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People | 07.11.2019

Universum mit Bodenhaftung

Einzelgängerin war sie schon immer – und doch nie allein. Die Künstlerin Cleo Ruisz überrascht sowohl mit ihrer Kunst als auch mit ihrer Persönlichkeit. Porträt über eine Frau, die noch weiß, was Urvertrauen heißt.

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© Vanessa Hartmann

Es kommt immer alles zum richtigen Zeitpunkt. Man trifft die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Wichtig ist, dass man vertraut.“ Und dieses Urvertrauen in die Tatsache, dass das Leben einem nur das gibt, was man auch stemmen kann und soll, stellt die Grundlage für das Denken und Handeln der Künstlerin Cleo Ruisz dar. Die Berufung als Künstlerin war und ist nicht immer eine leichte. „Es gibt kein Fixeinkommen und keine Sicherheiten. Daher ist positives Denken und Dranbleiben wichtig, ohne Druck, sondern in Leichtigkeit und in Vertrauen, ohne Erwartungshaltung.“

Sportwagen vs. Familienfotos.

Und ganz ohne Erwartungshaltung begann auch die Karriere der heute knapp 60-Jährigen (dass sie im Dezember diesen Runden feiert, sieht man ihr absolut nicht an). Cleo kam quasi bereits mit dem Bleistift zur Welt und hat schon als Kind mit Liebe gezeichnet. Ihre zweite Leidenschaft galt bereits in frühen Jahren der Musik. Aufgewachsen in Hornstein, zog sie mit 19 Jahren nach Wien. „Dort kannte ich niemanden, also habe ich angefangen, alte Leute auf der Straße zu fotografieren, und davon habe ich dann meine ersten Bleistiftzeichnungen gemacht.“ Sie durchlief ab ihrem 17. Lebensjahr alle möglichen Berufssparten, von der Sekretärin bis zur Servicekraft, ging auch in die Selbstständigkeit, aber nie mit der Malerei. Diese war immer ihr liebstes Hobby, ihre tiefste Passion. Und die Zielstrebigkeit zeichnete ihre Persönlichkeit schon früh aus. Während beim ersten Klassentreffen nach fünf Jahren andere schon die ersten Familienfotos herumzeigten, flitzte Cleo mit ihrem Sportwagen zum Treffen.


Die Liebe ist ein seltsames Spiel.

Durch den Gesang und ihr Mitwirken in verschiedenen Bands lernte sie den Vater ihrer Tochter kennen, die 1987 zur Welt kam. Die Liebe und Cleo sind überhaupt zwei Komponenten, die sich sehr viel zu zeigen hatten in den vergangenen Jahrzehnten. Cleo lernte die Liebe von mehreren Seiten kennen und ist heute glücklich in vierter Ehe verheiratet. Auch sonst hat das Leben ihr Prüfungen auferlegt, an denen andere vielleicht zerbrochen wären. Wie zum Beispiel der Hausumbau und die Übersiedlung nach einem schweren Autounfall in Deutschland. „Ich bin ein sehr positiver Mensch, immer optimistisch und versuche aus sogenannten ‚negativen‘ Ereignissen immer das Positive herauszunehmen. Eine Tür geht zu, die andere öffnet sich.“ Seit 2000 widmet sie sich hauptberuflich der Malerei und nebenbei der Musik. Sie arbeitet in verschiedenen Techniken wie Acryl, Öl, Pastell, Bleistift. Ihre Leidenschaft waren immer Menschen. Doch da sie bereits als Kind mit Tieren aufgewachsen ist, hat sich hier ein spezielles Steckenpferd entwickelt: Tierporträts. Viele lassen ihren Lieblingsvierbeiner von Cleo Ruisz auf Leinwand verewigen. 2018 startete sie zudem die Serie der fantasie- und humorvollen Hundebilder. „Im Gegensatz zu vielen anderen Künstlern liebe ich Auftragsarbeiten. Ich habe ein spezielles Gefühl für Räume und Menschen entwickelt und bis dato immer den Geschmack der Kunden getroffen.“ Zahlreiche internationale Ausstellungen sowie Malworkshops und Malreisen bestätigten Cleo, dass sie mit dem, was sie macht, auf dem richtigen Weg ist. Und das kristallisierte sich auch privat heraus.Vor mittlerweile zehn Jahren hat sie ihren Mann kennengelernt, als er sie auf Facebook als Freundin adden wollte. „Seither führen wir eine tolle Beziehung und seit 2016 sind wir glücklich verheiratet und wohnen in meinem ehemaligen Elternhaus in Hornstein. Ich glaube an die Wünsche ans Universum, man muss sie nur richtig formulieren. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann versuche ich es umzusetzen. Ohne Druck, mit Blick auf das Ziel, dann ergeben sich viele Dinge quasi von alleine bzw. verwirklichen sich auf eine Art und Weise, wie man sie zumeist nicht erwartet hätte.“


Durch Knef „BeziehungsLos“.

Entgegen der weit verbreiteten Meinung, Künstler seien Langschläfer, steht Cleo täglich um 6 Uhr auf, arbeitet ab 8 Uhr in ihrem Atelier in Donnerskirchen für einige Stunden, abends wird am Laptop weitergewerkt. „An den Wochenenden bin ich auch teilweise im Einsatz, entweder in meiner Funktion als Vorständin beim Charity-Verein ‚Global Family‘ oder künstlerisch. So gesehen arbeite ich täglich, wobei die Arbeit kein Beruf für mich ist, sondern meine Berufung.“ In ihrer Freizeit frönt Cleo dem Golfsport und geht auf Reisen. Zudem ist sie mit ihrem Musikprojekt „BeziehungsLos“ im Land unterwegs und absolviert Auftritte zum Thema Beziehung mit ausschließlich deutschen Chansons, Schwerpunkt Hildegard Knef. Seit sie 2009 den Witwer von Knef traf, Paul von Schell, und mit ihm einen Liederabend in der Nähe von Berlin gestaltete, wandelt sie auf den Spuren der deutschen Schauspielerin und Sängerin. „Paul hat mir vieles aus dem Leben mit Hildegard erzählt, ich habe gesehen, wo sie zuletzt gelebt hat, Sachen erfahren, die in keinen Büchern stehen und die in keinen Dokumentationen zu sehen sind.“ 2010 entstand dadurch das Programm „BeziehungsLos“, mit dem sie nach wie vor auf Veranstaltungen zu sehen ist. Zusätzlich unterstützt sie aufgrund ihrer dunklen Stimmfarbe den Männerchor im Tenor. Und sie scheint im Leben längst angekommen zu sein. „Ich liebe es, mir meine Zeit selbst einteilen zu können, und könnte mir nie wieder einen geregelten Job vorstellen.“

Impressionen
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Menschen zu zeichnen, übt eine besondere Faszination auf
die Künstlerin aus. Am Bild oben: Winzer Leo Hillinger.

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Tierporträts sind das Steckenpferd von Cleo Ruisz geworden.

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KURZBIOGRAFIE & TERMINE

Cleo Ruisz studierte an der Wiener Kunstschule, absolvierte diverse Workshops u. a. in Neumarkt a. d. Raab, Mag. Jan Fekete, die Sommerakademie mit Bogdan Pascu in Niederwaldkirchen und Goldegg, Encaustic bei Anna-Maria Aigner, Öl nach alten Meistern bei Clemens Fuchs. Nachdem sie lange Zeit in Wien wohnte, lebt sie nun seit Kurzem wieder in ihrem Heimatort Hornstein.

Termine

08.11. „BeziehungsLos“ im Freuraum Eisenstadt

09.11. „BeziehungsLos“, Bühne Bauers, Obersiebenbrunn – mit Vernissage

 ab 23.11. Ausstellung im Biohotel Grafenast, Schwaz/Tirol

bis 18.11. Ausstellung in der MONDI-Gallery in Wien

 
Nach Terminvereinbarung jederzeit Besuch im Atelier möglich.

www.cleo.at