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People | 04.11.2019

Schmäh-Parade

Fern der österreichischen Heimat begegneten sie einander und es hat humormäßig und musikalisch sofort gefunkt. Fast wie verheiratet sind „Die Duetten“ seither. Ein Talk über (Selbst-)Liebesgeschichten.

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© Birgit Machtinger

Seit gut fünf Jahren ziehen „Die Duetten“ mit amüsanten wie tiefgründigen Dialekt-Chansons  Schräg­strich Musikkabarett durch Österreich; nun gibt’s auch den ersten Tonträger alias „Für Hugo“.  Als Hintergrundmusik total untauglich, diese Texte muss man einfach hören! Der Schmäh rennt ohne Unterlass. Wir plauschten mit den Singer-Songwriter­innen Isabel Gaber und Michaela Khom über Leben und Lieben.

BURGENLÄNDERIN: Euer Kennenlernen war romantisch. Erzählt!

Michaela Khom: Wir haben beide zeitgleich in Kopenhagen eine Gesangsweiterbildung gemacht und waren zufällig die einzigen Österreicherinnen.

Isabel Gaber: Dort wurden wir ermutigt, das Songwriting zu versuchen.

Michaela: … dabei hatten wir selbst gar keine Ambitionen.

Isabel: Wir saßen weit voneinander entfernt. Als es hieß, wir sollen Teams bilden, war trotzdem sofort klar: Wir machen das zusammen. Wir haben dann gemeinsam einen Dialekt-Song geschrieben und vorgesungen. Das Coole war: Niemand konnte Deutsch, trotzdem haben alle an den richtigen Stellen gelacht. Und wir haben festgestellt: Wir haben ziemlich exakt den gleichen Humor.

Michaela: Wir sind urähnlich, aber trotzdem sehr unterschiedlich. Das ist auch für uns total „weird“, wenn wir gemeinsam auch über Dinge lachen, die offiziell gar nicht lustig sind.

Isabel: Das Schöne ist, dass wir uns auch künstlerisch nicht in die Quere kommen; Michi macht Musical, ich eher Rock. Diese Konkurrenzgeschichten gibt’s bei uns nicht.

Was sind eure Song-Themen?

Michaela: Alltag, Zwischenmenschliches – unser Motto ist: „Scheiß di net an!“

Isabel: Das ist auch der Titel einer unserer ersten Songs, der passt zu uns und damit kann jeder etwas anfangen.

Scheißen wir uns zu viel an?

Michaela: Wir Frauen denken viel nach, hinterfragen alles und trauen uns vieles nicht zu. Für mich war schon der Schritt auf die Bühne kein natürlicher, weil ich privat eher schüchtern bin. Aber der Wunsch war da, ich musste voll über meinen Schatten springen.

Isabel: Männer scheißen sich genauso an, sie zeigen es nur nicht so. Und wir haben noch immer diesen „Schwächeres-Geschlecht-Stempel“.

Michaela: Zusätzlich ist das vielleicht noch was Österreichisches oder sogar Europäisches, dieses Vorsichtigsein, weil es könnte ja was schiefgehen … In Amerika heißt’s: „Go for it!“

Die Liebe zur Kunst macht das Überleben nicht leicht. Was meint ihr?

Isabel: Ich habe immer nur künstlerische Berufe gemacht und muss sagen: Wenn du mit dem Herzen dabei bist, ergeben sich die Dinge.

Michaela: Stimmt, Augen offen halten und dranbleiben!

Isabel: Ich versteife mich nicht auf eine Sache. Ich spiele in sieben Bands.

Michaela: Manchmal kommt die Angst, was in zehn Jahren ist. Aber ich gehe lieber das Risiko ein, mal zu schauen, was passiert, als mir mit 80 zu denken: Hätte ich das nur gemacht …

Wir haben in der Redaktion salopp die Hypothese aufgestellt, dass Selbstliebe mal die Basis für alles ist. Stimmt das? Wie tun sich Frauen damit?

Michaela: Ein Riesenthema!

Isabel … und sehr modern.

Stimmt, meine Oma kennt den Begriff kaum.

Michaela: Vielleicht hatten die Menschen früher dafür keine Zeit, vielleicht ist es ein Luxusproblem, dass wir alles haben und dann fängt man an, sich selbst zu optimieren. Wir haben das Thema auch in unserem Programm: Selbstliebe ist schwer, wenn man zu viel über sich weiß (lacht).

Isabel: Wir entwickelten mit Wissenschaftlern – nicht wirklich! (lacht) – unsere Duetten-Methode: Wenn die Menschen in unser Konzert kommen, haben sie ein leiwanderes Leben. Inklusive Selbstliebe.

 

We love!

Die Duetten: Michaela Khom und Isabel Gaber

 

Wie steht’s um eure Selbstliebe?

Isabel: Zumindest kann ich sagen: Ich mag mich. Ich bin auch gern allein.

Michaela: Ich auch.

Isabel: Ich brauche das künstlerisch, um mich mit Ideen im Kopf zu spielen. Gleichzeitig ist es in unserer Gesellschaft noch immer schwer, dazu zu stehen, dass man sich mag, ohne arrogant zu wirken.

Michaela: Gerade weil dieses Thema Selbstoptimierung so groß ist. Es geht immer noch besser, schöner, spiritueller – anstatt zu sagen: „Passt eh so.“ Ich hab’s noch nicht geschafft. Bei Frauen scheint auch der optische Faktor wichtiger.

Ist Selbstliebe nun ein Fundament?

Michaela: Wenn man mit sich selbst unrund ist, wie soll es dann mit einem Partner funktionieren?!

Was bedeutet für euch Schönheit?

Michaela: Symmetrie. Und: Die rein äußerliche Schönheit kann man bei anderen immer besser sehen als bei sich selbst. Ich weiß auch nicht, wie wahr eine Selbstwahrnehmung ist …

Isabel: Ich bin Ästhetin, ich liebe Design und schöne Dinge. Warum muss mit Schönheit immer automatisch die körperliche Schönheit gemeint sein? Schönheit ist viel mehr, die Natur ist überwältigend, sie macht mich glücklich.

Michaela: Manche sind auf den Körper fokussiert, andere aufs Gesicht.

Isabel: Ich versuche eher, einen Glow wahrzunehmen, ob Menschen schön rüberkommen.

Die große Liebe schon gefunden?

Michaela: Vor fast acht Jahren.

Isabel: Vor 14 Jahren.

Eure Beziehungserfolgsrezepte?

Isabel: Freundschaft und Humor. Ich bin sehr gern mit meinem besten Freund ein Paar. Wir können unglaublich viel miteinander machen und ich hab’s mit niemandem sonst so lustig.

Michaela: Humor ist ein Riesenfaktor. Und dass man ein Team ist. Mein Freund macht Wirtschaftsrecht und ist ein Deutscher, das ist quasi ein anderes Universum (schmunzelt). Aber er steht hinter mir, das weiß ich zu 1.000 Prozent.

Wie sieht’s mit eurer Beziehung aus?

Michaela: Wir sind ja fast wie verheiratet, wir haben sogar ein gemeinsames Konto (lacht).

Isabel: Wir haben einen ähnlichen kreativen Zugang.

Michaela:  … und die gleiche verstrickte Art zu denken, die man kaum nachvollziehen kann (lacht). Dass wir stimmlich harmonieren, das könnte man natürlich auch nicht erzwingen.

Wie seid ihr auf der Bühne?

Michaela: Wie Pingpong.

Isabel: Unkompliziert, es „flowt“ gut (lacht). Wir wollen dieselben Sachen; dann geht man in eine Richtung, ohne dass man das besprechen muss.

Wir interviewten für diese Ausgabe eine polyamoröse Psychologin. Was haltet ihr vom Konzept, mehrere zu lieben?

Isabel: Ich kenne Menschen, die so leben. Ich find’s großartig, wenn man das kann. Ich könnte meinen Partner nicht teilen. Aber es ist definitiv Platz auf der Welt dafür da. Why not?

Michaela: Ich bin generell gegen Definitionen von außen. Das muss jeder und jede in der Beziehung selbst für sich ausmachen und auch immer wieder neu besprechen: „Was passt für uns?“

Isabel: Wie Carrie und Big in „Sex and the City“!

Michaela: Genau! In einer Beziehung ist man niemand anderem Rechenschaft schuldig. Außer wenn Kinder da sind. Aber auch sie brauchen vor allem Ehrlichkeit und nichts Vorgespieltes.

Die Duetten
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Humor-Harmonie.

Bei Isabel Gaber (l.) und Michaela Khom war es quasi Freundschaft auf den ersten Blick. Sie ergänzen einander künstlerisch und privat.

Die Duetten …

… sind Isabel Gaber aus  Siegendorf und Michaela Khom aus Wien (gebürtige Steirerin). Gemeinsam machen sie Musikkabarett bzw. Dialekt-Chansons. Isabel studierte Medienkunst an der Uni für angewandte Kunst, ist Sängerin und Vocalcoach. Michaela ist Musicaldarstellerin und studiert Musikerziehung an der Uni für Musik und darstellende Kunst Wien. Komplett ist das „Duetten“-Quartett mit den Musikern Bernhard Macheiner (Piano) und Alexander Meller (Kontrabass).

www.dieduetten.at

Die BURGENLÄNDERIN verlost 2 x 2 Tickets für das Musikkabarett „Für Hugo“ (CD-Release) mit den „Duetten“ am 9. November um 20 Uhr in der Cselley Mühle Oslip.
Das Gewinnspiel findest du HIER.
Einsendeschluss ist der 6.11.