Loading…
Du befindest dich hier: Home | People

People | 07.10.2019

Neue Wege statt alter Pfade

Die Programmchefin von Radio Burgenland spricht mit uns ganz offen über persönliche Befindlichkeiten, Machtverlust und warum Frauen in Führung oft unglücklich sind.

Themen:
Bild 1910_B_Ursi_Hofmeister-4.jpg
Offener Blick, straightes Wesen: Ursula Hofmeister in ihrer Vintage-­Küche. © Vanessa Hartmann

Sie lacht gerne und mag es nicht, wenn andere hinter ihrem Rücken über sie reden. Ursula Hofmeister ist ein emotionaler Mensch, aber immer offen und straight. Die Radio-Burgenland-Programmverantwortliche hat das Image des Senders weiterentwickelt, einen Change-Management-Prozess herbeigeführt und ist dabei nicht immer auf Wohlwollen gestoßen. Aber Ursula Hofmeister ist keine, die schnell aufgibt. Als wir an einem gemütlichen Spätsommertag gemeinsam auf ihrer Terrasse in Neufeld an der Leitha sitzen, wird schnell klar: die 45-Jährige hat Rückgrat und steht mit beiden Beinen im Leben, bezeichnet sich selbst als Landpommeranze und mag es, wenn sie zum Bäcker geht und „der schon weiß, was ich haben möchte“.

 

"Männer bilden Seilschaften, Frauen gründen Netzwerke – und behindern sich meist gegenseitig.", Ursula Hofmeister



BURGENLÄNDERIN: Nun arbeiten Sie schon länger für das öffentlich-rechtliche Radio, vorher in NÖ, jetzt im BGLD – aus Überzeugung?

Ursula Hofmeister: Bei einem früheren Job als Führungskraft bei einem Privatradio wurde mir bewusst, dass ich ein Kind des öffentlich-rechtlichen bin. Ich konnte mit der Attitüde vom Privatradio, wo ‚money rules the world‘ angesagt war, überhaupt nicht umgehen. Beim ORF Niederösterreich begann ich dann wieder als normale Redakteurin.

Hat der Machtverlust geschmerzt?

Da halte ich es mit der Theologin Margot Käßmann: „Machtverlust ist ein irrsinniger Freiheitsgewinn!“ Einfach nur Geschichten zu erzählen, das habe ich sehr genossen.

Aber jetzt sind Sie wieder in einer Führungsposition …

Ich habe mich irgendwann damit auseinandergesetzt, warum Führung für mich früher nicht funktioniert hat. Ich wollte wissen, woran ich für mich gescheitert bin. Nach außen bin ich ja nicht gescheitert. Und es hat mich immer gestört, dass so wenige Frauen in Führungspositionen sind.

Warum, glauben Sie, ist das so?

Frauen sind viel zu harmoniebedürftig. Man muss sich davon verabschieden, dass jeder einen mag. Wir werden darauf getrimmt, lieb zu sein und Frieden zu stiften. Das funktioniert in Führung nicht immer. Wenn du Führung übernimmst, reiben sich viele Menschen an dir. Menschen müssen sich an jemandem reiben, an der Führungskraft ist es leichter.

Inwiefern gehen Männer anders mit Macht um?

Männer machen Seilschaften, Frauen machen Netzwerke. Eine Seilschaft funktioniert so, dass ich jemanden nach oben ziehe, doch ich kann ihn natürlich auch abkappen, dann fällt er runter. Ein Netzwerk ist immer schön cosy und warm, aber am selben Level. Es ist wichtig, dass Frauen sich gegenseitig unterstützen, denn meist behindern sie sich selber gegenseitig.

Als Oberösterreicherin sind Sie nun im Burgenland Programmchefin. Wie kam das?

Ich habe mich beworben und war beim Hearing. Alle sagten zu mir, das wird sowieso nie was, weil ich keine Kontakte ins Burgenland hatte und niemanden kannte. Aber ich hab mir genau das Programm angehört und evaluiert, wo es hingehen soll. Beim Hearing war ich dann offenbar die Beste und wurde genommen.

 

Privat hört Hofmeister gerne Musik oder genehmigt sich ein gutes Buch.

 

Wie war es am Anfang, als „Fremde“ im Haus?

Es war schon schwierig. Es gab oft Missverständnisse, weil sie mich nicht verstanden haben oder ich sie nicht. Dazu kommt, dass vor mir eine Zeit lang die Position nicht besetzt war. Ich habe dann einen riesigen Change-­Management-Prozess gestartet – das war nicht einfach. Mein Team und ich sind dann durch einen sehr fruchtbaren, kreativen, aber auch harten Prozess gegangen. Und heute schätzen wir uns. Ich bin offen für Ideen. Mir ist es lieber, wir probieren etwas Neues und es ist vielleicht nicht so erfolgreich, als wir machen immer nur das Alte. Lieber auf neuen Wegen stolpern, als sich auf ausgetretenen Pfaden langweilen.

Wann gelang Ihnen dann der Durchbruch zu Ihren Mitarbeitern?

So richtig fein ist es für uns mit dem „Radio Burgenland Musikmärz“ geworden. Meine Idee: Jeden Tag einen Austropop-Star für eine Stunde im Studio haben. Am Anfang hielten mich alle für verrückt und haben nicht geglaubt, dass das funktioniert. Aber es klappte und sie kamen alle (lacht). Dann hatten wir im Team richtig Spaß.

Sind Sie als Privatperson anders als im Job?

Ich denke nicht – ich bin sehr offen, man kann mit mir alles besprechen. Was ich nicht mag, ist, wenn hinter meinem Rücken geredet wird. Da reagiere ich mit wenig Verständnis. Weiters höre ich gut zu. Manchmal schlafe ich auch über die Dinge. Im letzten Jahr habe ich gelernt, mir manchmal mehr Zeit mit den Entscheidungen zu lassen, um auch die Argumente der anderen wirken zu lassen. Ich bin sehr authentisch, lache gern und bin großzügig. Ich mag es nicht, wenn man mich belügt – gebe aber gerne Freiheiten, solange sie nicht ausgenützt werden.

Wie leben Sie?

Mein Partner lebt in Wien, er kann mich kaum dazu bewegen, in die Stadt zu fahren, da ich das Land so sehr liebe. Also muss er oft herkommen (lacht). Hier in Neufeld ist mein Lebensmittelpunkt. Ich wollte immer Kinder haben, aber leider habe ich vor sieben Jahren ein Baby verloren. Das ist traurig, aber ich bin trotzdem unendlich dankbar. Ich habe ein schönes Leben, liebe Menschen, einen tollen Job, ein tolles Haus und schöne Blumen. Entweder man lebt sein Leben und schaut nur auf das, was man nicht hat (und da wird man genug finden), oder man schaut auf das, was man hat (und da wird man auch genug finden).

Wie wird die Zukunft von Radio Burgenland?

Ich möchte, dass wir die Herausforderungen, die uns die neuen Medien stellen – dass du überall Musik runterladen kannst –, weiterhin so gut meistern. Wir werden nie ein Jugendradio werden – das ist auch nicht unser Ziel –, aber wir müssen einen Generationssprung schaffen. Und wir haben festgestellt, dass Austropop-Musik für alle Altersklassen ist und von allen gemocht wird. Deshalb haben wir Mitte September mit dem Musiksonntag begonnen, da spielen wir ab 16 Uhr neue Musik aus Österreich und stellen Künstler vor, die noch nicht so bekannt sind. Jeden Sonntag von 20 bis 22 Uhr spielen wir ebenfalls nur österreichische Musik, aus allen Jahrzehnten. Und der nächste Musikmärz mit Austropop-Stars ist auch schon in Planung. Ich sehe mich als Programmchefin in der Verpflichtung, heimische Musiker zu fördern, aber auch zu fordern. Ich stehe schon sehr auf Qualität.

 

Ursula Hofmeister im Gespräch mit Redakteurin Nicole Schlaffer.