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People | 28.10.2019

Leidenschaftlich furchtlos

Ob sie nun Berggorillas in Ruanda ablichtet, einen Wiedehopf in Winden am See oder die Schönheit des Körpers eines Leistungssportlers einfängt – Sabine Königs Arbeiten sind stets eine Hommage an die Natur.

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Katzenverliebt. Den Geparden, die Sabine König auf einem 15 Hektar großen Privatareal ablichtete, will sie ein Buch widmen. © Sabine König

Der Elefant baute sich nahe vor ihrem Jeep auf. Er trompetete bedrohlich laut und war sichtlich aufgebracht. Um sie herum dichtes Gebüsch, hinter ihnen der Fluss – Krokodile inklusive … Nein, Indiana Jones spielt in dieser Szene keine Rolle. Am Steuer des Wagens sitzt Sabine König, sie ist mit zwei Freundinnen unterwegs – und es ist bittere Realität. Doch der Elefantenbulle ist offenbar nicht wegen ihnen in Rage; sie bewahren Ruhe und er lässt schließlich von ihnen ab. Den unfreiwilligen Adrenalin-Kick holten sich die Frauen im Kruger National Park in Südafrika. „Das war so ziemlich das einzige Mal in meinem Leben, dass ich wirklich Angst hatte“, lacht Sabine König. „Angst ist ohnehin nur ein Killer; es braucht Respekt, um sich in der Tierwelt zu bewegen“, stellt sie klar.


Dschungelvisionen

Schon mit sechs Jahren kündigte sie ihrer Mama an: „Wenn ich groß bin, gehe ich in den Dschungel“, erzählt die Fotografin, die an diesem Frühherbsttag barfuß durch den Garten in Winden am See streift. Schon so manche Gäste waren beim Anblick des wildromantischen Refugiums irritiert, verraten Sabine König und ihr Mann, der Doppel-Olympiasieger Roman Hagara (Segeln). „Sogar Gärtner-Empfehlungen wurden ausgesprochen“, schmunzelt sie, „aber wir machen das alles ganz bewusst“; das Kommando wird der Natur überlassen. Was sie damit meint, wird wenige Augenblicke später klar, als zwei prachtvolle Wiedehopfe – eine vom Aussterben bedrohte Vogelart (Rote Liste) – ganz nah an uns vorbeifliegen und ein Eichhörnchen scheinbar unbekümmert und mit einer Nuss ausgestattet das Hosenbein der Autorin dieser Zeilen streift. Sabine König wuchs in Vorarlberg auf. Als ihr Mann und sie nach einem Haus am Land Ausschau hielten, „kamen für mich nur der Boden- oder der Neusiedler See infrage“, gesteht sie. Der Kulturschock, Berge und Bäume hinter sich zu lassen, um nach der Matura in Wien Fotografie und Grafikdesign zu studieren, hält sich hartnäckig in ihrer Erinnerung. Erst als eine Kunstgeschichte-Professorin den Blick auf die historischen Bauten lenkte, söhnte sie sich mit der Stadt aus.
Zwei Quellen inspirieren die ehemals erfolgreiche Kunstturnerin seit Beginn ihrer Laufbahn: die Natur und der Sport. Dabei verlässt sie gerne Trampelpfade – wie etwa mit ihren Bromölfotografien, für die sie sich eine hundert Jahre alte Technik aneignete. Ein einziges Bild, das vor allem durch seine besondere Farbgebung auffällt, benötigt 16 Arbeitsschritte, erklärt sie. Geht einer schief, war das ganze Procedere umsonst. Eine Serie mit Sport-Aushängeschildern wie Niki Lauda, Franz Klammer – er stand im Steinbruch von St. Margarethen vor ihrer Linse – und Barbara Schett (siehe S. 14) brachte ihr internationales Medienecho ein.

 

"Wir Menschen müssten endlich alle so leben, dass wir ein Gewinn für die Natur sind.", Sabine König


Vor gut 20 Jahren war es auch die Sportfotografie, die sie mit dem Segler Roman Hagara zusammenführte. Die beiden teilen die Liebe für die Natur und die Abenteuerlust; gemeinsam unternahmen sie unter anderem eine Expedition zu den Berggorillas in Ruanda, die mitunter Hilfsprojekten zum Schutz der Tiere gewidmet war. „Wenn du dich dort vier Stunden durch das Dickicht kämpfst und plötzlich fünf Meter vor einem halbwüchsigen Berggorilla stehst, das ist schon unglaublich“, erzählt Sabine König. „Der Mensch sagt, wir stammen vom Affen ab. In Wahrheit ist der Mensch ein Affe – und zwar der aggressivste“, gibt sie zu bedenken. Kürzlich entwickelte Sabine König eine Technik, um vorrangig heimische Schönheiten auf Sandstein zu bannen. „All das umgibt uns hier“, deutet sie auf eine Kommode mit einer Vielzahl ihrer „Steinbilder“. Schmetterlinge kommen zum Vorschein, Smaragdeidechsen und majestätische Hirschkäfer. „Nur wenige Wochen Lebenszeit hat ein Hirschkäfer, um sich fortzupflanzen“, sagt sie. So oft würde totes Holz achtlos weggeräumt, „der Lebensraum für diese Tiere auf der Roten Liste.“ Das Engagement für den Umweltschutz – das Paar ist Mitglied der „Initiative Welterbe Fertö/Neusiedler See“ – wird schon vor der Haustür gelebt; tatkräftige Stütze ist dabei Sohn Philip, 23, der Biologie und Philosophie studiert. So kooperiert die Familie mit einer Falknerei; verwaiste Vögel werden in einer riesigen Voliere im Garten aufgepäppelt und anschließend in die Freiheit entlassen.


Neues Leben

Wenn Hagara segelnd die Welt bereist, unternimmt seine Frau oftmals mit der Kamera Expeditionen. Sie kehrt stets mit einer Fülle an Ideen für neue Projekte heim. „Manchmal wünsche ich mir einen Ausschaltknopf“, lacht sie und wird für einen Augenblick ernst. Ein Tumor, den sie glücklicherweise besiegen konnte, habe sie kürzlich zum Umdenken gebracht. „Ich habe meine Ernährung umgestellt, den Zucker verbannt, ich treibe wieder mehr Sport und schwöre auf Kokosöl zum Kochen“, zählt sie auf. „Ich habe das Gefühl, seit ich wieder gesund bin, explodiert meine Kreativität. Ich glaube fest daran: Wenn du so etwas überwunden hast, gehst du gestärkt hervor.“

 

 

 

 

Lurchi …

… ist eine Nebelkrähe mit besonderen Fähigkeiten (wobei Krähen ohnehin als äußerst intelligente Tiere gelten). Sie war vor drei Jahren aus einer Tanne gefallen, Familie König-Hagara zog den Vogel groß, ehe sie ihn in die Freiheit entließ. Lurchi wurde so zutraulich, dass er sogar auf der Schulter seiner Gastfamilien-­Mama saß und mit ihr „kommunizierte“.

Diese besondere Verbindung blieb bestehen; die Krähe lebt bis heute in der Nachbarschaft und stattet ihren Lebensrettern regelmäßige Besuche ab. Zudem erkennt Sabine König ihren Lurchi an den ganz speziellen Rufen, die sich laut der Fotografin ohne Zweifel hörbar von denen seiner Artgenossen abheben.

www.sabinekoenig.at

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Expedition in Ruanda. Sabine König und ihr Mann Roman Hagara „besuchten“ die Berggorillas.

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Bromölfotografie. Das besondere Porträt von Tennisstar
Barbara Schett zierte sogar Covers in Japan.

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Nah und Fern. Smaragdeidechsen aus dem Garten bannt die Fotografin kunstvoll auf Sandstein.

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Berggorilla in Ruanda.

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Spektakulär. Sabine König engagiert sich für den Schutz des stark vom Aussterben bedrohten heimischen Wiedehopfs.

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Katzenverliebt. Den Geparden, die Sabine König auf einem 15 Hektar großen Privatareal ablichtete, will sie ein Buch widmen.