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People | 24.10.2019

Bilderbuchstart

22 Jahre jung, sympathisch, beeindruckend zielstrebig: Miriam Kutrowatz räumt mit barocken Opernarien beim internationalen Cesti-Gesangswettbewerb ab. Kommt Ihnen ihr Name bekannt vor?

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Wir sagen’s nur zweimal. Die talentierte Schönheit ist die Tochter des renommierten Pianisten Eduard Kutrowatz. © Vanessa Hartmann

Wenn Maurice Ernst ein „Maschiiiiiin“ in die tobende Menge schmettert, hüpft und kreischt Miriam Kutrowatz mit. Wobei allein dieses Kreischen ein „Bilderbuch“-Konzert wert wäre, immerhin ist dieser Fan eine klassische Sängerin. Eine, die erst vergangenen Sommer so überzeugend Arien aus barocken Opern von der Bühne „schmetterte“, dass sie beim internationalen Cesti-Gesangswettbewerb in Innsbruck drei Preise abräumte. Wir werden nicht mehr als nötig darauf herumreiten, denn hinter ihren Erfolgen steckt viel harte Arbeit – aber: Miriam Kutrowatz ist die Tochter von Eduard Kutrowatz, seines Zeichens Pianist, Multi-Intrumentalist, Komponist und – mit seinem Bruder Johannes – Intendant des Liszt Festivals Raiding. Außerdem ist Miri, wie sie liebevoll genannt wird, die Tochter von Eva Reicher-Kutrowatz, Sängerin im „Arnold Schoenberg Chor“ und Pädagogin aus der Steiermark. In Wien wurden die Künstlerseelen zur Familie, wo wir die 22-Jährige zum Plaudern treffen.

 

"Das Schönste ist, wenn ich spüre, dass mein Gesang das Publikum berührt.", Miriam Kutrowatz

 

Im „Heuer“ am Karlsplatz, „weil’s dort draußen so schön ist, wenn die Sonne scheint“, hat Miri Kutrowatz im Vorfeld ganz unkompliziert erklärt. Drei Konzertkalender. Ihre Geschichte beginnt durchaus so, wie man sie sich vorstellt: mit einer Kindheit, die mit Musik erfüllt war. „Wir haben praktisch immer und überall gesungen, auch mehrstimmig“, erzählt sie. Mal sitzt sie im Publikum, wenn ihr Papa ein Klavierkonzert gibt, mal wenn ihre Mama auftritt. Sie habe das gemocht, da war nie ein Zwang. „Heute koordinieren wir schon drei Kalender“, lacht sie. Sie war drei Jahre alt, als sie sich eine Violine wünschte, später gesellte sich auch das Klavier hinzu. Aber ihr Herz verlor sie an das „Urinstrument“, wie sie sie beschreibt: die Stimme. Die Musik hat sie daheim stets als Geschenk erlebt, „völlig frei von Druck“, betont Miriam. „Es war eher so, dass ich mit 16 zunächst gezögert habe, zuzugeben, dass ich Gesang studieren möchte“, sagt sie. Doch da war dieses starke Glücksgefühl, das mit nichts zu vergleichen war, wenn sie im Chor oder im Vokalensemble an ihrer Schule Soli oder „drübersingen“ durfte. Sie war nicht blauäugig, sie wusste um die Disziplin, die eine solche Entscheidung erfordert, von Beginn an Bescheid. Freilich haben ihre Eltern sie unterstützt. Um sich auf die Aufnahmeprüfung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien (MDW) vorzubereiten, nimmt sie professionellen Gesangsunterricht bei Ursula Langmayr. Miri wird aufgenommen und strahlt in einem fort: „Ich bin so glücklich, dass ich da studieren darf, dass ich die Chance bekomme, mein schönstes Hobby zum Beruf zu machen.“




Im Rampenlicht

Dabei findet das Studium nicht ausschließlich hinter den Kulissen statt. Erst vergangenen September tritt sie im Rahmen einer Kooperation mit „jOPERA“, der Oper Jennersdorf, bei Händels „Alcinas Zauberinsel“ auf. Die Produktion für Volksschulen involviert auch zugleich Kinder in das Stück. Ein wunderschönes Kompliment, wie sie findet: „Viele haben danach gesagt, sie möchten nun auch Sängerin oder Sänger werden; manche schreiben uns bis jetzt noch.“ Um zu realisieren, was im Sommer davor passiert war, habe sie aber selbst Wochen gebraucht. Rund 200 Künstlerinnen und Künstler hatten sich für die Teilnahme am internationalen Cesti-­Gesangswettbewerb für Barockoper beworben, rund 100 durften vor der Jury auftreten: unter anderem vor den Direktoren renommierter europäischer Opernhäuser. „Mein Glück ist, dass ich kein nervöser Typ bin“, schmunzelt Miriam Kutrowatz. Eine gewisse Aufregung sei da, „aber in erster Linie freue ich mich auf meine Auftritte sehr. Das Publikum gibt mir noch den letzten Kick, um 150 Prozent bieten zu können.“ Wer nun im Zuschauerraum sitzt, spiele an sich keine wichtige Rolle; die Magie gehe vielmehr von der Interaktion mit dem Publikum generell aus. „Wenn ich singe und spüre, dass der Funke überspringt, wenn es mir gelingt, das Publikum zu berühren, das ist das Schönste.“

 

 


Mit Arien den Saal gerockt

Für die Wettbewerbssituation griff die Sängerin aber letztlich doch zu einem charmanten Kniff, gesteht sie. „Ich habe mir meine Gesangslehrerin im Saal ganz hinten vorgestellt.“ Tatsächlich dort gesessen sind dann beim Finale ihre Eltern und die Großeltern, die quasi mit wehenden Fahnen kamen, als sie hörten, dass es die Enkelin als jüngste Teilnehmerin unter die Top Ten schaffte. „Ein großer Traum erfüllte sich an diesem Abend: Ich wollte so gerne mit einem Barockorchester auftreten“, verrät Miriam Kutrowatz. Alles, was danach geschah, war quasi das Sahnehäubchen zum Quadrat. „Ich konnte lange nicht glauben, dass mein Name wirklich drei Mal vorgelesen wurde.“ Die 22-Jährige erhielt nämlich drei Sonderpreise: einen Auftritt als Solistin im Wiener Konzerthaus (siehe Info), den Young Artist Award als Nachwuchssängerin sowie – und das gilt stets als eine Königsdisziplin – den Publikumspreis. Dankbar ist sie nicht zuletzt ihrer Professorin Edith Lienbacher, „die nicht nur professionell, sondern auch menschlich großartig ist“. Die sich auch nicht davor scheut, ihre Studentinnen im Hinblick auf das Thema #MeToo bzw. das Ausnutzen von Machtpositionen zu briefen. „Ich hatte glücklicherweise noch keine negativen Erfahrungen“, sagt Miriam Kutrowatz. „Aber ich glaube, dass hier jetzt viel passiert ist, weil eben heute darüber geredet wird. Schon der Gedanke ist schlimm, einmal wo abgelehnt zu werden, weil man jemanden abgelehnt hat.“

 

 


Wild

Viel lieber ist ihr da – danach gefragt – über ihre Lieblingskünstler musikalischer Natur nachzudenken. Zu erwähntem „Bilderbuch“ gesellen sich da etwa die Französin Sabine Devielhe, eine erfolgreiche Opernsängerin, sowie generell Barockmusik jeglicher Art. „Barock hat viel von Jazz, es kann richtig fetzig sein“, sagt sie und legt uns im selben Atemzug ein Album ans Herz: „Händel goes wild“. Apropos: Neben der Sängerin im glänzenden Abendkleid und der Lady in Jeans am Art-Pop-Konzert sollte noch eine „dritte Miri“ nicht unerwähnt bleiben: nämlich die tanzende. Im Ballett fand sie nicht die Erfüllung, zu eng war ihr das Korsett. Hingegen sehr wohl in zeitnössischem Tanz. Auch jetzt wirkt Miriam Kutrowatz in einer Produktion namens „Unkraut“ mit; Choreografin ist Doris Uhlich. Sechs junge Frauen beleuchten dabei in einer energiegeladenen und witzigen Performance ihre (Gender-)Rollen.

 

Konzerte

Franziskanerkirche Wien (Gesang).

30. Oktober, 19.30 Uhr, www.cappella-albertina.at

Szene Salzburg (Tanz).

20./21. November, 19 Uhr, „Unkraut“, Choreografie von Doris Uhlich

Schlosstheater Schönbrunn (Gesang).

„Hänsel & Gretel“, Hauptrolle in der Kinderoper, 14./15. Dezember, 15 Uhr, Schönbrunner Schlossstraße 147, www.schoenbrunn.at

Konzerthaus Wien (Gesang).

23. Jänner 2020, Konzert im Rahmen des „Resonanzen“-Festivals.

4. Juni 2020, F. Schubert: „Mirjams Siegesgesang“, www.konzerthaus.at