haben Sie persönliche Berührungspunkte mit von Brustkrebs betroffenen Frauen?

Als Pink-Ribbon-Botschafterin treffe ich natürlich immer wieder Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind oder waren. Jede dieser Frauen hat ihre eigene Geschichte und jedes Gespräch ist für mich ganz besonders. Die Schicksale beeindrucken mich sehr. In meinem Bekanntenkreis ist Brustkrebs auch aufgetaucht. Und das erlebst du dann schon sehr intensiv mit. Es beschäftigt mich sehr und ich denke auch viel über meine eigene Gesundheit nach. Was aber für mich am prägendsten ist, ist die Persönlichkeitsveränderung, die Frauen mit der Diagnose Brustkrebs durchlaufen. Der Schock, der dich anfangs lähmt, all diese Gefühle von Angst, Verzweiflung, Wut. Und dann diese enorme Kraft, dieses Aufbäumen, diese positive Stärke, die aus einer schrecklichen Diagnose erwächst. Es ist eine enorme Lebenskraft, die ich schon ein paar Mal erlebt habe. Das macht einerseits demütig, schenkt dir selbst aber auch Zuversicht.

 

Die ORF-Moderatorin blödelt gerne und genießt das Leben in vollen Zügen, aber nach dem Motto: Wenn man mehr hat, als man selbst braucht, dann soll man geben. © Elisabeth Grabner

 


Wenn Sie als Pink-Ribbon-Botschafterin im Land unterwegs sind, welchen Eindruck haben Sie von der Wahrnehmung der Bevölkerung für das Thema Pink Ribbon und Krebsvorsorge?

Ganz egal, bei welchem Event, welcher Veranstaltung ich bis jetzt dabei war, ich erfahre immer nur positives Echo. Sehr viele Frauen kommen zu den Veranstaltungen, ich habe sogar den Eindruck, dass es von Jahr zu Jahr mehr werden. Und was mich besonders freut, es sind nicht nur Frauen, die zu den Events kommen. Männer unterstützen die Initiative ebenso stark, das finde ich toll. Und die rosa Schleife ist in der Zwischenzeit ein echtes Markenzeichen geworden, das für sich selbst spricht. Das Thema ist einfach präsent und es wird darüber geredet und so soll es sein!


„Aus Liebe zum Leben“, das Motto der Krebsvorsorge – warum lieben Sie das Leben? Welchen Sinn und welche Erfüllung sehen Sie darin?

Umso älter ich werde, umso mehr liebe ich dieses Leben. Als sehr junger Mensch scherst du dich wenig um Gesundheit, die Zukunft und das bewusste Leben. Bei mir hat es einen markanten Wendepunkt gegeben, ich bin vor mittlerweile zwölf Jahren an einer unheilbaren chronischen Erkrankung erkrankt – mit keinen besonders guten Aussichten auf die Zukunft. Nach dem ersten Aufbäumen und Kämpfen, verzweifelt zu sein und wenig Sinn im Leben zu sehen, hab ich eine 180-Grad-Drehung gemacht. Das ist ein Phänomen, das ich auch bei vielen an Brustkrebs erkrankten Frauen bemerkt habe. Ab dem Zeitpunkt, an dem du deine Erkrankung als deinen Begleiter annimmst, verändert sich alles.


Was haben Sie daraus gelernt?

Ich bin viel ruhiger und bewusster geworden. Ich nehme im Leben bei Gott nicht mehr alles todernst und wichtig. Ich versuche, recht viel zu lachen und positiv durchs Leben zu gehen. Ich bin total gern fröhlich und kindisch und blödel’ gern herum. Ich ärgere mich viel weniger – was manchmal echt schwer ist. Aber was ich wirklich versuche: Ich freu mich auf jeden Tag. Ich schenke mir selbst Zeit, ich schenke meinen Freunden, meiner Familie Zeit. Ich liebe gutes Essen, ich bin viel in der Natur und ich versuche echt zu genießen. Aber ich versuche auch, viel von all dem guten Gefühl an mein Umfeld abzugeben. Wenn man mehr hat, als man selbst braucht, dann soll man geben. Das ist mein Motto. Und es macht unendlich glücklich. Wer weiß, was morgen ist? Der Augenblick ist wichtig! Reich macht mich in Wahrheit: gut zu sein und Gutes zu tun. Alles andere hat keine Qualität. Seit ich so denke, ist meine eigene Erkrankung ein stiller Beifahrer geworden, der sich ab und zu meldet, mich aber nicht aus der Bahn wirft. In Wahrheit hat er mich reif und reicher gemacht.

 

Melanie Balaskovics (re.) als Pink-Ribbon-Botschafterin mit Andrea Konrath (Österreichische Krebshilfe Burgenland), Brustkrebsaktivistin und Bloggerin Claudia Altmann-Pospischek und Gynäkologin Aurelia Kaar-Wanschitz. © beigestellt


Wie würden Sie sich als Mensch beschreiben – was sind Ihre Stärken und Schwächen?

Das ist eine lustige Frage: Ich bemühe mich, ein fröhlicher, positiver Mensch zu sein, vor allem ein selbstreflektierter Mensch, der über seine Blödheiten auch lachen kann und sich selbst nicht böse ist. Dem stehen dann Eigenschaften entgegen, die man einfach hat, das sind diese bösen Eigenarten – in meinem Fall: Perfektionismus – oh mein Gott, wie oft mir der im Weg steht! (lacht) –, Sturheit (behaupten andere, ich bin gern stur), Ungeduld ist auch so eine Sache … Schwächen habe ich auch so manche: nämlich für gutes Essen und lange Schlafen … und das gönn ich mir echt gern ab und zu.

 

Wenn Ihnen noch Freizeit bleibt – wie gestalten Sie sie?

Ich versuche, so viel zu reisen wie nur möglich! Schon als kleines Mädchen habe ich beschlossen, dass ich die ganze Welt sehen möchte! Das wird sich wohl in einem einzigen Leben nicht ausgehen, aber was geht, das mach ich. In diesem Zusammenhang liegen auch meine Interessen: andere Kulturen, Landschaften und vor allem Sprachen, das fasziniert mich. Ich versuche auch immer wieder, vor meinen Reisen die Sprache des jeweiligen Landes zu erlernen, dass ich zumindest Small-Talk führen kann. Der liebe Gott hat mir das Talent gegeben, dass ich das ganz leicht hinbekomme, und so hat Reisen dann auch gleich eine ganz andere Qualität. Wenn es nicht in die weite Welt hinausgeht, dann bin ich sehr viel zu Fuß und manchmal mit dem Rad unterwegs. Am wichtigsten ist aber die Zeit mit Freunden und Familie!


Pink-Ribbon-Termine

03.10. 

10 Jahre Pink Ribbon, Kastell Stegersbach

09.10. 

Pink Ribbon Kinoabend, Dieselkino Oberwart

11.10.

Pink Ribbon Tour Stopp, eo Oberwart

18.10. 

Pink Ribbon Breakfast, Rathaus Neusiedl am See